Das sind die 6 Hauptrisiken für den Finanzmarkt laut BaFin

Niedrigzinsphase, Marktkorrekturen, aber auch Cyberrisiken stehen bei der Finanzaufsicht in diesem Jahr besonders im Fokus. Aus Vermittlersicht vor allem unerfreulich: Auch die Vermittlervergütung will die BaFin verstärkt ins Auge fassen.

Die BaFin hat für dieses Jahr insgesamt sechs schwerwiegende Risiken für die deutsche Finanzbranche ausgemacht – diese sollen in den kommenden Monaten im Fokus der Finanzaufsicht stehen. In ihrem Bericht zu den Hauptrisiken des Jahres, der von nun an jährlich veröffentlicht werden soll, benennen die Finanzkontrolleure auch konkrete Maßnahmen, mit denen sie der Risiken Herr werden wollen.  

1.)   Risiken aus dem Niedrigzinsumfeld  

Wenig überraschend beschäftigt die BaFin auch in diesem Jahr das weiter vorherrschende Niedrigzinsumfeld. Dieses hat nicht nur Auswirkungen auf Banken und Bausparkassen, sondern auch auf die Versicherer sowie insbesondere die Pensionskassen – für Versicherer und Kassen wird es immer herausfordernder, am Kapitalmarkt ausreichend Gewinne zu erzielen, um die teils hohen Garantieversprechen aus der Vergangenheit einhalten zu können.

Verstärkt griff die BaFin insbesondere bei den Kassen durch: Mehreren Kassen war in der Vergangenheit bereits das Neugeschäft untersagt worden. 40 weitere Kassen befinden sich nach Aussage von BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund derzeit unter „intensivierter Aufsicht“, bei einer einstelligen Zahl bewertet die BaFin die Situation als besonders ernst – entsprechend will die BaFin ihre „Manndeckung“ auch in Zukunft aufrecht erhalten.  

Doch nicht nur das. In ihrem Risiko-Bericht spricht die BaFin auch erneut die Vergütungsfrage an.  „Die Vertriebsvergütung der Lebensversicherer darf dabei keine Fehlanreize setzen und die erwarteten Renditen der Kunden nicht zusätzlich schmälern“, mahnt die Aufsicht. 

Bereits im Januar hatte Grund in einem Interview mit der dpa erklärt, überprüfen zu wollen, ob entsprechende Vorschriften seitens der Versicherer eingehalten werden. „Es gibt schließlich keine gesetzlichen Grenzen für die Vertriebsvergütung von kapitalbildenden Lebensversicherungen“, so Grund.    

2.)   Steigende Immobilienpreise

Auch die in den vergangenen Jahren stark steigenden Preise für Wohnimmobilien beunruhigen die BaFin. Die Preisentwicklung habe sich mittlerweile von grundlegenden ökonomischen Parametern, wie dem Einkommen, abgekoppelt. Laut Bundesbank sind Wohnimmobilien derzeit um 20 bis 35 Prozent überbewertet – deutschlandweit wohlgemerkt. In einzelnen Städten dürfte das Missverhältnis zwischen tatsächlichem Wert und aufgerufenen Preisen wesentlich deutlicher ausfallen.  

Mit den Wohnungspreisen stieg auch das Volumina der Immobilienkredite – mittlerweile sei dieses auf über 1,6 Billionen Euro gewachsen. Kommt es nun zu einer Preiskorrektur, könnten viele Kreditnehmer unter Umständen ihre Kredite nicht mehr bezahlen – vor allem dann, wenn die Banken die Schuldendienstfähigkeiten ihrer Kunden sowie die Werthaltigkeit der Immobiliensicherheiten überschätzen.   In diesem Zusammenhang hatte die BaFin zuletzt schon den Banken zusätzliche Risikopuffer verordnet. Zudem soll die Kreditvergabe von Banken sowie Versicherern weiter im Auge behalten werden. Korrigierende Eingriffe behält sich die Finanzaufsicht dabei ausdrücklich vor.  

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3.)   Signifikante Korrekturen auf den Finanzmärkten  

Durch das Niedrigzinsumfeld sind viele institutionelle Investoren, auch Versicherer, aber auch Privatanleger teils getrieben, ihr Geld risikoreicher anzulegen – schließlich bringen Anleihen kreditwürdiger Staaten kaum noch Ertrag. Die BaFin nennt hier als Beispiel High-Yield-Anleihen, also Anleihen mit einer niedrigen Schuldnerqualität (Bewertung unterhalb von BBB-). Auch die Aktienmärkte weisen teils Anzeichen für eine Überhitzung aus. Die Märkte sind zudem nervös, wozu auch Krisen wie der russische Krieg gegen die Ukraine beitragen – Kursrückgänge und Ausfälle sind darum laut BaFin ernstzunehmende Risiken.

Entsprechend will man in diesem Jahr verstärkt überprüfen, welche Auswirkungen Anleihen-Downgrades auf die Risikotragfähigkeit von Versicherern haben. Zudem soll auch die Anlageberatung in den Fokus rücken und so sichergestellt werden, ob Anlegern zu risikoreiche und damit ungeeignete Finanzprodukte empfohlen werden. Erst neulich war bekannt geworden, dass die BaFin den Verkauf von Futures mit Nachschusspflicht an Kleinanleger untersagen will.    

4.)  Cyber-Risiken

Kunden der Haftpflichtkasse werden es bestätigen können – Cyberrisiken gehören zu den besonders stark wachsenden Risiken im Finanzsektor. Die Folgen für die betroffenen Unternehmen sind gravierend, befürchtet die BaFin: „Für das einzelne Unternehmen, dessen Ruf möglicherweise ruiniert ist, für seine Kundinnen und Kunden, für die Akteure, mit denen es vernetzt ist, und für die Finanzstabilität“. Die Gefahr für solche Angriffe dürfte in Zukunft weiter zunehmen, schätzt die BaFin – nicht zuletzt aufgrund der Digitalisierung und der verstärkten Arbeit aus dem Homeoffice. Auch staatlich orchestrierte Angriffe wurden zuletzt immer häufiger beobachtet – eine Warnung, die angesichts von Russlands Krieg in der Ukraine von höchster Aktualität ist. Auch deshalb will die BaFin in diesem Jahr verstärkt die IT-Systeme von Banken und Versicherern überprüfen.  

Weitere Risiken

Darüber hinaus sieht die BaFin weitere Risiken im Ausfall von Unternehmenskrediten sowie aus der unzureichenden Geldwäscheprävention.  

Zudem hat die Finanzaufsicht neben Nachhaltigkeit (beispielsweise Großschäden durch Unwetterereignisse) auch in der Digitalisierung ein Zukunftsrisiko ausgemacht. Interessant ist hier die Feststellung der BaFin, dass auch die sogenannten BigTech-Unternehmen immer stärker im Finanzbereich Fuß zu fassen versuchen. So hat beispielsweise Amazon im vergangenen Jahr in Großbritannien einen weiteren Schritt in Richtung Versicherungsgeschäft unternommen.  

Hier macht die BaFin deutlich, dass diese Unternehmen sich denselben Regeln wie der übrige Markt zu unterwerfen hätten. Die Regeln der Finanzaufsicht gelten auch für branchenfremde Akteure sowie neue Geschäftsmodelle.

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