Lockdown, Geschäftsschließungen und Kurzarbeit en masse: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die deutsche Wirtschaft fielen bekanntermaßen deutlich aus. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt ging im ersten Corona-Jahr um 4,6 Prozent zurück, ein Jahr später stieg es immerhin um 2,9 Prozent an. Milliardenschwere Hilfsprogramme fuhr der Staat infolgedessen zur Unterstützung der Wirtschaft auf – und viele Aktiengesellschaften konnten trotz Pandemie hohe Gewinne erwirtschaften. Nun profitieren von dieser Entwicklung die Anteilseigner: Wie aus der aktuellen Dividendenstudie der Anlegerschutzvereinigung DSW und des Institute for Strategic Finance an der FOM Hochschule hervorgeht, werden die börsennotierten Konzerne für 2021 ihren Aktionären eine Rekordsumme von 70 Milliarden Euro ausschütten – dabei liegt die Höhe der Dividenden um mehr als die Hälfte über dem Vorjahreswert, das bisherige Rekordjahr 2019 wird um 22 Prozent übertroffen.
Rekordausschüttungen bei Auto-Herstellern
Was die Dividenden angehe, sei „die Pandemie abgehakt“, sagte Studienautor Christian W. Röhl anlässlich der Veröffentlichung. Zwei Jahre nach dem Corona-Knick würden nun wieder vier von fünf Index-Firmen an ihre Aktionäre ausschütten. Dass die Quote der Dividendenzahler nicht ganz die alten Bestmarken erreiche, liegt der Studie zufolge unter anderem am steigenden Anteil jüngerer Technologie-Firmen. Denn diese seien entweder noch nicht „ausschüttungswillig“ oder „ausschüttungsfähig“. Und, so schreiben die Studienautoren: Viele Gewinnverwendungsvorschläge seien vor Beginn des Ukrainekriegs verabschiedet worden. Dementsprechend könnte es sein, dass manche Unternehmen wegen der unsicheren Auswirkungen des Krieges auf die Wirtschaft diese Vorschläge noch nach unten korrigieren.
Die 40 im DAX vertretenen Unternehmen machen mit mehr als 50 Milliarden Euro den Löwenanteil bei den Gewinnausschüttungen aus, sie liegen 47 Prozent über dem Wert von 2021. Die Summe wird vor allem von Rekordausschüttungen der Autohersteller Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen getrieben: Insgesamt knapp 13 Milliarden Euro wollen die drei Unternehmen an ihre Anteilseigner überweisen. Spitzenreiter bei den Ausschüttungen ist mit 6,15 Milliarden Euro die in keinem Index enthaltene Reederei Hapag-Lloyd. Rund sieben Milliarden Euro zahlen die im MDAX gelisteten Konzerne an Dividenden aus. Im Durchschnitt liegt hier der Anteil der Ausschüttungen an den Gewinnen bei 41 Prozent. Dies entspreche weitgehend dem historischen Muster, so Studienautor Röhl.
Noch während des ersten Pandemie-Jahrs hatten viele Unternehmen auf das Auszahlen von Dividenden verzichtet und einen Großteil ihrer Gewinne einbehalten. Im vergangenen Jahr gingen etliche Konzerne dazu über, die Dividende aus der Substanz zu zahlen. Damals zahlten die in DAX, MDAX und SDAX enthaltenen 160 Unternehmen rund 44,7 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus – im Vergleich zum ersten Corona-Jahr 2020 entsprach dies einem Anstieg um 4,9 Prozent.
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