Altersvorsorge in der Pandemie: Safety first, Rendite second?

Die Deutschen gelten als langweilige Bedenkenträger, die lieber zweimal nachschauen, ob sie Bügeleisen und Herd ausgestellt haben. Auch in Sachen Altersvorsorge sind wir als sicherheitsliebend verschrien. Aber stimmt das überhaupt? Und welche Altersvorsorgeprodukte sind am beliebtesten?

Man könnte glauben, die allein die Menschen in Deutschland sind Sicherheitsfanatiker: Über ein Drittel (40 Prozent) von 2.000 befragten Privatanlegern gaben an, dass sie beim Thema Anlage am stärksten auf Sicherheit setzen, erst danach kommt die Rentabilität mit 27 Prozent. So das jüngste Ergebnis einer Erhebung des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA).

Eine andere ebenfalls aktuelle Umfrage im Auftrag des Europäischen Versicherungsverbands Insurance Europe, an der sich knapp 16.800 Menschen zwischen 18 und 70 Jahren aus 16 Ländern beteiligt haben, zeigt: Trotz deutlicher Unterschiede in den Lebensbedingungen und Alterssicherungssystemen steht der Wunsch nach Sicherheit in der Altersvorsorge in allen befragten Ländern an erster Stelle, dicht gefolgt von der „Robustheit des Anbieters“, was letztlich ebenfalls als Indiz für ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis gewertet werden kann.

Bei der Frage nach welchem Kriterium die Menschen länderübergreifend eine Anlageentscheidung treffen, ob sie also eher eine Anlage mit höherer Rendite, dafür mit größerem Risiko, oder eher das sichere Investment mit geringerem Ertrag bevorzugen, entschieden sich 83 Prozent der Befragten für: die Sicherheit. In Deutschland lag dieser Wert nur um einen Prozentpunkt höher. „Safety First“ ist also bei weitem keine deutsche Besonderheit.

Allein die Schweden könnten mit immerhin 27 Prozent Renditeorientierung als risikoliebender bezeichnet werden. Grund dafür könnte das seit über zwanzig Jahren bestehende schwedische Altersvorsorgemodell sein. Hier investiert jeder Mensch automatisch 2,5 Prozent seines Bruttolohns in einen staatlich organisierten Aktienfonds. Wo es aber durchaus einen Unterschied gibt, ist im Geschlechterverhältnis: So sind 88 Prozent der Frauen sicherheitsorientiert, während der Wert bei den Männern um zehn Prozent niedriger liegt.

Deutsche in Pandemie eher glimpflich davongekommen

Welchen Effekt haben die vergangen zwei Pandemie-Jahre auf die Altersvorsorge? Für 73 Prozent der Befragten aller Länder habe die Pandemie keinen Einfluss auf ihre Vorsorgebemühungen gehabt, immerhin fünf Prozent gaben sogar an, ihre Beitragszahlungen in der Corona-Krise aufgestockt zu haben. Bei gut einem Viertel der Befragten haben die vergangenen zwei Jahre allerdings doch deutliche Spuren in der Altersvorsorge hinterlassen: Demnach gaben 16 Prozent an, ihre Beiträge reduziert, einen Vertrag gekündigt oder ihre Vorsorgebemühungen aufgeschoben zu haben.

Am stärksten betroffen waren Menschen in Griechenland und Portugal, die mit 31 und 32 Prozent am häufigsten ihre Altersvorsorge zurückschrauben mussten. Indessen liegt in Dänemark, Finnland und Luxemburg der Prozentsatz nur bei sieben Prozent. Auch die Deutschen sind mit acht Prozent Zustimmung eher glimpflich davongekommen.

In Sachen Altersvorsorge sind Vollzeitbeschäftigte in der Privatwirtschaft am besten durch die Krise gekommen: Sechs Prozent von ihnen konnten ihre Beiträge sogar erhöhen, von den Selbstständigen ist das immerhin gut fünf Prozent der Befragten gelungen.

Effekte der verpflichtenden Vorsorge

Während in Ländern wie Schweden, der Schweiz oder den Niederlanden die betriebliche Altersversorgung obligatorisch ist, wählen Menschen in Deutschland und Österreich eine bAV auf freiwilliger Basis. Nun könnte man annehmen, dass das Fehlen einer bAV-Pflicht die Motivation eigenmächtig für das Alter vorzusorgen, doch stark erhöhen müsste. Doch weit gefehlt: Deutschland und die Schweiz, wo neben der Alters- und Hinterlassenenversicherung auch die bAV verpflichtend ist, trennt gerade einmal ein Prozentpunkt: Die Quote der Vorsorgemuffel, die nicht ergänzend für das Alter vorsorgen, liegt in unserem Nachbarland bei 24 Prozent, während hierzulande 25 Prozent nicht für das Alter vorsorgen.

Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Dreiviertel der Deutschen sorgen eben doch für das Alter vor, unabhängig von der gesetzlichen Rente. Interessant ist auch, dass der Bedarf an geeigneten Vorsorgeprodukten auch bei einer hohen Absicherung über die erste Säule besteht: 73 Prozent der Österreicher sorgen demnach ergänzend vor.

Am beliebtesten: bAV, Privatrente oder Investment?

Nur knapp drei Prozent der Menschen über die Ländergrenzen hinweg nutzen die gesamte Palette an ergänzenden Vorsorgeprodukten bestehend aus bAV, Privatrente und Investmentprodukten. Die Mehrheit der Studienteilnehmer (45 Prozent) verlassen sich im Alter auf nur ein Produkt, elf Prozentpunkte entfielen auf die Nutzung von zwei Vorsorgemöglichkeiten.

Die betriebliche Altersversorgung ist das mit Abstand beliebteste Instrument: Mit knapp 5.700 Nennungen (46 Prozent) stellt sie den größten Anteil. Am zweithäufigsten wurde die private Rente genannt (35 Prozent). Für Investmentprodukte entschieden sich indessen nur 19 Prozent.

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