Betriebsrente: Rahmenbedingungen erschweren Kundenansprache

Makler sind weiter gut bei der Betriebsrente aufgestellt. Doch die Rahmenbedingungen zwingen Arbeitgeber zu Anpassungen. Wie Makler bei der Ansprache der Firmenkunden vorgehen sollten, zeigen neue Studien.

Für Arbeitgeber stellt die langfristige Absicherung der bAV-Versorgungspläne eine dauernde Herausforderung dar, speziell in Zeiten niedriger Zinsen. Darum planen derzeit etwa 50 Prozent der deutschen Unternehmen, ihre Betriebsrentensysteme im Laufe des Jahres zu verändern. Vor allem geht es ihnen darum, die Versorgungspläne zu harmonisieren und finanzielle Risiken zu verringern. Das ergibt sich aus der Lurse-Studie „Benchmark: Betriebliche Altersversorgung“.

„Dabei sind 111 zum Teil miteinander kombinierte Versorgungspläne von 55 großen und mittelständischen Unternehmen aus allen für Deutschland wichtigen Branchen eingeflossen“, sagt Miroslaw Staniek, Managing Partner beim HR- und bAV-Lösungsanbieter Lurse. Davon werden 61 rein von den Arbeitgebern und 70 – obligatorisch oder freiwillig – von den Arbeitnehmern finanziert. In 29 Fällen handelt es sich um Matching-Modelle, zu denen beide Seiten Beiträge leisten.

Beitragszusage mit Mindestleistung verliert an Bedeutung

Die überwiegende Mehrheit (93 Prozent) gestaltet offene Versorgungspläne als beitragsorientierte Leistungszusage (BoLZ). Der Anteil der Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) geht stark zurück (27 Prozent), wobei Mehrfachnennungen möglich waren. Seit 2018 hat keine der befragten Firmen mehr Versorgungspläne auf Basis der BZML eingeführt. „Bei den aktuellen bAV-Produkten mit BoLZ berechnet sich die Leistung in vielen Fällen aus einer 70- bis 90-prozentigen Beitragsgarantie“, so Staniek. Dies hatte bereits im Vorjahr eine Studie des Risikoberaters und Großmaklers Willis Towers Watson ergeben.

Mehr als die Hälfte (55 Prozent) aller befragten Firmen hat in den vergangenen drei bis fünf Jahren die bAV-Versorgungspläne angepasst. Davon haben 63 Prozent die Garantie- und Mindestzinsen gesenkt. Auch für 2022 kündigten 50 Prozent der Firmen Anpassungen an. Die meisten (60 Prozent) wollen ihre Versorgungslandschaft harmonisieren und Risiken reduzieren, insbesondere bei Garantien und Zinsen. „Nur finanzierbare Betriebsrenten sind sichere Betriebsrenten“, kommentiert Staniek.

Matching-Pläne verdoppeln Arbeitnehmerbeteiligung

Für eine gute Absicherung im Alter müssten die AG-Leistungen in der bAV allerdings mehr als verdoppelt werden, so die Studie. Diese Herausforderung könne durch Einführung von Matching-Plänen und Entgeltumwandlung mit Opt-out-Optionen gelöst werden. Wie schon in der Lurse-Studie von 2018 nutzen auch jetzt rund 44 Prozent der Befragten Matching-Pläne. Dies sei mit einem Anstieg der Entgeltumwandlung verbunden. „63 Prozent der berechtigten Mitarbeiter wandeln über einen Matching-Plan Entgelt um“, sagt Staniek. Drei Viertel der Unternehmen mit einem solchen Plan kombinieren ihn mit einer rein arbeitgeberfinanzierten Komponente.

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Mehr als jede zweite Firma beklagt jedoch, dass der Verwaltungsaufwand in der bAV in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen ist. Die Gründe dafür liegen in neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Betriebsrentenrecht (86 Prozent), im wachsenden Informationsbedarf bei Mitarbeitern (60 Prozent) und in der erhöhten Zahl an Schnittstellen (55 Prozent), wobei Mehrfachnennungen erlaubt waren. „Überregulierung wirkt dem Ziel der Bundesregierung, die bAV weiter zu verbreiten, direkt entgegen. Der Gesetzgeber sollte die bAV-Systeme daher in Zukunft vereinfachen und die Arbeitgeber entlasten“, sagt Staniek. Dennoch ist und bleibt die bAV für 67 Prozent der Befragten neben der Barvergütung eine wichtige Zusatzleistung. 

Makler gut in bAV aufgestellt

Für spezialisierte Makler boomt das Geschäft mit der bAV schon länger. Laut der Studie „Betriebliche Altersversorgung 2022" entfallen 30,3 Prozent des aktuellen Geschäftsumsatzes auf die bAV, gaben die befragten freien Vermittler an (2021: 27,6 Prozent). Die Studie stammt von der der BBG Betriebsberatung. 371 Makler und Mehrfachagenten haben sich daran beteiligt.

Die meisten Erfahrungen bestehen bei der Beratung zu Direktversicherungen, sagen wie im Vorjahr 98 Prozent der Makler, gefolgt von U-Kasse (59 Prozent), Pensionskasse (42 Prozent), Direktzusage (37 Prozent) und Pensionsfonds (22 Prozent). Insgesamt ist die bAV derzeit der größte Umsatzbringer, gefolgt vom Geschäftsfeld private und gewerbliche Schaden- und Unfallversicherung (22,9 Prozent) sowie Privatvorsorge/Biometrie (22,7 Prozent).

Makler mit leicht sinkendem bV-Umsatz

Die vermittelte Gesamt-Beitragssumme pro Vermittlerbetrieb im bAV-Geschäft betrug 2021 laut Studie im Schnitt 1,58 Millionen Euro (2020: 1,78 Millionen Euro). Für 2022 werden im Schnitt 1,86 Millionen Euro Beitragssumme erwartet. 44 Prozent der Befragten blieben jedoch im Schnitt unter 500.000 Euro Beitragssumme in der bAV, während 14,4 Prozent jeweils über fünf Millionen Euro Beitragssumme schafften.

Die Courtageeinnahmen kommen dabei 2021 wie schon in den Jahren zuvor zu rund 80 Prozent aus Direktversicherungen, gefolgt mit weitem Abstand von U-Kassen (10,8 Prozent). Abgeschlagen sind Direktzusagen (2,5 Prozent), Pensionsfonds (1,9 Prozent) und Pensionskassen (1,4 Prozent). Knapp 32 Prozent (2020: 40 Prozent) der Maklerfirmen verzeichneten damit 2021 viel bessere bzw. eher bessere Courtageeinnahmen als 2020. Für fast 45 Prozent (2020: 27 Prozent) verschlechterte sich dagegen die Einnahmesituation, der Rest blieb etwa gleich in der Einnahme.

Manko: Die BBG-Studie nennt aus Maklersicht die Top-Anbieter von nur zwei der fünf bAV- Durchführungswege. Bei der Direktversicherung und auch bei der U-Kasse ist es unangefochten die Allianz, gefolgt in der Direktversicherung von Canada Life, Alte Leipziger und Nürnberger sowie in der U-Kasse von Nürnberger, Alte Leipziger und Canada Life.

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