Altersvorsorge: Weichen für mehr Geschäft stellen

Die Reform der Altersvorsorge stockt weiter. Woran das liegt und was dringend getan werden muss, hat der BVK analysiert. Gleichwohl sind Makler weiter sehr aktiv in diesem Marktsegment und offerieren Kunden moderne Produktfeatures.

Der unattraktive Höchstrechnungszins bei klassischen Rentenversicherungen ist im Vertrieb der privaten Altersvorsorge ein Hindernis. Bei der betrieblichen Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) sowie bei der Riester-Rente müssen Versicherer weiterhin eine 100 Prozent Beitragsgarantie darstellen. Daher wird vielfach in der bAV schon die beitragsorientierte Leistungszusage (BoLZ) geboten, während BZML sowie die Riester-Rente aus dem Regal verschwinden.

Die Anbieter privater Altersvorsorge passen ihr Produktspektrum indes weiter an – weg von der alten Klassik hin zu Kapitalisierungsprodukten mit weniger Garantien. Allerdings stockt die Reform der privaten Altersvorsorge, beklagt der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). „Es führt kein Weg an einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge als den über die Riester-Rente vorbei, da das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rente sinkt und die Steuerzuschüsse zur GRV, die heute schon die 100 Milliarden-Euro-Grenze überschreiten, nicht ins Uferlose getrieben werden können“, sagte BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli, kürzlich beim BVK-Pressedialog in Berlin.

Keine Partei will 100-Prozent-Garantie bei Riester streichen

Es sollte nicht vergessen werden, dass bereits über 16 Millionen Menschen über die Riester-Rente vorsorgen, erinnerte er die Politik, die die Riester-Reform weiter verschleppt. Ungewohnt drastisch legte Archangeli den Finger in die Wunde. Die 100-Prozent-Garantie verhindere den weiteren Aufschwung bei der Riester-Vorsorge. Offenbar sei der Politik nicht zu vermitteln, dass die 100-Prozent-Garantie vom Leben überholt ist. „Keine Partei hält es für nötig, dies bei Riester gesetzlich zu ändern“, so Archangeli. Es fehlt die Lobby für die Weiterführung der dringend nötigen Zusatzvorsorge. Seine Vermutung: Ehrlichkeit in Fragen der Altersvorsorge würde die Wiederwahl von Politkern gefährden.

Dabei sei die Reform in vier Punkten relativ schnell umsetzbar und den Verbrauchern gut zu vermitteln:

„Gerade Bezieher staatlicher Leistungen befürchten zurecht, dass ihre hart ersparte Altersvorsorge zukünftig auf mögliche Sozialleistungen angerechnet wird“, so Archangeli. Daher setze sich der BVK schon seit Jahren für ein vollumfängliches Schonvermögen ein.

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Riester war als Ersatz für Rentenkürzungen gedacht

Das Modell der Riester-Rente hat noch erhebliches Potenzial, sagte der BVK in Richtung Politiker. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 34 Millionen Bundesbürger über die staatliche Riester-Förderung für ihr Alter vorsorgen könnten. Es käme jetzt darauf an, diese Vorsorgeform, die ja als Ersatz für Kürzungen der gesetzlichen Rente bei der Reform 2002 gestartet wurde, zukunftsfest zu machen.

Der BVK sieht auch in der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) Entwicklungspotenzial. Insbesondere die reine Beitragszusage, die eine Enthaftung der Arbeitgeber bringt, könnte Auftrieb geben. Allerdings werde das Thema Beratungskosten im Sozialpartnermodell bislang ausgeblendet, wie auch zum Start seinerzeit bei der Riester-Rente. Erst als die Vertriebsanreize erhöht wurden, ging es mit der Riester-Rente bergauf, erinnert der BVK.

Fondspolicen ohne Garantien bei privater Vorsorge vorn

Was sind aktuell die Favoriten der privaten Altersvorsorge? Am häufigsten werden Fondspolicen ohne Garantien vermittelt, sagen nun 57 Prozent der Befragten der Markstudie „Private Vorsorge 2022“ der BBG Betriebsberatung, an der sich 422 Makler und Mehrfachagenten mit einem Durchschnittsalter von 55,8 Jahren beteiligt hatten.

Damit konnte diese Produktkategorie, die 2020 erstmals den Spitzenrang schaffte, ihren Vorsprung halten. Mit Abstand dahinter folgen Fondspolicen mit Garantien mit 44 Prozent der Nennungen. With-Profit- und Unitised-With-Profit-Produkte (24 Prozent) haben indexgebundene Policen überholt (22 Prozent). Selbst i-CPPI- und CPPI-Fondsprodukte (16 Prozent) haben der neuen oder alten Klassik (13 Prozent) inzwischen den Rang im Neugeschäft abgelaufen. Variable Annuities (4 Prozent) spielen weiterhin kaum eine Rolle.

Die Top-Anbieter bei der Altersvorsorge

Insgesamt zeigt sich laut Studie eine abnehmende Relevanz des privaten Vorsorgegeschäfts. Fast 45 Prozent der Befragten halten private Vorsorge aktuell für relevant. Im Vorjahr waren es noch 55,6 Prozent gewesen. Bei den Top-Anbietern, die diesmal nur in drei Produktkategorien ermittelt wurden, zeigt erneut die Allianz ihre Dominanz. Die Spitzenreiter der von Maklern am häufigsten Anbietern im Einzelnen:

Die procontra-Umfrage „Maklers Lieblinge 2022“ unter rund 830 Vermittlern ergab: Aus Maklersicht favorisieren die unabhängigen Vermittler unter sechs verschiedenen LV-Produkten bei der Altersvorsorge ganz überwiegend Allianz, Volkswohl Bund, Alte Leipziger, LV 1871, Canada Life und WWK.

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