Altersvorsorgeplanung: Was Freiberufler wissen sollten

Makler haben die Altersvorsorge ihrer Kunden auf dem Schirm, doch selten die finanzielle Planung des Ruhestands. Ein neues Fachbuch eines Finanzmaklers bringt Erfahrungen aus dem Beratungsalltag für Freiberufler auf den Tisch.

Die Zeit des Ruhestands macht rund ein Drittel unseres Lebens aus. „Insofern ist nicht eine Baufinanzierung die größte Investition des Lebens, sondern in der Regel die Finanzierung des Ruhestands“, sagt Ralf Seidenstücker, Vorstand für Vertrieb und Marketing der Kölner Nucleus Finanz- und Versicherungsmakler AG, die auf ganzheitliche Beratung von Akademikern fokussiert ist.

„Jeder Freiberufler hat seine eigene finanzielle Biographie, also ist jede Ruhestandsplanung eine individuelle Planung“, schreibt Seidenstücker in seinem soeben erschienenen Fachbuch „Ruhestandsplanung für freie Berufe“.

Inflationsgeschützt vorsorgen?

Seidenstücker gibt kurz und schmerzlos eine Vorlage, wie Freiberufler inflationsgeschützt und mit dem richtigen Konzept für das Alter vorsorgen können. Hintergrund: „Die Generation der Baby-Boomer segelt im Blindflug dem Ruhestand entgegen“, beobachtet der Makler. Seinen Kunden sei meist nicht klar, wie viel Geld sie im Alter benötigen, sie könnten ihre Nettorente nicht abschätzen und seien sich der steigenden statistischen Lebenserwartung nicht bewusst.

Dagegen setzt er mit Aufklärung und lediglich drei thematischen Schwerpunkten:

Im Grunde beschreibt Seidenstücker damit die Tagesarbeit der Analyse strategisch arbeitender Maklerbetriebe zur Altersvorsorgeplanung, verwendet dafür aber den Begriff Ruhestandsplanung.

Ruhestandsplanung umfasst mehr als Altersvorsorge

Mit klassischer Ruhestandsplanung, für die Makler prädestiniert sind, hat das Buch jedoch wenig zu tun, sondern mehr mit punktgenauer Altersvorsorge. Bei der Ruhestandsplanung können Makler auf Wunsch des Mandanten gegen Honorar eine Ruhestandsexpertise erstellen. Anhand der aktuellen Vermögenswerte wird dabei nach Angaben des Kunden die mögliche Entwicklung bis ans Lebensende oder sogar darüber hinaus simuliert.

Für viele Berater scheint die Aufgabe mit der Altersvorsorge-Beratung erledigt zu sein. „Der einzelne kann aber nicht planen, wie lange das angesparte Geld reichen muss“, weiß Ronald Perschke, Vorstand der 2014 gegründeten Initiative Ruhestandsplanung. „Erfahrungen aus der Altersvorsorgeberatung sind nur begrenzt übertragbar, denn die bisherigen Beratungsschwerpunkte müssen an die Ziele, Bedürfnisse und Wünsche dieser Lebensphase der finanziellen Ernte angepasst werden“, so Perschke weiter.

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Wunschrente contra Inflation

Doch zurück zum Buch: Am Beispiel eines Zahnarztes und seiner Frau zeigt Seidenstücker auf, wie die Vermögensbilanz oft mit Anfang 50 aussieht und ob sich auf dieser Basis die Wunschrente darstellen lässt beziehungsweise was dafür zusätzlich noch zu tun ist. Auch das Thema Inflation kommt dabei fundiert zur Sprache.

„Jeder Mensch hat nach seinem individuellen Konsumverhalten seine eigene Inflationsrate, wobei sie bei Akademikern wegen ihres höheren Lebensstandards deutlich höher ist, weil sie im Schnitt eine Million Euro mehr im Lauf des Lebens verdienen als Nicht-Akademiker“, weiß Seidenstücker. Folglich sei meist mehr Kapital zum Schließen der Versorgungslücke nötig als bei Nicht-Akademikern.

Grenzen berufsständischer Versorgungswerke

Kritisch geht der Autor mit den rund 90 berufsständischen Versorgungswerken für Freiberufler um, die quasi die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) ersetzen. Vorteil der Finanzierung gegenüber der gesetzlichen Rente: Das offene Deckungsplanverfahren (oDPV) enthält noch Elemente des Umlageverfahrens, wie aus der gesetzlichen Rentenversicherung bekannt, aber nicht nur. Das modifizierte Anwartschaftsdeckungsverfahren ist der reinen Kapitaldeckung verpflichtet, wie aus der privaten Rentenversicherung bekannt.

Am verbreitetsten ist noch das oDPV. Dabei hängt die Leistung nicht ausschließlich von der Höhe und Anzahl der eingezahlten Beiträge ab, sondern auch vom kontinuierlichen Neuzugang an Berufsangehörigen. Damit ist die demografische Falle ähnlich groß wie in der GRV. „Rentenkürzungen hat es im Gegensatz zur GRV vielfach schon gegeben und sie waren rechtens“, schreibt der Makler.

Mit Basisrente, Aktien und Immobilien gegensteuern

Die meisten Versorgungswerke erwirtschaften Renditen zwischen 3,0 und 4,0 Prozent pro Jahr – durch erhöhte Anlage in Aktien, Immobilien und Beteiligungen. „Dennoch können die Rentenanpassungen mit der allgemeinen Teuerungsrate nicht mithalten“, so Seidenstücker. Umso wichtiger sei ein zweites oder drittes Standbein neben der Rente aus dem Versorgungswerk.

Zur privaten Vorsorge empfiehlt der Autor primär die Basisrente („freie Wahl der Kapitalanlage“), Aktien („weltweit in Nebenwerte“) samt Fonds („Dividendenfonds“) und Immobilien („Entsparen statt Ansparen“). Dabei werden viele Themen nur angerissen. Stichwortartig wird über Anlageklassen, Rendite und Dividenden, steuerliche Grundlagen, Entwicklungen auf dem Immobilien- und Aktienmarkt sowie verschiedene Indizes, Entnahmepläne und Investmentfonds informiert. Beim Solidaritätszuschlag wird gesagt, bis zu welchem Einkommen er entfällt, aber nicht, dass er auf Kapitalerträge weiterhin zu 100 Prozent fällig ist.

Ruhestandsplanung reicht weiter

Makler können für die Ruhestandsplanung auf dem Buch aufbauen. Es geht, wie es Berater kennen, um Bestandsaufnahme, Analyse, Umsetzung und regelmäßige Kontrolle. Der Blick wird aber auf den gesamten Ruhestand erweitert, erklärt Perschke und erinnert an ein Webinar zum Erfahrungsaustausch über Ruhestandsplanung, über das procontra berichtet hat.

Die Initiative Ruhestandsplanung hat Fragebögen und andere Materialien entwickelt. Den Einstieg sollten Makler stets dort wählen, wo der Kunde den größten Schmerz empfindet. Die Folgeberatungen dienten dann der Feinjustierung. So wird der Berater zum zentralen Baustein der Lebensberatung für seine Kunden – im Netzwerk mit externen Experten wie Steuerberater, Rechtsanwalt und Notar.

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