Cyberversicherer schreiben erstmals rote Zahlen

Die Zahl der Hackerangriffe ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Da auch die Zahl der Cyberversicherungen am Markt steigt, mussten die Versicherer deutlich häufiger leisten. In diesem Jahr ist die Lage für sie indes wesentlich erfreulicher.

Die deutschen Versicherer haben mit Cyber-Policen im vergangenen Jahr erstmals einen Verlust eingefahren. Das ergab eine Branchenauswertung des Versichererverbands GDV. „Unter dem Strich betrug die Schaden-Kostenquote fast 124 Prozent nach 65 Prozent ein Jahr zuvor“, berichtete GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Auf jeden eingenommenen Euro kamen somit Ausgaben für Schäden und Verwaltung in Höhe von 1,24 Euro.  

Zwar konnten die Versicherer auf der einen Seite ein deutliches Einnahmeplus verzeichnen. Die Beiträge stiegen um 49 Prozent auf 178 Millionen Euro. Erst vor kurzem hatte der GDV über ein deutlich gestiegenes Interesse an entsprechenden Policen bei kleinen und mittleren Unternehmen berichtet. Ende 2021 besaßen 243.000 Kunden eine Cyberversicherung.  

3.700 Hackerangriffe

Auf der anderen Seite standen hingegen wesentlich höhere Leistungen, bedingt durch eine Vielzahl an Hackerangriffen. Insgesamt registrierten die Versicherer 3.700 Angriffe durch Hacker – ein Plus von 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr.  

Für die hierdurch entstandenen Schäden leisteten Versicherer deutlich mehr als noch im Vorjahr. Insgesamt schlugen die Hackerangriffe für die Versicherer mit 137 Millionen Euro zu Buche – das ist fast dreimal so viel (+187,6 Prozent) wie 2020. Hinzu kamen Schäden aus den Vorjahren, für die Rückstellungen gebildet werden mussten, sowie Abschluss- und Vertriebskosten. „Einzelne Cyberattacken hatten besonders schwerwiegende Folgen und führten jeweils zu Kosten im oberen einstelligen Millionenbereich“, so Asmussen.  

Die ersten sechs Monate dieses Jahres verliefen aus Sicht der Versicherer hingegen wesentlich erfolgreicher. Weiterhin verzeichneten die Unternehmen eine stark steigende Vertragszahl, sagte Asmussen. „Der Markt für Cyberpolicen wächst weiterhin sehr schnell.“ Gleichzeitig verzeichneten die Versicherer „spürbar weniger Schäden“.  

Versicherer sammeln noch Erfahrungen

In einem noch jungen Markt sammeln die Versicherer noch Erfahrungen. Viele Unternehmen haben mittlerweile reagiert und ihre Policen angepasst, indem sie unter anderem Deckungsausschlüsse, Obliegenheiten oder Haftungsausschlüsse in ihren Policen integriert haben. Viele Versicherer haben zudem ihre Prämien deutlich erhöht.  

Allerdings gibt es aus Sicht der Versicherer bei vielen Unternehmen beim Schutz vor Cyber-Attacken noch viel Luft nach oben. „Die Angriffe werden immer professioneller und häufiger, aber das Niveau der IT-Sicherheit stagniert seit Jahren. Der Mittelstand habe die Potenziale bei der Prävention bei Weitem noch nicht ausgeschöpft: „Wir sehen bei den meisten Unternehmen noch große Sicherheitslücken“, betonte Asmussen. Viele Versicherer haben auf diesen Missstand reagiert und bieten spezielle Präventionsprogramme als Leistungsbaustein in ihren Policen an.