BU-Versicherungen: Nur 12 Tarife fallen bei Morgen & Morgen durch

Die Tarife der BU-Versicherer werden immer ausdifferenzierter. Orientierung soll nun das neue Rating von Morgen & Morgen liefern – gleich 80 Prozent aller Tarife wurden dabei mit der Bestnote versehen. Abseits des Ratings haben die Analysten interessante Beobachtungen gemacht.

Nach Erwerbsunfähigkeits- und Grundfähigkeitenversicherungen hat sich das Analysehaus Morgen & Morgen nun auch mit der Berufsunfähigkeitsversicherung, der Königsdisziplin innerhalb der Arbeitskraftabsicherung, befasst.  

Neben einer Bewertung der am Markt befindlichen Tarife (Seite 2 des Artikels) befassten sich die Analysten auch allgemein mit dem Markt, den BU-Ursachen und etwaigen Auffälligkeiten. Die schlechte Nachricht zuerst: Weiterhin sind psychische Erkrankungen mit großem Abstand die maßgebliche Ursache – das heißt, die Gefahr, berufsunfähig zu werden, besteht in jedem Beruf. Psychische und Nerven-Erkrankungen waren für gut ein Drittel (33,51 Prozent) aller BU-Fälle verantwortlich, gefolgt von Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats (20,05) und Krebserkrankungen (17,42).

Psychische Erkrankungen dominant

Die Dominanz von psychischen Erkrankungen als Hauptursache zieht sich dabei durch alle Altersgruppen – auch bei Jüngeren (bis 40 Jahre) ist die Psyche maßgeblicher Faktor. Bereits im vergangenen Jahr hatte die deutschen Aktuare darauf hingewiesen, dass vor allem jüngere Frauen immer häufiger aufgrund psychischer Probleme berufsunfähig werden.  

„Dieser Trend wird sich sicherlich fortsetzen. Noch sind die psychischen Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht in den Statistiken gelandet“, sagt Andreas Ludwig, Bereichsleiter Rating & Analyse bei Morgen & Morgen. Körperliche Erkrankungen seien hingegen immer seltener feststellbar, was insbesondere an der verbesserten medizinischen Versorgung liege.  

Erfreulich ist die Tatsache, dass immer mehr Menschen im jungen Alter eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. „Es werden vermehrt Schüler und Schülerinnen, Azubis und Studentinnen und Studenten im Alter unter 30 Jahren berechnet. Das ist ein erfreulicher Trend, denn die beste BU ist die, die man gestern abgeschlossen hat,“ so Ludwig. Eine weitere Auffälligkeit: Die Laufzeit vieler Versicherungen endet nicht mehr mit dem 65. Lebensjahr, sondern wird immer häufig höher angesetzt. &nbs

Viele Differenzierungen bei Nachversicherungen

Nicht nur bei den Versicherungsnehmern, auch bei den Versicherern selbst hat Morgen & Morgen einige Entwicklungen festgestellt. So haben immer mehr Anbieter die Teilzeitklausel in ihren Bedingungswerken integriert – diese soll Teiltzeitbeschäftigen den Nachweis ihrer Berufsunfähigkeiten erleichtern. Mittlerweile haben 27 Versicherer eine solche Klausel in ihre Vertragswerke integriert – im vergangenen Jahr waren es noch 14 gewesen.  

Auch im Hinblick auf Nachversicherungen verzeichnet Morgen & Morgen eine verstärkte Dynamik. Hier differenzieren die einzelnen Anbieter immer mehr im Hinblick auf die Altersgrenzen, die maximalen Rentenhöhen, die Ereignisse, die zur Nachversicherung berechtigen und ob bei der Nachprüfung nur auf die Gesundheits-, sondern gleich die gesamte Risikoprüfung verzichtet wird. Für Makler gibt es also viel zu tun.

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Insgesamt verleiht Morgen & Morgen den meisten Anbietern allerdings ein ausgezeichnetes Zeugnis. 447 von 571 untersuchten Tarifen und Tarifkombinationen erhielten die Höchstnote von fünf Sternen – das sind 41 Tarife mehr als noch bei der letzten Untersuchung im Vorjahr. Damit werden beinahe vier Fünftel mit der Bestnote versehen. Weitere 38 Tarife erhielten mit vier Sternen immerhin noch eine sehr gute Bewertung – 21 weniger als noch im vergangenen Jahr.  

Nur wenige Tarife werden schwach bewertet

Die Zahl der mit schwach beziehungsweise sehr schwach bewerteten Tarife entwickelt sich folgerichtig weiter rückläufig: Nur noch elf Tarife (Vorjahr: 17) wurden mit „schwach“, dreizehn mit „sehr schwach“ bewertet. Die sehr schwachen Tarife verteilen sich auf die vier Anbieter Bayerische (6 Tarife), Interrisk (1 Tarif), die Mecklenburgische (3 Tarife) sowie die Württembergische (3 Tarife). Angemerkt sei hier allerdings, dass es sich bei diesen Tarifen häufig um Einstieger-Tarife handelt – so haben Bayerische, Interrisk und Württembergische auch zahlreiche Tarife im 5-Sterne-Segment (das gesamte Rating können Sie hier nachlesen).

Das Rating setzte sich wie gewohnt aus den vier Teilbereichen Bedingungen (zählten zu 40 Prozent des Gesamtergebnisses bei), BU-Kompetenz (30), BU-Beitragsstabilität (20) sowie BU-Antragsfragen (10 Prozent) zusammen. Zudem mussten wie gewohnt bestimmte Mindestkriterien erfüllt werden, um mindestens eine 4-Sterne-Bewertung zu ergattern. Hierzu gehörten beispielsweise:  

Alles super, könnte man angesichts dieser Vielzahl an hervorragenden Tarifen also sagen. Allerdings kommt diese Qualität zu einem Preis. Denn BU-Versicherungen gelten als vergleichsweise teuer, insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen oder einem aus Versicherersicht ungünstigen beruflichem Umfeld.  

BU-Versicherungen werden teurer

Zumal die Versicherungen auch noch einmal im Preis gestiegen sind. Bei einer Analyse von 50 gängigen Berufen stellte Morgen & Morgen fest, dass sich die günstigsten Tarife im Neugeschäft hier um 3,1 Prozent verteuert haben. Über alle Tarife gerechnet, lag die Preissteigerung bei rund einem Prozent.  

Weitflächige Beitragserhöhungen erwartet Morgen & Morgen hingegen nicht. So hätten viele Anbieter sich gerade im Teilberich BU-Beitragsstabilität im Vergleich zum Vorjahr verbessern können. „Trotz der schwierigen finanziellen Lage am Kapitalmarkt besteht bei den gut bewerteten Versicherern kein signifikantes Risiko für starke Beitragserhöhungen im Bestand“, gibt Ludwig ein positives Signal.

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