GDV-Konferenz: Diese 4 Entwicklungen haben 2020 besonders geprägt

Ärger um Betriebsschließungsversicherungen, verschobene Beratungsgespräche, eine ausbleibende Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge: Das vergangene Jahr war für die Versicherer turbulent. Was wichtig war und wie die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate aussehen, verriet der GDV auf seiner diesjährigen Medienkonferenz.

„Widerstandsfähig und verhalten optimistisch“: Dieses Bild versuchten die deutschen Versicherer an diesem Mittwoch auf der alljährlichen Jahresmedienkonferenz, die diesmal ausschließlich in digitaler Form stattfand, nach außen zu übermitteln. Zu berichten galt es über ein Geschäftsjahr, das maßgeblich von der andauernden Corona-Krise geprägt war. Trotz der außergewöhnlichen Umstände vermeldeten die Versicherer spartenübergreifend ein Beitragsplus von 1,2 Prozent, das in diesem Jahr wieder auf über zwei Prozent steigen soll. Neben dem üblichen Wulst an Zahlen für die einzelnen Segmente waren folgende vier Entwicklungen von besonderem Interesse waren:      

1.  Rückgang bei Lebensversicherungen  

Deutlich ausgewirkt hat sich die Pandemie auf den Bereich der Lebensversicherung. Hier ging die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge um zwölf Prozent zurück. GDV-Präsident Dr. Wolfgang Weiler machte dafür die Vielzahl der aufgrund von Corona verschobenen Beratungsgespräche verantwortlich. Dass dieses Minus nicht noch deutlicher ausfiel, liege daran, dass sowohl Vermittler wie Versicherer ihre Vertriebsprozesse schnell an die neuen Verhältnisse angepasst hätten. „Das ist für mich die Überraschung des Jahres, wie schnell das die Branche hinbekommen hat“, lobte Dr. Andreas Wimmer, Leiter des GDV-Präsidialausschusses für Altersvorsorge.  

Nichtsdestotrotz mussten die Versicherer im Segment der Lebensversicherung Federn lassen – noch bleibt das Federkleid aber intakt. Bei den Beitragseinnahmen (knapp 103 Milliarden Euro) verzeichneten die Lebensversicherer (Inklusive Pensionsfonds und Pensionskassen) ein Minus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die laufenden Beiträge gingen dabei um 1,0 Prozent auf 64,4 Milliarden Euro zurück, während die Einmalbeiträge um 0,4 Prozent auf 38,3 Milliarden Euro zulegten.  

Angesichts des äußerst starken Vorjahres können die Versicherer diese Rückgänge sicherlich verschmerzen, zumal für 2021 wieder mit einem Plus von zwei Prozent gerechnet wird. „Wir rechnen vor allem mit Nachholeffekten in der Lebensversicherung. Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben wegen der eingeschränkten Konsummöglichkeiten während der Corona-Zeit durchaus hohe Ersparnisse aufgebaut. Ein Teil davon könnte auch in die private Altersvorsorge fließen“, erklärte Weiler.    

2. Die ausgebliebene Riester-Reform sorgt für Frust

Nach wie vor ist vonseiten der Politik nichts zu vernehmen im Hinblick auf eine angestrebte Reform der Riester-Rente. Aus Sicht der Versicherer verläuft das Geschäft mit der geförderten Altersvorsorge immer unerfreulicher. Der Bestand an Riester-Versicherungen ging im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozent zurück, auch das Neugeschäft weist eine negative Tendenz (-5,4 Prozent) auf. Erneut mahnte der GDV – wie bereits in einem Brandbrief im vergangenen Herbst – die Politik zu mehr Tempo. „Wir würden es uns sehr wünschen, wenn eine Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge noch in dieser Legislaturperiode beschlossen wird“, mahnte Wimmer. Schließlich würde es nach der Bundestagswahl im Herbst und unter einer neuen Regierung zu weiteren Verzögerungen kommen.    

