Die meisten Arbeitnehmer (60,5 Prozent) wünschen sich eine höhere Leistung bzw. Rendite, um die bAV insgesamt attraktiver zu machen. Das geht aus einer Umfrage des bAV-Beraters Aon Deutschland hervor, an der rund 1.000 Angestellte aus deutschen Unternehmen mit mindestens 5.000 Beschäftigten teilgenommen haben. Der Consultant hat die Studie „Wertigkeit der bAV“ noch nicht komplett veröffentlicht, doch dem Autor liegt sie vor.
Erfahrungsgemäß sind Arbeitnehmer in der Großindustrie besser als ihre Kollegen in KMU über das Thema Betriebsrente informiert, da die Arbeitgeber traditionell eine komplett oder teilweise firmenfinanzierte bAV bieten. „Betriebsrente ist nach wie vor ausgesprochen attraktiv und folgt auf der Wunschliste gleich nach der Barvergütung“, sagt Aon-Geschäftsführer Fred Marchlewski.
Vor allem jüngere Mitarbeiter unter 30 legten aber großen Wert darauf, selbst entscheiden zu können, wie sich ihr Vergütungspaket zusammensetzt. Rund 80 Prozent dieser Altersgruppe wünschen sich ein Baukastensystem für ihre Benefits. „Innerhalb eines solchen Systems hat die bAV gute Chancen zum Bestseller – vorausgesetzt, sie kommt nicht zu kompliziert daher“, so Aon-Partner André Geilenkothen.
Mit wachsendem Alter ist bAV favorisierter Benefit
Die Relationen verschieben sich jedoch mit steigendem Alter. Bereits in der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen hat die bAV die Barvergütung eingholt. In rentennäheren Jahrgängen rückt die Altersversorgung verständlicherweise noch mehr in den Vordergrund, hat die Studie ergeben.
„Auch Angebote zur Eigenbeteiligung werden von Mitarbeitern gern wahrgenommen“, betont Marchlewski. Lücken gebe es aber immer noch bei der Information rund um die bAV. Selbst in Großunternehmen wüssten 18,8 Prozent der Arbeitnehmer nicht, ob es Arbeitgeber-Angebote zur bAV gibt, oder nähmen fälschlicherweise an, dass dem nicht so ist. Bei Geringverdienern mit maximal 2.200 Euro Monatsbrutto wissen sogar 28,4 Prozent der Befragten nicht Bescheid, berichtet Geilenkothen.
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Wer Bescheid weiß, macht meist auch mit
Wenn Arbeitnehmer die Möglichkeiten der bAV kennen, nutzen sie die Vorsorge in 85 Prozent der Fälle auch, hat die Studie ermittelt. Allerdings achten viele dabei aufs eigene Geld. So machten 36,5 Prozent nur bei der bAV mit, weil der Arbeitgeber die Beiträge bezahlt. Weitere 38,4 Prozent gaben an, ihre bAV-Ansprüche sowohl durch Arbeitgeberbeiträge als auch durch Eigenbeiträge aufzubauen, in 10,5 Prozent der Fälle ist offenbar nur Entgeltumwandlung durch Eigenbeiträge des Arbeitnehmers möglich.
Zum Vergleich: Bereits vor zwei Jahren hatte Aon 1.000 Arbeitnehmer aus Großunternehmen mit seinerzeit mehr als 10.000 Beschäftigten online befragt. Laut Studie von 2018 fühlten sich Mitarbeiter von Großunternehmen gut über die bAV informiert. Rund 80 Prozent wussten, dass es in ihrer Firma eine Betriebsrente gibt, wenn auch die Höhe nicht immer bekannt war.
Kommunikation oft nicht ausreichend
Nicht einmal die Hälfte der Arbeitnehmer bewertete seinerzeit die Kommunikation zur bAV durch den Arbeitgeber als ausreichend. Ein Drittel vermisste Verständlichkeit und Zuschnitt auf die individuellen Bedürfnisse. Dazu trifft die aktuelle Aon-Studie leider keine Aussagen. Interessant sind dazu aber Erfahrungen der bAV-Berater. Mehr als die Hälfte der Makler geht davon aus, dass ihre Firmenkunden derzeit nicht bereit sind, für eine bAV-Portallösung zu zahlen, die für individuelle Information sorgen würde.
Das erschwert Beratern die effiziente Verwaltung und auch, in der Beratung auf smarte Art Informationslücken zu schließen. Abhilfe bringt da womöglich das Start-up be+ GmbH, dessen Geschäfte Frank Nobis führt. Das „be“ steht für Benefits und das „+“ für Mehrwert. Der frühere Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) will Arbeitnehmern über eine App, die der Arbeitgeber bezahlt, „bAV endlich erlebbar machen“.
Start-up will bAV mit Handy-App näherbringen
Dort sollen perspektivisch alle wichtigen Benefits des Arbeitgebers integriert werden, von der Verpflegung über Gehaltsabrechnung, Mobilität, Verträge und Weiterbildung bis zur Rente. „Damit hat der Arbeitnehmer täglich einen Grund, in die App zu schauen und sich dabei auch regelmäßig über seine Versorgungslücke zu informieren“, prophezeit Nobis.
Auf diese Weise erhält der Arbeitnehmer anlassbezogen Mehrwerte zu seinen Benefits, etwa den Tipp, nach einer Gehaltserhöhung die eigene Altersvorsorge aufzustocken. „Das kann er dann selbst kostengünstig machen, indem er die volle digitalisierte Antragstrecke nutzt, oder auf hybridem Wege durch Einschaltung eines Beraters“, erklärt Nobis.
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