Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat sich einen branchenweiten Überblick verschafft, wie die Kostenbelastung bei klassischen und fondsgebundenen Rentenversicherungen aussieht und die Ergebnisse veröffentlicht. Gefragt wurde nach Effektivkosten (TER) von Policen mit Laufzeiten zwischen 12 und 40 Jahren. In die Kennziffer fließen unter anderem Verwaltungskosten für die Fonds (Kapitalanlagekosten) und den Versicherungsmantel (Vertrags- und Risikokosten samt Abschlusskosten) ein.
Ergebnis: „Ein Großteil der untersuchten Versicherungslösungen ist zu teuer und schmälert somit die Rendite für die finanzielle Absicherung im Alter unter Umständen massiv“, urteilt Alberto del Pozo, Geschäftsführer von Mypension, einem Insurtech für die digitale Altersvorsorge, gegenüber procontra. Speziell bei Fondspolicen, die im aktuellen Marktumfeld die einzig sinnvolle Anlage darstellen, um Vermögen aufzubauen, stehe das Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem Prüfstand.
Die Effektivkosten von Fondspolicen
Fondspolicen waren im ersten Halbjahr 2021 durchweg teurer als die Klassikpolicen. Im gewichteten Mittel betrugen die Effektivkosten (TER) für eine Fondspolice mit 100 Euro Monatsbeitrag bei vier Eintrittsaltern zwischen 1,75 Prozent (40 Jahre Laufzeit) und 2,66 Prozent (12 Jahre Laufzeit). Die BaFin leitet daraus „Verbesserungsbedarf“ ab, unter anderem wegen potenzieller Interessenkonflikte im Vertrieb. Auch auf europäischer Ebene stehe das Preis-Leistungs-Verhältnis von Fondspolicen derzeit im Fokus der Aufsicht, „wie ein EIOPA-Bericht zeigt, dessen Ergebnisse sich größtenteils mit denen der BaFin decken“, so del Pozo.
Bei 30 Jahren Laufzeit betragen laut BaFin-Umfrage die Effektivkosten im gewichteten Mittel 1,9 Prozent. Das findet der Mypension-Chef viel zu hoch. „Das bedeutet, dass von einer unterstellten jährlichen Rendite von 6,0 Prozent vor Kosten für den Anleger letztlich nur 4,1 Prozent Rendite nach Kosten übrigbleiben und etwa ein Drittel der Rendite durch Kosten aufgezehrt wird“, erklärt der Experte.
Zum Vergleich: Bei Mypension liegen die Effektivkosten für die ausschließlich gebotenen ETF-Policen lediglich bei 0,86 Prozent pro Jahr. Was für den Anleger zu 5,14 Prozent jährlicher Rendite führt. Über 30 Jahre Laufzeit summiere sich dieser Vorteil bei 100 Euro Monatsbeitrag auf rund 20 Prozent Mehrrendite (+ 14.000 Euro) (siehe Grafik).
Wie ein Insurtech die Kosten in allen Bereichen drückt
Hintergrund: Das Insurtech geht in allen drei Bereichen, in denen Kosten anfallen können, den für Kunden bestmöglichen Weg: Man verzichtet auf Abschluss- und Vertriebskosten, hat niedrige Verwaltungskosten, da viele Prozesse digitalisiert ablaufen, und bietet ein sehr kostengünstiges, ETF-basiertes „Weltportfolio“ an. Damit deutet del Pozo die wichtigsten Auswege aus der Kostenspirale an, wohl wissend, dass Abschluss- und Vertriebskosten für viele wegen der nötigen Beratung nicht verschwinden werden.
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Die Kosten lassen sich grob in drei große Blöcke aufteilen: Abschluss- und Vertriebskosten, Verwaltungskosten des Vertrages und Kapitalanlagekosten. Die Abschlussvergütung berechnet sich auf Basis der Summe der über die Vertragslaufzeit geleisteten Beiträge. Der Betrag von rund 4,0 Prozent wird über die ersten 60 Monate gleichmäßig verteilt (Zillmerung). Hinzu kommen 1,0 bis 2,0 Prozent laufende Bestandsprovisionen über die gesamte Laufzeit des Vertrages. „Bezogen auf die Effektivkosten liegen die Kosten für Abschluss- und Vertrieb üblicherweise bei 0,4 bis 0,8 Prozent pro Jahr“, so del Pozo.
Höhe der Provision über gesamte Laufzeit verteilen
Bei fachkundiger Beratung sei an der Höhe der Vergütung nur die ungleiche zeitliche Verteilung der Kosten zu bemängeln. „Die zugrunde liegen Fonds müssten eine Rendite von knapp elf Prozent pro Jahr in den ersten 60 Monaten hinlegen, um die anfallenden Kosten wieder einzuspielen, bei einer konstanten Wertentwicklung des Vertrages von 6,0 Prozent würde es in etwa ein Drittel der Vertragslaufzeit benötigen, bis der Vertragswert die eingezahlten Beiträge übersteigt“, legt del Pozo den Finger in die Wunde. So viel Geduld haben informierte Anleger oftmals nicht. Entsprechend hoch sei die anfängliche Stornoquote.
Die Kosten für die Verwaltung des Vertrages bezogen auf die Effektivkosten liegen bei günstigen Anbietern zwischen 0,5 und 0,7 Prozent pro Jahr, bei teureren Anbietern bei 1,0 Prozent und darüber. „Da die Digitalisierung bei Lebensversicherern im Gegensatz zur Fondsbranche noch wünschen übriglässt, müssen viele Aktionen noch manuell ausgeführt werden“, kritisiert der Fintech-Chef.
Größte Spannbreite bei Kapitalanlagekosten
Bleiben die Kapitalanlagekosten, die stark von der Art der Kapitalanlage bestimmt werden und entsprechend die größte Spannbreite der Gesamtkostenquote aufweisen, gerade bei ETF im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds. ETF sind mittlerweile ab 0,15 Prozent pro Jahr zu haben, aktiv gemanagte Fonds (Dachfondskonstruktion) können bis zu 2,5 Prozent pro Jahr des Vertragsguthabens kosten.
Versicherer erhalten von Fondsgesellschaften bei aktiven Fonds üblicherweise eine Vergütung für den Einsatz in Fondspolicen. Diese Vergütung fließt an den Kunden zurück und reduziert dadurch die teils hohen Kosten aktiver Fonds. Laut BaFin werden im gewichteten Mittel 52 Prozent der Kickbacks an die Kunden ausgeschüttet, bei rund einem Viertel der Policen sogar 100 Prozent. Oftmals werden von Versicherern aber auch sogenannte institutionelle Anteilsklassen verwendet, die oftmals nur halb so teuer sind, da diese ohne Vergütung für den Versicherer auskommen.
„Da die Kapitalanlagekosten den höchsten Streueffekt in den Effektivkosten haben, ist es wahrscheinlich, dass ETF ihren Siegeszug auch im Gewand einer Rentenversicherung weiterführen werden“, ist del Pozo überzeugt. Die Fondspaletten in den Tarifen der Versicherer sehen zwar zunehmend ETF vor, aber tatsächlich angekommen sei dieser Trend in der gesamten Branche noch nicht. Noch ausführlicher geht del Ponzo in seinem Blog-Beitrag auf das Thema ein.
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