Alte Leipziger wertet BU-Leistungsfälle aus

2.500 neue Leistungsfälle sind in den vergangenen zwei Jahren hinzugekommen. Während psychische Probleme insbesondere bei Frauen BU-Ursache Nummer eins sind, spielt Corona bislang keine Rolle. Das könnte sich in der Zukunft aber ändern.

Die Corona-Pandemie macht sich bislang noch nicht als Leistungsauslöser der Berufsunfähigkeitsversicherung bemerkbar – zumindest nicht bei der Alten Leipziger. Nach einer Auswertung der 3.500 neuen Leistungsfälle der vergangenen zwei Jahre war eine Corona-Erkrankung lediglich in 20 Fällen der Grund für die Auszahlung einer BU-Rente. In acht Fällen war Corona dabei lediglich eine Teilursache, in zwölf Fällen war die Berufsunfähigkeit alleine auf Corona zurückzuführen.

Auf procontra-Nachfrage erklärte eine Sprecherin, dass insgesamt 30 BU-Anträge in den vergangenen zwei Jahren mit dem Leistungsfallauslöser Corona bei der Alten Leipziger eingegangen seien. Während 20 – wie oben beschrieben – angenommen wurden, gab es in zwei Fällen eine Ablehnung. In den acht verbleibenden Fällen wird der Leistungsfall derzeit noch geprüft.  

Bezieht man nur die bereits entschiedenen Corona-Fälle in die Rechnung ein, kommt man hier auf eine Anerkennungsquote von knapp 91 Prozent. Damit liegt die Corona-Anerkennungs-Quote über der Gesamtquote. Insgesamt hatte die Alte Leipziger 84 Prozent aller BU-Anträge bewilligt und Zahlungen in die Wege geleitet.

Langzeiteffekte bleiben abzuwarten

Ob Corona jedoch auch zukünftig in der Berufsunfähigkeitsversicherung nur eine untergeordnete Rolle spielt, bleibt abzuwarten. Auch bei der Alten Leipziger will man keine voreiligen Schüsse ziehen. „Welche Effekte die Corona-Pandemie auf die Berufsunfähigkeit hat, wird sich erst langfristig zeigen“, sagt der für die Lebensversicherung zuständige Vorstand Dr. Jürgen Bierbaum. „Wir rechnen durchaus mit Effekten, sei es durch Long Covid, aufgeschobene Krebs-Behandlungen oder Veränderungen der Arbeitswelt. Wir können aber noch nicht sagen, wie schwerwiegend diese sind und welche Auswirkungen sie auf die BU-Schadenquote haben.“  

Nach wie vor sind psychische Erkrankungen die Hauptursache dafür, dass Menschen über einen längeren Zeitraum nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen können – ein Ergebnis, das sich auch mit den Auswertungen anderer Versicherer, wie beispielsweise der Debeka, deckt. Im Vergleich zu den Koblenzern ist der Anteil psychisch Erkrankter unter den BU-Fällen geringer. Während die Debeka eine Quote von zuletzt über 40 Prozent meldete, sind es bei der Alten Leipziger nur 25 Prozent – zumindest unter den männlichen Kunden. 

Bei Frauen sind psychische Erkrankungen wesentlich häufiger, nämlich in 35 Prozent der Fälle, die BU-Ursache. Das ist mehr als jeder dritte BU-Fall. In der Branche insgesamt wird festgestellt, dass immer häufiger junge Frauen aufgrund von Depressionen, Burnout oder Angststörungen berufsunfähig werden.   So haben Frauen unter 40 Jahren im Vergleich zur vorangegangenen Untersuchung vor 20 Jahren (1997) ein um über 30 Prozent erhöhtes Risiko – „ein signifikanter Anstieg“, erklärte vergangenes Jahr Nils Dennstedt, Vorstandsmitglied der Deutschen Aktuarvereinigung. Dieser Anstieg sei vor allem auf psychische Erkrankungen zurückzuführen.  

Bei der Alten Leipziger sieht man einen der möglichen Gründe in der Doppelbelastung zwischen Beruf und Familie, die vor allem Frauen in der Corona-Zeit zu schultern haben. Die Ursachen der BU-Fälle hingen jedoch stärker mit den versicherten Berufen zusammen als mit dem Geschlecht, relativiert man bei der Alten Leipziger aber.  

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

So sind Erkrankungen des Bewegungsapparats die zweithäufigste BU-Ursache bei Männern – jeder fünfte Fall (20 Prozent) ist auf sie zurückzuführen. Bei Frauen steht sie indes nur an Position 3 (16 Prozent).  Das liege an den unterschiedlichen Berufsbelastungen, mehr körperlichen Berufen bei Männern sowie einem anderen Sport- und Freizeitverhalten, erklärt die Alte Leipziger.  

Insgesamt liegt das Verhältnis von Männern zu Frauen bei den BU-Leistungsfällen bei 60 zu 40, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage. Das heißt aber nicht, dass Männer häufiger berufsunfähig werden – abgebildet wird hier lediglich der Versichertenbestand. So liegt auch das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Versicherungsnehmern mit BU-Versicherung bei 60 zu 40 bei der Alten Leipziger.

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