13,4 Milliarden Euro – im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Versicherer Allianz einen Rekordergebnis erwirtschaftet. Parallel gab der Konzern aber auch bekannt: Für die möglichen Straf- und Entschädigungszahlungen an Großanleger in Zusammenhang mit den Hedgefonds-Verlusten zu Beginn der Corona-Krise wurden Rückstellungen in Höhe von 3,7 Milliarden Euro gebildet. Bislang war von Schadenzahlungen bis sechs Milliarden Euro die Rede gewesen.
Milliardenschwere Verluste für Großanleger
Hintergrund der laufenden Klage: Zu Pandemie-Beginn im März 2020 hatten US-Investoren mit Hedgefonds der Allianz-Tochter Allianz Global Investors (AGI) Milliarden verloren und den Konzern auf mehr als sechs Milliarden Dollar verklagt. AGI hatte in den USA sogenannte „Structured Alpha“-Hedgefonds entwickelt und vor allem an große US-Pensionsfonds verkauft. Als die Märkte schließlich infolge der Pandemie wackelten, führte dies zu milliardenschweren Verlusten für die Anleger. Zwei der AGI-Fonds wurden nach der Talfahrt an den Märkten aufgelöst. Nach dem Finanz-Debakel verklagten etwa 25 Groß-Investoren die Allianz auf Entschädigungszahlungen.
Der Vorwurf der Anleger: Die Fondsmanager seien angesichts der pandemiebedingten Panik am Markt von ihrer ursprünglichen Investmentstrategie abgewichen. Der Versuch, Verluste durch Optionen gegen kurzfristige Marktschwankungen auszugleichen, scheiterte aus ihrer Sicht und habe das Defizit vergrößert. Zudem habe die Allianz die Risikokontrolle vernachlässigt. Der Versicherungskonzern führte dagegen ins Feld: Der Einbruch der Märkte zu Pandemie-Beginn habe einen Kursrutsch von rund 30 Prozent verursacht. Die „Structured-Alpha“-Produkte müssten in ihrer Entwicklung daher am allgemeinen Marktgeschehen gemessen werden.
Vergleiche mit US-Investoren demnächst abgeschlossen
Der Fall, mit dem sich auch die US-Aufsichtsbehörden befassten, wird seit rund eineinhalb Jahren vor Gericht verhandelt. Wie die Allianz in ihrer Pressemitteilung schreibt, erwarte sie „in Kürze“ einen Abschluss der Vergleiche. Aktuell werde noch mit weiteren Klägern sowie dem US-Justizministerium und der US-Börsenaufsicht SEC verhandelt. Zum jetzigen Zeitpunkt könnten deshalb die gesamten finanziellen Auswirkungen der „Structured Alpha“-Angelegenheit nicht zuverlässig beurteilt werden.
Das operative Ergebnis von 13,4 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2021 lag unterhalb der Prognose des Versicherers. Wegen der Rückstellung für die Hedgefonds-Verluste blieb schlussendlich nur ein Gewinn von 6,6 Milliarden Euro übrig – der niedrigste Wert seit 2013. „Trotz anhaltender Herausforderungen im Jahr 2021 hat die Allianz ihre Widerstands- und Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt“, zieht Konzernchef Oliver Bäte in der Pressemitteilung Bilanz.
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