„Wer mehr verdient verfügt auch häufiger über eine betriebliche Altersversorgung (bAV) mit Entgeltumwandlung.“ Diese Erkenntnis aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) dürfte erst einmal nicht überraschen. Schließlich verschafft ein höheres Einkommen den Menschen stets die Möglichkeit, sich mehr Vorsorge oder Absicherung leisten zu können. Im weiteren Verlauf liefert die DIW-Studie aber deutlich konkretere Einblicke auf das Verhalten der deutschen bAV-Sparer. Der Fokus liegt dabei auf der Entgeltumwandlung, bei der ein Teil des Gehalts steuer- und sozialabgabenfrei in eine bAV eingezahlt wird und bei Auszahlung im Rentenalter der nachgelagerten Besteuerung unterliegt.
Deutliche Gender-Gap
Als Datengrundlage diente dabei die Verdienststrukturerhebung 2014 des Statistischen Bundesamtes. Diese beinhaltet Informationen aus der Lohnbuchhaltung von knapp 70.000 Betrieben mit rund einer Million Arbeitsverhältnissen. Dabei zeigt sich, dass im Jahr 2014 knapp 19 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft die Entgeltumwandlung nutzten. Männer (21,3 Prozent) sorgen deutlich häufiger auf diese Art zusätzlich fürs Alter vor als Frauen (15,8 Prozent). Dieser Unterschied ist aber fast ausschließlich auf die alten Bundesländer zurückzuführen, denn im Osten liegen beide Geschlechter eng beieinander (Männer: 16,1 Prozent; Frauen: 15,2 Prozent).
Zudem zeigt sich, dass Frauen in Teilzeitbeschäftigung deutlich zugänglicher für die Entgeltumwandlung sind. Bei unter 20 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit verfügen sie fast drei Mal so häufig über eine derartige bAV als Männer, bei 20 bis 35 Stunden immer noch fast doppelt so häufig.
Meister sparen am meisten
Losgelöst vom Geschlecht war die bAV mit Entgeltumwandlung im Jahr 2014 am stärksten unter den damals 45- bis 54-jährigen Angestellten verbreitet (22,1 Prozent). Während bei den 18- bis 24-Jährigen weniger als jeder Zehnte mitmacht (8,6 Prozent), war nach Ausbildung und Studium schon eine Verdopplung zu sehen (16,1 Prozent der 25- bis 34-Jährigen).
Zwar ergibt sich mit steigendem Bildungsgrad grundsätzlich auch eine breitere Vorsorgebereitschaft. Jedoch ist diese bei Angestellten mit Meistertitel (29,4 Prozent) deutlich größer als bei solchen mit Bachelor-Abschluss (19,4 Prozent). Diplomierte Kräfte nutzen zu 27,5 Prozent die Entgeltumwandlung, promovierte nur zu 22,3 Prozent. Bei Menschen mit einer Berufsausbildung als höchstem Bildungserfolg sind es 18,6 Prozent, bei Berufstätigen ohne Qualifikation 7,8 Prozent.
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Mit steigender Beschäftigtenzahl nutzen auch mehr Mitarbeiter die Entgeltumwandlung. Jedoch zeigen die Daten, dass die Verbreitung ab einer Betriebsgröße von 250 recht starr bei etwa 25 Prozent verharrt.
Es gibt aber von Branche zu Branche große Unterschiede. Beispielsweise sorgen im verarbeitenden Gewerbe (28,7 Prozent) und im Sektor Energieversorgung (28,4 Prozent) fast doppelt so viele Menschen per Entgeltumwandlung fürs Alter vor als im Gesundheits- und Sozialwesen (15,1 Prozent), den Sektoren Verkehr und Kommunikation (16,4 Prozent) oder der Automobilbranche (17 Prozent).
Am stärksten verbreitet ist die Form direkt an der Quelle, also bei den Angestellten von Banken und Versicherungsunternehmen (56,2 Prozent). Im Gastgewerbe liegt sie mit knapp 5 Prozent am niedrigsten. Das hier nur wenige langfristige Vorsorgeverträge abgeschlossen werden, hängt sehr wahrscheinlich auch mit der hohen Fluktuation in diesem Sektor zusammen.
Schulfach Finanzen, Opt-out-Modell
Der Studie weist auf die Wichtigkeit der bAV hin – auch wenn diese nicht verpflichtend ist – um im Alter nicht in Armut abzudriften. Ihre Autoren fordern deshalb in einem Fazit, die Verbreitung der Entgeltumwandlung unter Frauen, Geringverdienern, Teilzeitkräften, bestimmten Branchen und kleinen Betrieben zu fördern.
Dies könnte durch mehr Tarifverträge erreicht werden, ebenso wie durch mehr Aufklärung seitens der Arbeitgeber. Andere Studien zeigen immer wieder, dass noch merkliche Wissenslücken bei Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern darüber herrschen, welche Rechte sie in Sachen bAV haben bzw. was sie anbieten können und welche Vorteile das bringt. Als probates Mittel erachten die Studienautoren auch staatliches Handeln. Beispielsweise könnten die Themen Finanzen und Altersvorsorge in die (Berufs-)Lehrpläne der Schulen integriert werden - kein neuer Gedanke. Zudem wird weiterhin über die Einführung einer obligatorischen bAV für alle Arbeitnehmer diskutiert, wovon aus Sicht der Studie vor allem Geringverdiener profitieren würden.
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