Stock Picking: Diese Unternehmen sind besonders aussichtsreich

Alexander Mozer, Chief Investment Officer der Fondsgesellschaft Ökoworld und Manager des Ökoworld Growing Markets 2.0, über die Folgen von Corona in Schwellenländern und weshalb deren Wachstumsgeschichte weiter geht.

procontra: Herr Mozer, wie haben sich die Aktienmärkte in den Schwellenländern zuletzt entwickelt?

Alexander Mozer: Nach dem Corona-Crash kam die Hausse. Der MSCI Emerging Markets Index hat die alten Höchststände hinter sich gelassen und stieg stärker als beispielsweise der MSCI World Index. In Asien gab es einige Länder, die nur kurze Lockdowns hatten. Die Schwellenländer waren zum Teil deutlich schneller und pragmatischer als die entwickelten Länder, ohne dabei auf einen effektiven Virenschutz zu verzichten.

procontra: Asien hat offenbar viel Erfahrung im Umgang mit Seuchen. Länder wie Brasilien und Indien allerdings sind schwer betroffen von der Corona-Krise. Sind Investments allein deshalb nicht schon zu riskant?

Mozer: Definitiv nicht. Vergleicht man die historische Volatilität der Leitindizes sieht man, dass Brasilien und Indien, aber auch viele andere Schwellenländer, häufig eine niedrigere Volatilität hatten als beispielsweise der deutsche Dax. Darüber hinaus gibt es aktuell einige Entwicklungen, von denen die Schwellenländer profitieren. Häufig exportieren diese Länder viele Rohstoffe und so helfen ihnen die zuletzt gestiegenen Preise dabei die negativen Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft zu dämpfen. Außerdem hat sich nichts daran geändert, dass das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern deutlich stärker ist als in entwickelten Regionen.

procontra: Sie sagen ja selbst, dass die Schwellenländerbörsen zuletzt gut gelaufen sind. Woher soll weiteres Kurssteigerungspotenzial kommen?

Mozer: Die Bevölkerung der meisten Schwellenländer ist im Durchschnitt deutlich jünger als die der entwickelten Welt. Dadurch ist auch der Anteil der arbeitenden Bevölkerung größer, was zu einem höheren Binnenkonsum und einem größeren Wirtschaftswachstum führt. Die Mittelschicht wächst stark. Nicht zu verhehlen ist dabei natürlich, dass aufgrund des hohen Arbeitskräfteangebots die Löhne sowie die Arbeitsbedingungen in vielen Ländern noch deutliches Verbesserungspotenzial haben.

procontra: Was können Sie über den von Ihnen verwalteten Schwellenländerfonds berichten?

Mozer: Unser Ökoworld Growing Markets 2.0 partizipierte in hohem Maße von der positiven Entwicklung in den Schwellenländern. Anfang 2020, als die Börsen starke Verluste erlitten, haben wir durch unsere strenge Verkaufspolitik schnell Unternehmen veräußert, die in hohem Maße negativ von den Pandemieauswirkungen betroffen waren. Dadurch haben wir eine signifikante Kassenposition aufgebaut, die wir in der darauffolgenden Erholungsphase nutzten, um in Unternehmen zu investieren, die wir im Zuge unseres Investmentprozesses als vielversprechend identifiziert haben.

procontra: Welchen Investmentansatz verfolgen Sie?

Mozer: Wir suchen gezielt aussichtsreiche Einzelwerten. Unser Stockpicking Ansatz in Verbindung mit der Möglichkeit Kasse aufzubauen, ist ein klarer Vorteile gegenüber ETF-Produkten, die in der Regel sehr starr sind. Seit Auflage am 17. September 2012 bis Ende Januar 2021 ist der Fonds nach Kosten um 172 Prozent gestiegen. Der MSCI Emerging Markets Index hat in derselben Zeitspanne eine Performance von knapp 73 Prozent erreicht. Im Corona-Jahr 2020 erzielte unser Fonds nach Kosten ein Plus von 34 Prozent; der MSCI Emerging Markets kam auf 8,5 Prozent.

procontra: Was ist die Basis für die Outperformance Ihres Fonds?

Mozer: Die Grundidee des Fonds ist es, an der steigenden Binnennachfrage der Emerging Markets zu partizipieren. Die erste Wachstumswelle in den Schwellenländern wurde vom Export getrieben – die Stichworte dazu lauten: verlängerte Werkbank und Rohstoffe. Mittlerweile ist das Wohlstandsniveau so gestiegen, dass viele Unternehmen im eigenen Land hohe Wachstumsraten erzielen. Diese zweite Welle meinen wir mit dem Zusatz „2.0“ im Fondsnamen und die entsprechenden Länder nennen wir nicht Emerging Markets sondern Growing Markets.