Weiler ergänzte, dass in der bestehenden Legislaturperiode vorrangig die erste Säule des Altersvorsorgesystems gestärkt worden sei – eine Stärkung, die aber insbesondere auf Kosten der jüngeren Generationen gehe. „Nun müssen auch die jüngeren Generationen in die Lage versetzt werden“, etwas für ihre Altersvorsorge zu unternehmen.“  

Weiler bekräftigte erneut die Forderungen der Versicherer, die diese zusammen mit Fondsverband und Bausparkassen, in einem Fünf-Punkte-Papier deutlich gemacht hatten. Nun sei die Politik am Zug. Finanz-Staatssekretär Jörg Kukies hatte laut Weiler zuletzt angekündigt, im Januar einen ersten Gesetzesentwurf vorstellen zu wollen. Ob die Unstimmigkeiten innerhalb der Großen Koalition allerdings in den kommenden Tagen beigelegt werden können, bleibt abzuwarten.  

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3. BSV-Debatte hat für Imageschäden gesorgt

Im Januar vergangenen Jahres war das Nischenprodukt Betriebsschließungsversicherung wohl nur den wenigsten bekannt – das hat sich durch die Corona-Krise und die Klagen zahlreiche Gastronomen und Hoteliers, die den Versicherern Mängel in den jeweiligen Bedingungswerken vorwerfen, merklich geändert. „Das hat zweifellos Spuren beim Image unserer Branche hinterlassen und wir nehmen die Kritik sehr ernst“, ging GDV-Vorsitzender Weiler auf die Problematik ein, wiederholte jedoch auch mehrfach, dass eine globale Pandemie das Versicherungsprinzip aushebele.

Zur Verdeutlichung präsentierte Norbert Rollinger, Vorsitzender des Präsidialausschusses Risikoschutz für Gesellschaft und Wirtschaft, einige Zahlen. So stünden in der Betriebsschließungsversicherungen Beitragseinnahmen von 25 Millionen Euro versicherte Risiken in Höhe von 20 Milliarden Euro gegenüber. Einen Beitrag von 900 Millionen Euro hätten die Versicherer bereits im vergangenen Jahr im Rahmen der Betriebsschließungsversicherung geleistet.

„Pandemien sind rein privatwirtschaftlich nicht zu versichern“, betonte Weiler und verwies auf die von Seiten der Versicherungswirtschaft vorgelegte Public-Private-Partnership-Lösung. Auch in diesem Punkt sei aber noch keine Einigung mit der Politik erzielt worden, so Rollinger, allerdings habe er Zustimmung aus der Politik vernommen.  

4. Rechtsschutzversicherung werden teurer  

Die Nachfrage nach Rechtsschutzversicherungen ist im vergangenen Jahr merklich gestiegen – auch in diesem Jahr dürfte eine erhöhte Nachfrage festzustellen sein, prognostizierte Weiler. Auch dafür sei die Corona-Krise maßgeblich, die die Nachfrage nach Rechtsberatung deutlich steigere. Auf der anderen Seite wuchsen auch die Leistungsausgaben der Versicherer im vergangenen Jahr. Die Combined-Ratio stieg auf 100 Prozent, gab Rollinger bekannt.

Maßgeblich dafür sei der Dieselskandal: Bis zum Oktober 2020 hätten bereits 290.000 Kunden ihre Rechtsschutzversicherung bemüht, um gegen die Autohersteller vorzugehen. Insgesamt 800 Millionen Euro haben die Rechtsschutzversicherer bereits für Anwalts- und Prozesskosten im Zusammenhang mit der Diesel-Affäre ausgegeben. Bei Leistungsausgaben von jährlich drei Milliarden Euro entfällt somit mehr als jeder vierte Euro auf den Dieselskandal.

Die Kosten für die Versicherer dürften in Zukunft nicht geringer werden. Seit Januar dieses Jahres gelten höhere Anwalts- und Gerichtsgebühren. Der Zugang zum Recht wird damit im Schnitt um zehn Prozent teurer. „Die Branche steht unter Druck“, erklärte Rollinger, mit steigenden Beiträgen sei somit in naher Zukunft zu rechnen.  

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