Finanzberater erreichen (junge) Kunden nicht

Für die Mehrheit der Deutschen bedeutet Freiheit vor allem finanzielle Freiheit. Doch um sie auch nur annährend erreichen zu können, heißt es die Finanzplanung in den Blick zu nehmen. Dabei setzen allerdings nur wenige auf den Rat von Finanzexperten.

Junge Frau hält sich die Ohren zu

Für die Mehrheit der Deutschen bedeutet Freiheit vor allem finanzielle Freiheit. Dabei setzen allerdings nur wenige auf den Rat von Finanzexperten. | Quelle: Deepak Sethi

Junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren verzichten beim Thema Finanzen gänzlich auf eine professionelle Beratung. Das zumindest ist das Ergebnis des Financial Freedom Reports der LV 1871, für den im August dieses Jahres 2.500 erwachsene Deutsche nach ihrem individuellen Verständnis von (finanzieller) Freiheit, Einkommensquellen und gewünschtem Renteneintrittsalter befragt worden sind. Doch scheinen über alle Alterskohorten hinweg Finanzexperten keinen guten Stand zu haben: Nur durchschnittlich 1,5 Prozent aller Befragten holen sich bei ihnen Hilfe.

Allerdings sind es gleichzeitig die jüngeren Erwachsenen, die am ehesten den Gang aufs Börsenparkett wagen (knapp 18 Prozent). Mit zunehmendem Alter nimmt das Investment in Aktien, Fonds oder ETF ab. Schlusslicht bildet die Altersgruppe der ab 65-Jährigen, von denen nur gut fünf Prozent eine entsprechende Geldanlage nutzt.

Ab 8.000 Euro monatlich frei?

Möglicherweise ist die jüngere Generation aber nicht einfach nur per se mutiger in Sachen Finanzen, sondern muss es auch sein, um die vergleichsweise hohen Ansprüche annähernd erreichen zu können: Demnach setzen 76 Prozent von ihnen Freiheit mit finanzieller Freiheit gleich. Damit sich dieses Gefühl bei ihnen jedoch überhaupt einstellt, setzen sie die Messlatte hoch. Sehr hoch. 14,3 Prozent der jungen Erwachsenen benötige laut Studie 8.000 Euro und mehr monatlich, um sich finanziell frei fühlen zu können. Bei den ab 65-Jährigen sagen das hingegen lediglich fünf Prozent. Einem Viertel und damit den meisten genügen allerdings zwischen 2.000 bis 3.000 Euro monatlich, um sich finanziell frei zu fühlen.

Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während der genannte monatliche Betrag knapp 30 Prozent der Frauen genügen würde, sagen das nur gut 20 Prozent der Männer. Gleichzeitig geben doppelt so viele Männer (10,5 Prozent) wie Frauen (4,6 Prozent) an, dass sie 8.000 Euro oder mehr pro Monat benötigen, um sich finanziell frei fühlen zu können.

Insgesamt sind sich bei der Frage nach der Bedeutung von „finanzieller Freiheit“ die Bundesbürger altersübergreifend jedoch einig: Für 63 Prozent überwiegt die finanzielle Unabhängigkeit, mit großem Vorsprung gegenüber Aspekten wie „Träume finanziell erfüllen zu können“ (10,5 Prozent), „nicht mehr arbeiten zu müssen“ (8,9 Prozent) oder „früher in Rente zu gehen“ (5,3 Prozent).

Midlife-Unzufriedenheit

Doch wie zufrieden sind die Befragten eigentlich mit ihrer tatsächlichen finanziellen Situation? Erstaunlicherweise sind es gerade die Jüngeren (57 Prozent) und die ab 65-Jährigen (59 Prozent), die angeben, mit ihrer finanziellen Situation glücklich zu sein. Vor dem Hintergrund der durchaus hohen Erwartungshaltung, mag das verwundern.

Am wenigsten zufrieden zeigt sich übrigens die Altersgruppe zwischen 40 und 49 Jahren. Hier geben knapp 42 Prozent an, unzufrieden mit ihrer finanziellen Situation zu sein. Damit bestätigt die Studie auch das Ergebnis aktueller Forschungen. So verlaufe der Grad der Zufriedenheit U-förmig. Ab Mitte 20 werden wir sukzessive unzufriedener mit unserem Leben, ein Gefühl das spätestens mit Anfang 40 in der sogenannten Midlife Crisis gipfelt. Ab 50 Jahren nimmt die Zufriedenheit allmählich wieder zu, bis wir im hohen Alter wieder so zufrieden sind wie eins in Kindheitstagen, so der Glücksforscher Tobias Esch.