Psychische Erkrankungen gehören bekanntermaßen zu den Hauptursachen für eine Berufsunfähigkeit – und sie werden immer häufiger diagnostiziert. Nun zeigt das 5. Deutschland-Barometer Depression, das jährlich von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe erstellt wird: Jedem fünften Beschäftigten in Deutschland wurde schon einmal vom Arzt eine Depression attestiert. 5.283 Personen zwischen 18 und 69 Jahren wurden für die Studie befragt. Dabei vermuteten 19 Prozent der teilnehmenden Arbeitnehmer, schon einmal im Leben eine Depression entwickelt zu haben – ohne entsprechende ärztliche Diagnose.
Die Bedeutung der Veranlagung wird unterschätzt
„Depression ist eine häufige und schwere Erkrankung. Statistisch gesehen gibt es in nahezu jedem Unternehmen depressiv erkrankte Mitarbeiter. Arbeitgeber können viel dazu beitragen, dass betroffene Beschäftigte rascher in eine professionelle Behandlung kommen“, erklärt dazu Prof. Ulrich Hegel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Depressionshilfe. 30 Prozent der an Depressionen erkrankten Mitarbeiter nehmen Hilfen ihres Arbeitgebers, beispielsweise eine betriebliche Sozialberatung oder eine Untersuchung des Betriebsarztes in Anspruch – mit positiver Resonanz: 74 Prozent von ihnen machten damit gute Erfahrungen.
Allerdings werde laut der Studie die Rolle der Arbeit für die Entstehung von depressiven Erkrankungen überschätzt – und gleichzeitig die Bedeutung der Veranlagung unterschätzt. So gehen mit 95 Prozent die meisten Deutschen davon aus, dass Belastungen am Arbeitsplatz die wichtigste Ursache für eine Depression seien. Konflikte im Job oder mit Kollegen sehen 93 Prozent als Auslöser, 83 Prozent verorten den Grund in einer dauerhaften Erreichbarkeit. Nur 64 Prozent der Befragten ist demgegenüber bewusst, dass auch eine erbliche Komponente die Entstehung von Depressionen beeinflusst. „Während der Depression nehmen Betroffene alles wie durch eine dunkle Brille wahr und fühlen sich völlig erschöpft und durch die Arbeit überfordert“, erklärt Hegerl. Häufig werde die Überforderung fälschlicherweise als Ursache und nicht als Folge der Depression angesehen.
Eine Rolle für das Entstehen der Krankheit scheint auch die Corona-Krise gehabt zu haben: Von den 1.123 Umfrageteilnehmern, die während der Pandemie überwiegend zu Hause waren, gaben 33 Prozent an, dass der Verzicht auf den Arbeitsplatz und den Umgang mit Kollegen sich negativ auf ihr psychisches Befinden ausgewirkt habe. Jeder Zehnte berichtete, dies würde „sehr zu“ zutreffen.
Stresslevel der Deutschen steigt insgesamt
Dass insgesamt die Häufigkeit von psychischen Erkrankungen zunimmt, registrieren auch immer mehr BU-Versicherer. Wie die Deutsche Aktuarsvereinigung bei einem Pressegespräch im Juli mitteilte, seien vor allem junge Frauen immer häufiger betroffen. Der Versicherer Swiss Life hingegen stellte kürzlich in einer Studie fest, dass das Stresslevel der Deutschen insgesamt ansteige. So gaben in der Erhebung 93 Prozent der Frauen und 84 Prozent der Männer an, in den vergangenen Monaten unter Stress gelitten zu haben – einem möglichen Auslöser für Depressionen. Eine BU-Absicherung als Konsequenz aus dieser Entwicklung ziehen viele Bundesbürger offenbar trotzdem nicht in Betracht. Laut der Swiss Life-Studie sichern nur zwölf Prozent der Frauen ihre Arbeitskraft tatsächlich mit einer BU-Versicherung ab, bei den Männern tun dies immerhin 17 Prozent. Für Berater bleibt der in weiten Teilen der Bevölkerung fehlende BU-Schutz daher ein wichtiges Thema.
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