Aus Kundensicht sind Fondspolicen das einzige Lebensversicherungs-Sparprodukt, das in der Niedrigzinsphase Chancen auf eine nennenswerte Realrendite bietet. Auch die Besteuerung bietet Vorteile gegenüber der Direktanlage.
Leider sind die Kosten alles andere als gering: „Der Investmentfonds kostet im Schnitt etwa 2,0 Prozent pro Jahr und die Versicherung in der Regel weitere 1,0 Prozent; da muss bei 3,0 Prozent Inflation schon eine Acht vor dem Komma beim Ertrag stehen, wenn sich die Sache lohnen soll“, sagt Finanzanalytiker Volker Looman in procontra und rechnet Alternativen durch.
ETF-Police oft besser als aktiv gemanagte Fondspolice
Eine Alternative zur Fondspolice mit aktiv gemanagten Fonds ist eine Versicherung, bei der der Anleger selbst bestimmen darf, in welche Fonds das Geld fließt. „ETF kosten zudem pro Jahr ein nur Zehntel der aktiven Investmentfonds, so dass zusammen nur 1,21 Prozent Kostenbelastung anfallen. Da bleibt über die Jahre deutlich mehr Ertrag", weiß Looman.
Ein weiterer Kostenfaktor, der zudem die Anlagefreiheit einschränkt, ist der garantierte Rentenfaktor. Er besagt zu Rentenbeginn, wie viel Rente pro 10.000 Euro Vertragsguthaben der Versicherte garantiert bekommt. „Die Sicherstellung eines hohen garantierten Rentenfaktors ist für die Gesellschaften relativ teuer, da für diese Garantie Kapital zurückzustellen ist“, erklärt Reinhard Klages, Chefredakteur des Marktbeobachters Map-Report.
Garantierter Rentenfaktor ist relativ
Außerdem schränkt ein garantierter Rentenfaktor die Anlagefreiheit deutlich ein. Fondspolicen ohne Garantie sind da freier in der Anlage und damit renditeträchtiger. Das Anlagerisiko trägt jedoch der Kunde. Daher ist es für Makler so wichtig, erfolgreiche Anleger unter den Versicherern herauszufiltern.
Makler schätzen neben der Produktqualität insbesondere die Verständlichkeit des Bedingungswerkes, die Beständigkeit des Tarifwerkes und noch immer auch die Verbindlichkeit von Garantiezusagen. Bei Finanztest ging Ende letzten Jahres in eine Untersuchung der garantierte Rentenfaktor zusammen mit dem Fondangebot des Versicherers noch zu 40 Prozent ins Gesamturteil ein (Kosten zu 40 Prozent, Flexibilität und Transparenz zu 20 Prozent). Sehr gute Angebote fanden die Warentester jedoch nicht.
Optimierer mit Ökofonds
Immerhin: Die Stiftung Warentest hat eine Datenbank „Fondspolicen-Optimierer“ aufgebaut. Damit soll der beste Fonds aus der aktuellen Fondsliste des Versicherers für den gewünschten Tarif ermittelt werden, indem die Warentester dies mit ihrer generellen Fondsbewertung abgleichen. Mittlerweile bieten die meisten Versicherer in ihren Fondsrenten auch ETF an, insbesondere Aktien-ETF.
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In einer neuen Untersuchung hat Finanztest nun Fondspolicen mit ethisch-ökologischen Fonds getestet und in der Oktober-Ausgabe publiziert. Untersucht wurde, bei welchen Anbietern es die empfehlenswerten nachhaltigen Fonds aus dem Test „Nachhaltige Fonds“ (September-Ausgabe) gibt.
Im Prinzip nur sechs Top-Öko-Fonds
Ergebnis: Viele sind es nicht – je drei aktiv gemanagte weltweite Aktienfonds und drei weltweit streuende ETF – siehe Grafik. Immerhin können Versicherungskunden bei einigen Anbietern zwischen zwei oder sogar drei empfehlenswerten Fonds wählen.
Insgesamt sind 29 Fondspolicen ohne Garantie mit Anlage des Sparbetrages in empfehlenswerte nachhaltige Fonds in Heft 10/21 aufgelistet. Drei davon sind auch als Nettotarife im Angebot: Ökoworld Ökovision Classic, JSS Sustainable Equity Global Thematic sowie UBS MSCI World Socially Responsible ETF.
Mehrkosten und Rendite im Blick behalten
Die Mehrkosten der Fondspolice gegenüber einem reinen Fonds-Sparplan betragen meist zwischen 0,2 und bis zu 1,23 Prozentpunkte pro Jahr. Bei zwei Nettopolicen mit dem Ökoworld Ökovision Classic sind die Kosten der Nettopolice aber geringer als beim Fonds-Sparplan (Interrisk sowie die Bayerische).
Mehrkosten von 1,0 Prozentpunkten pro Jahr summieren sich bei einem 200-Euro-Monatsbeitrag über 30 Jahre bei durchschnittlich 6,0 Prozent Rendite pro Jahr allerdings auf über 33.000 Euro weniger Ertrag. Die Finanztest-Übersicht zeigt aber, dass die Verrentung von Fondspolicen gegenüber Fonds-Sparplänen steuerlich deutlich im Vorteil ist. Umgekehrt ist bei einer Kapitalabfindung ein ETF-Sparplan steuerlich günstiger.
„Fairgleichen“ unterschiedlicher Angebote
Auch das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) bewertet regelmäßig Privatrenten (fairgleichen.net). Neben Klassikrenten (bei denen die Überschüsse durchaus auch in Fonds angelegt sein können) werden hybride bzw. fondsgebundene Rentenversicherungen bewertet.
Bei Letzteren wird zumindest während der Ansparphase teilweise in Fonds investiert und nach Angeboten mit und ohne Beitragserhalt unterschieden, zudem werden „Comfort“-Tarife (komplett vom Versicherer gemanagte Anlagekonzepte) bewertet. Das aktuelle Rating gibt es hier.
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