Nicht jeder der möchte, darf auch – insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen bleibt der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) verwehrt oder ist nur zu sehr hohen Preisen möglich. Wenn die erste Wahl der Arbeitskraftabsicherung versperrt bleibt, müssen Alternativen her. Ob die Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) eine solche darstellt, ist unter Maklern umstritten. Viele betrachten sie aufgrund ihres reduzierten Schutzangebots und anderer Unzulänglichkeiten nur als letzte Notlösung.
Während die BU-Versicherung bereits dann leistet, wenn der bisherige Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann, zahlt die EU-Versicherung nur dann, wenn man dem Arbeitsmarkt überhaupt nicht mehr zur Verfügung steht, also keinem Beruf länger als drei Stunden am Tag nachgehen kann. Das Risiko berufsunfähig zu werden ist folglich wesentlich größer als das Risiko erwerbsunfähig zu werden.
Immer weniger Tarife am Markt
Auch die Versicherer schätzen das Potenzial von Erwerbsunfähigkeitspolicen offenbar als überschaubar ein. So konnte das Ratinghaus Morgen & Morgen in seinem aktuellen Marktüberblick nur 17 Tarife unter die Lupe nehmen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es noch 18, vor drei Jahren sogar noch 24 Tarife gewesen. Es ist also eine echte Nische, von der hier die Rede ist.
Unverständlich sei das aus Sicht von Andreas Ludwig, Bereichsleiter Rating & Analyse bei Morgen & Morgen. „Die Erwerbsunfähigkeit ist nach wie vor als einzige echte Alternative zur Berufsunfähigkeit weit unterschätzt“, findet er. Zumal die EU wesentlich günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu bekommen sei. Während eine 30-jährige Handwerkerin die günstigste BU-Versicherung (1.000 Euro Rente, Endalter 67 Jahre, Ratingergebnis: mindestens 4 Sterne) für 160,07 Euro bekommen würde, müsste sie für den günstigsten EU-Tarif nur eine Prämie von 56,30 Euro bezahlen.
Zudem können die am Markt befindlichen Tarife qualitativ überzeugen, so Ludwig: „Auch wenn der Markt sehr überschaubar ist, sind die wenigen Tarife sehr gut. Das ist ein wichtiges Signal für die Vermittlung.“ Von den 17 untersuchten Tarifen erhielten zehn die Bestnote in Höhe von fünf Sternen. Drei weitere Tarife wurden mit vier Sternen ausgezeichnet, vier Tarife mit drei Sternen. Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung der Stuttgarter, die im vergangenen Jahr als einzige Police komplett bei den Analysten durchfiel und mit nur einem Stern bewertet wurde, findet sich in diesem Jahr nicht mehr im Rating wieder. Dafür hat sich die Zahl der 5-Sterne-Tarife insgesamt verzehnfacht – im vergangenen Jahr war nur die „Metallrente EMI Plus Komfort“ mit fünf Sternen bewertet worden.
Ins Rating flossen wie im vergangenen Jahr 24 Fragen ein, die je nach Relevanz unterschiedlich gewichtet werden. Für eine 5-Sterne-Bewertung galt es zudem, bestimmte Mindestkriterien zu erfüllen. Hierzu gehören unter anderem:
Das ist das Rating-Ergebnis
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