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procontra: Nach Meinung von Beobachtern geht der Konflikt zwischen den USA und China unter dem neuen US-Präsidenten Biden weiter. Wie gehen Sie damit um? 

Mozer: Als Stock-Picker ist es der Anspruch unseres Fondsmanagements in jedem Umfeld gute Unternehmen zu finden. In China sehen wir ungeachtet der Außenpolitik des neuen US-Präsidenten bei vielen Unternehmen weiterhin großes Potenzial. Außerdem hat Joe Biden im Wahlkampf ambitionierte Pläne für den Ausbau erneuerbarer Energien in den USA vorgestellt. Wenn er diese Pläne realisieren möchte, werden die USA die nötigen Produkte dafür teilweise in China kaufen müssen. China selbst will diesen Weg beschreiten. Die chinesische Regierung hat ihre Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien zuletzt signifikant angehoben. Präsident Xi Jinping verkündete, dass der CO2-Ausstoß schon ab 2030 nicht mehr ansteigen und sein Land vor 2060 die Klimaneutralität erreichen werde.

procontra: Und welche Unternehmen sind aussichtsreich?

Mozer: Interessant finden wir zum Beispiel den Solarglashersteller Xinyi Solar oder das vielseitige Unternehmen BYD, ein Hersteller von Elektro- und Hybridfahrzeugen. Die meisten Automarken von BYD sind überwiegend für den Heimatmarkt China bestimmt, in denen sich viele Menschen in den kommenden Jahren zum ersten Mal ein Auto anschaffen werden – umso wichtiger ist in Schwellenländern das Angebot von Fahrzeugen mit alternativen und umweltfreundlicheren Antrieben. Hinzu kommen die Herstellung von elektrischen Bussen und eines speziellen Einschienenbahn-Systems (SkyRail), das als Ergänzung des ÖPNV in hochverdichteten Städten von Bedeutung sein kann. BYD stellt zudem Batterien für Elektroautos her und hat zuletzt eine Batterietechnologie vorgestellt, mit der ein Auto bald mit nur einer Ladung bis zu 1.000 km Reichweite haben könnte. Im chinesischen Bildungssektor gibt es ebenfalls einige spannende Unternehmen wie beispielsweise New Oriental Education. Die wachsende chinesische Mittelschicht hat einen großen Hunger nach guter Bildung, den die Regierung allein nicht stillen kann. Private Unternehmen bieten wertvolle Dienste in Form von Nachhilfe und Fremdsprachenunterricht.    

procontra: Jetzt haben Sie ausschließlich chinesische Unternehmen genannt. Was ist mit Unternehmen aus anderen Ländern?

Mozer: Spannend ist der südkoreanischen Kosmetikproduzenten Amorepacific. Als eines der führenden Unternehmen in diesem Bereich in Korea verfolgt Amorepacific bei der Produktenwicklung einen ganzheitlichen Ansatz basierend auf natürlichen Inhaltsstoffen – vom Lieferanten bis zur Entsorgung der Verpackung ist alles durchdacht. Auch Kajaria Ceramics, der größte Hersteller von Keramikfliesen in Indien ist wieder stärker in unseren Fokus gerückt. Hygiene im Haushalt, in Betrieben und in öffentlichen Einrichtungen ist ein wesentlicher Faktor, um die Gesundheit der Menschen zu unterstützen und um die Ausbreitung von Krankheitserregern zu verhindern. Das Bewusstsein dafür wurde durch die Pandemie noch einmal verstärkt.

procontra: Welche Bedeutung hat die Auswahl von Regionen für Ihren Ansatz?

Mozer: Für die Beurteilung von Ländern verwenden wir relativ wenig Zeit. Das steht im Kontrast zur Mehrzahl der herkömmlichen Schwellenländerfonds, die eher einen Top-Down Ansatz verfolgen. Wir suchen quasi zuerst am Boden. Denn es gibt häufig Beispiele von Unternehmen, die stark wachsen und deren Aktie eine hohe Rendite abwirft, obwohl der Leitindex des jeweiligen Landes vergleichsweise schwach ist und die makroökonomischen Daten des Landes nicht vorteilhaft sind. Das bedeutet, dass für uns ein besonders vielversprechendes Land ein solches ist, in dem wir eine große Anzahl vielversprechender Unternehmen identifizieren können. Diesbezüglich werden wir aktuell besonders in asiatischen Ländern fündig.

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