bAV: Wie Berater die Digitalisierung vorantreiben

Über den Erfolg der bAV-Verbreitung entscheidet die digitale Vertragsverwaltung mit. Nun hat ein großer Berater eine digitale Plattform geöffnet. Wird die bAV-Verwaltung bald überall online funktionieren? Was neue Umfragen dazu ans Licht bringen.

Die Digitalisierungswelle hat die betriebliche Altersversorgung (bAV) erreicht. 62 Prozent der Unternehmen sind der Meinung, dass die gesamte bAV-Abwicklung künftig online erfolgen sollte – von der Personalabteilung über ein Mitarbeiter-Portal zu Versicherern, Fondsgesellschaften, Treuhändern und bAV-Dienstleistern.

Dies ergab eine Umfrage des bAV-Beraters Lurse innerhalb der Studie „Trends in der Vergütung“ unter knapp 100 Firmen mit 900.000 Mitarbeitern. Tatsächlich laufen bAV-Prozesse allerdings erst bei 44 Prozent der befragten Firmen digital ab. Einen einfachen Online-Abschluss halten 66 Prozent der Befragten für die wesentliche Voraussetzung einer höheren Verbreitung der bAV. Und 75 Prozent stimmen zumindest teilweise der Aussage zu, dass Versicherer, die keine vollumfänglichen Online-Prozesse in der bAV anbieten, mittelfristig nicht mehr konkurrenzfähig sind.

Mit der digitalen Administrations-Software „P-Live“ will Lurse selbst den Verwaltungsaufwand für die bAV sowie für Zeitwertkonten, CTA und Altersteilzeitlösungen auf einer gleichnamigen Plattform vereinfachen, deren Website jetzt freigeschaltet wurde. Versorgungssysteme würden auf Knopfdruck übersichtlich und transparent abgebildet. „Die Verwaltung läuft schnell, effizient und günstig“, verspricht Utta Kuckertz-Wockel, Senior Managerin im Bereich Pensions des HR-Strategieberaters.

Schnittstellen zu allen beteiligten Akteuren

Die digitale Plattform erfasse sämtliche Daten in einer zentralen Datenbank. „Durch Schnittstellenbildung zu den beteiligten Akteuren – Mitarbeiter, Personalabteilung, Buchhaltung, Treasury, Versicherer, Treuhänder, Aktuariat – laufen die Administrationsprozesse vollständig digital ab“, so Kuckertz-Wockel, die seit knapp einem Jahr bei Lurse für die Kundenbetreuung der bAV zuständig ist. Sie war zuvor über 20 Jahre als Konferenzmanagerin bei der zum Handelsblatt gehörenden Firma Euroforum beschäftigt und organisierte auch die bekannte Handelsblatt-bAV-Jahrestagung.

Die Prozessbeteiligten würden zentral koordiniert, bei Aufgaben vollautomatisch erinnert und in einen ganzheitlichen Kommunikations-Workflow eingebunden. In drei Modulen würden jeweils unterschiedliche Nutzergruppen angesprochen: zentrale Datenbank, Arbeitgeberportal und Mitarbeiterportal. Allerdings ist Lurse kein Software-Lieferant für Makler, sondern bietet Administration für Unternehmen, Versicherer, Fondsgesellschaften und CTA.

Geöffnete Portale sind Traum jedes Arbeitgebers

Firmen wünschen sich vor allem, ihre bAV einfach und effizient zu verwalten. Der Vermittler wird durch Nutzung einer digitalen bAV-Plattform entlastet und informiert zugleich seine Kunden digital. Bei einigen Portalen wie xbAV können nicht nur bAV-Verträge von einem Anbieter verwaltet werden, sondern von allen gewünschten Gesellschaften. Diesen Schritt ging kürzlich das zweitstärkste bAV-Verwaltungsportal „Firmen-Online“ der Allianz.

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„Grundsätzlich ist die bAV-Verwaltung Sache des Arbeitgebers“, betont xbAV-Vorstandschef Martin Bockelmann. Der Arbeitgeber will über ein solches Portal alle bAV-Verträge seiner Mitarbeiter bei allen Anbietern einsehen, ist aber meist nicht bereit, dafür Geld zu bezahlen. Die Allianz verlangt dafür Geld vom Arbeitgeber, andere Marktgrößen wie xbAV nicht, nehmen jedoch von den angeschlossenen Versicherern eine niedrige Gebühr.

WTW: 40 Prozent der Schnittstellen laufen digital, aber …

Auch der Risiko- und bAV-Berater Willis Towers Watson (WTW) hat kürzlich bAV-Verantwortliche aller Firmengrößen und Branchen zur Digitalisierung der bAV befragt. Ergebnis: Basis für eine digitale Administration ist die Automatisierung sowohl der Schnittstellen als auch der Datenverarbeitung mit den entsprechenden Prozessen. Prozesse und automatisierte Schnittstellen sind zu mehr als 40 Prozent digitalisiert. „Die Digitalisierung der bAV-Kommunikation ist ein Must-have“, bilanziert Michael Paulweber, Leiter Technologie und Administration bei Willis Towers Watson.

Erheblich digitalisiert wurde in den vergangenen Jahren die bAV-Kommunikation mit den Mitarbeitern. Hier hat WTW ein geteiltes Bild im Umgang mit Berufstätigen und Rentnern ermittelt: Firmen haben die bAV-Kommunikation für ihre aktuellen Mitarbeiter in der Corona-Pandemie modernisiert, setzen in der Kommunikation mit Betriebsrentnern jedoch weiterhin großenteils auf Papierpost.  58 Prozent kommunizieren mit bAV-Anwärtern digital per E-Mail (2018: 25 Prozent).

… Betriebsrentner werden oft noch mit Papier abgespeist

Betriebsrentner erhalten hingegen weiter überwiegend Papierpost – nur 22 Prozent der Firmen setzen da auf E-Mails. „Das Rentner-Bild gehört der Realität angepasst“, sagt Paulweber. Wer heute in Rente gehe, sei schon viele Jahre beruflich digital unterwegs. Da wirke eine Kommunikation, die so stark papiergebunden ist, schon etwas anachronistisch.

Laut der Umfrage „Betriebliche Altersversorgung 2020" der BBG Betriebsberatung unter 308 Maklern und Mehrfachagenten kennen 52 Prozent das Allianz-Portal Firmen-Online sowie 82,1 Prozent xbAV, 26,6 Prozent eVorsorge und 24,3 Prozent ePension. Tatsächlich genutzt werden von den genannten Portalen ganz überwiegend xbAV (60 Prozent) und Firmen-Online (42 Prozent), wobei Mehrfachnennungen erlaubt waren. Alle sonstigen Portallösungen für Makler landen bei unter 10 Prozent Nutzung.

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