Die gute Nachricht: Versicherer eines Waffenherstellers muss 73 Millionen Dollar zahlen

Der Waffenhersteller Remington Arms muss den Hinterbliebenen von einem der schwersten Amokläufe in der US-Geschichte eine Abfindung in Millionenhöhe zahlen. Die Zahlung wird der Versicherer des Unternehmens übernehmen.

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Ukrainische Geflüchtete soll der Alltag in Deutschland vereinfacht werden. Eine Hürde bestand bisher in der Eröffnung eines Girokontos. Bild: picture alliance/Zoonar DesignIt

Am Vormittag des 14. Dezember 2012 erschoss ein junger Mann zwanzig Schüler und sechs Erwachsene in der Sandy Hook Elementary School in Newtown, im US-Bundesstaat Connecticut. Der 20-jährige Täter Adam Lanza tötete zuvor seine Mutter und fuhr anschließend in seine ehemalige Grundschule, um dort das Massaker zu verüben.

Eine der vier Schusswaffen, die Lanza bei sich führte, stammte vom Waffenhersteller Remington Arms: ein halbautomatisches Gewehr der Marke Bushmaster ASCR. Jetzt wurde bekannt, dass der Waffenhersteller den Hinterbliebenen der Opfer insgesamt umgerechnet 64,2 Millionen Euro (73 Millionen US-Dollar) zahlen muss, wie das Insurance Journal berichtet. Die Abfindung werde über Versicherungspolicen bezahlt, sagten Anwälte der Familien in einer Erklärung. Es ist das erste Mal, dass ein Waffenhersteller für eine Massenerschießung in den Vereinigten Staaten verantwortlich gemacht wurde.

Die neun betroffenen Familien verklagten 2014 Remington Arms, seither kämpften sie vor Gericht dafür, das Unternehmen für die Tat haftbar zu machen – und das trotz eines US-Gesetzes, das Waffenhersteller und -händler vor den meisten Zivilprozessen schützt. Die Kläger fanden jedoch einen Weg, diesen Rechtsschutz für Waffenhersteller zu umgehen. Der Anwalt der Familien, Josh Koskoff, konnte nachweisen, dass Remingtons Vermarktung von Schusswaffen zu dem Massaker beigetragen hatte: Die Waffe, eine AR-15, sei jahrzehntelang nur für einen kleinen zivilen Markt gedacht gewesen.

Nachdem die Private-Equity-Firma Cerberus das Waffenunternehmen Remington im Jahr 2007 gekauft hatte, wurde eine aggressive Werbekampagne gestartet: Durch Produktplatzierung in Ego-Shooter-Videospielen und Anpreisung der AR-15 als effektive Tötungsmaschine, sei der Verkauf erheblich ankurbelt worden, so Koskoff. Die Verkäufe stiegen danach von 100.000 Stück im Jahr 2005 auf zwei Millionen im Jahr 2012.

In den Vereinigten Staaten werden seit Jahrzehnten Amokläufe wie jener an der Sandy-Hook-Grundschule immer häufiger verübt. Aktuelle Ergebnisse eines staatlichen US-Forschungsprojekts zeigen, dass von allen Massenerschießungen, die zwischen 1966 und 2019 gezählt wurden, über die Hälfte seit 2000 stattfanden, 20 Prozent fanden zwischen 2010 und 2019 statt.

Die Rechtsstrategie im Sandy-Hook-Fall könnte Befürworter schärferer Waffengesetze ermutigen, weitere Klagen gegen Waffenunternehmen anzustrengen und deren Erfolg begünstigen. Angesichts der Höhe der Entschädigung ist es nämlich durchaus realistisch, dass die Versicherer von Waffenherstellern ihre Prämien anheben. Das wiederum könnte einen Effekt auf den Vertrieb der Waffen haben und aggressiven Werbekampagnen wie der von Remington Arms einen Riegel vorschieben. Denkbar sind in den Versicherungsbedingungen auch Ausschlüsse von Amokläufen oder zumindest niedriger angesetzte Versicherungssummen, so dass Waffenhersteller in Zukunft notgedrungen stärker auf präventive Maßnahmen setzen müssen.

Auch Mexiko reichte im vergangenen Jahr eine US-Klage ein, in der von mehreren Waffenherstellern zehn Milliarden Dollar gefordert werden. Die Unternehmen werden beschuldigt, ihre Waffen an kriminelle mexikanische Banden verkauft zu haben.

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