Aktuelle Studie: Das sind die 6 Top-Risiken für 2022

Der Versicherungsmakler Funk hat seine aktuelle Risiko-Analyse veröffentlicht. Neben den üblichen Verdächtigen wie Klimakrise und Cyber-Angriffe sollten Unternehmen auch unbekanntere Risiken in den Blick nehmen. Zum Beispiel: den Herrenwitz.

Viele Versicherer haben vor dem Hintergrund von Großschadenereignissen wie der Flutkatastrophe im Sommer vergangenen Jahres aber auch wegen groß angelegter Cyberattacken ihre Konditionen angepasst – also Prämien angehoben oder die Versicherungen reduziert.

Risiken nehmen nicht nur in ihrer schieren Anzahl zu, sie werden auch komplexer: „Es kommen Risiken dazu, die wir vor fünf Jahren nur am Horizont gesehen haben. Die Situation wird unübersichtlicher“, sagt auch Monika Behrens, Geschäftsführerin von Willis Towers Watson Versicherungsmakler.

Insofern ist es nur logisch, dass sich die Branche zunehmend damit beschäftigt, welche Risiken es gibt und welche diejenigen sind, die zu den größten Schäden führen können. Erst kürzlich kamen die Studienautoren des sogenannten Risikobarometer, einer jährlichen Erhebung des Industrieversicherers Allianz Global Corporate Specialty (AGCS), zu dem Schluss: Betriebsunterbrechungen seien das größte Geschäftsrisiko in Deutschland. Allerdings sind solche Unterbrechungen eigentlich eher Folge eines Risikos, das ihr vorausgegangen ist: Auslöser besagter Betriebsunterbrechungen können beispielsweise Naturkatastrophen sein, die im Risikobarometer auch von knapp einem Drittel der Befragten als größtes Risiko angegeben worden sind.

Risiko Nummer eins: die Klimakrise

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Analyse des Versicherungsmaklers Funk: „Unternehmen müssen sich auf steigende Schäden durch Naturkatastrophen einstellen“, heißt es in dem aktuellen Risikobericht. Und die Zahlen sprechen für sich: Weltweit sind die Gesamtschäden durch Naturkatastrophen um 70 Milliarden US-Dollar auf 280 Milliarden US-Dollar gestiegen. Die zwei Hauptgründe dafür: der Hurrikan Ida in den USA und das Sturmtief Bernd, das hierzulande für Sturzfluten sorgte. Fast 10.000 Menschen verloren durch Naturkatastrophen im vergangenen Jahr ihr Leben. Die Klimakrise ist „gekommen, um zu bleiben“, resümieren die Funk-Autoren.

Unternehmen sollten sich aber nicht nur auf die dadurch entstehenden Risiken einstellen, sondern präventiv handeln, sich also nachhaltig aufstellen. Schließlich seien umweltschädliche Unternehmen, wie besonders kohleintensive Sparten, nur noch schwer zu versichern. Zudem steigen die gesetzlichen Anforderungen, zum Beispiel durch das neue Lieferkettengesetz.

Auch ist die Sorge vor Reputationsschäden gestiegen: Wer heute klimaschädlich wirtschaftet, muss morgen mit einem Shitstorm rechnen. „Besser ist es, mit gutem Beispiel voranzugehen und Umweltschutz, soziales Engagement und verantwortungsvolle Unternehmensführung aktiv zu treiben“, raten die Experten des Versicherungsmaklers Funk und erinnern an eine positive Begleiterscheinung, die nachhaltiges Handeln noch nach sich zieht: Unternehmen werden auf diese Weise auch attraktiver für den Nachwuchs – ein schlagendes Argument in Zeiten des Fachkräftemangels.

Versteckte Cyberrisiken führen zu höheren Prämien

Natürlich sind neben den Klimarisiken die Angriffe durch Cyberattacken eines der drängendsten Themen der Zukunft. Nicht ohne Grund werden sie in vielen Risk-Reports sogar als einer der größten Risikofaktoren der kommenden fünf bis zehn Jahre benannt. Nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Intensität der Attacken hat zugenommen. Und wie immer stehen die Erpressungsversuche durch Ransomware an erster Stelle. Dadurch entstehen Schäden in Höhe von rund 220 Milliarden Euro jährlich, wie der Branchenverband Bitkom errechnet hat.

„Für Versicherer werden Cyber-Angriffe zu einem unkalkulierbaren Risiko. Cyber-Attacken, die viele Unternehmen gleichzeitig treffen, stellen für die Assekuranz ein Kumulrisiko dar, vergleichbar mit einer Naturkatastrophe“, warnt das Maklerhaus Funk. Das Problem am Cyberrisiko: Eine Attacke kann gleich mehrere Policen eines Versicherungsnehmers betreffen: Versteckte Cyber-Risiken wie in der Sach- und Transportversicherung erhöhen das Ausmaß der Schäden. Die Folge: Immer mehr Versicherer haben ihre Deckungen eingeschränkt und die Prämien empfindlich erhöht. Wer heute eine Cyber-Police abschließen möchte, muss hohe IT-Sicherheitsstandards und ein gutes Risikomanagement nachweisen.

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Rohstoffpreise und Lieferketten bergen erhebliches Risiko

Ein weiteres, gerade in den vergangenen Pandemie-Jahren erheblich gewachsenes Risiko für Unternehmen bestehe, so die Funk-Autorinnen, in der Rohstoffknappheit bei gleichzeitigem Anziehen der Rohstoffpreise: So werde der Einkauf erschwert und die Absicherung der Lieferketten kostspielig. Gleichzeitig mussten viele Unternehmen zähneknirschend hinnehmen, dass sie von anderen Lieferanten-Ländern wie China in hohem Maße abhängig geworden sind.

Doch gerade dieser Umstand könnte nun zu einer Chance werden: Denn auf die Veränderungen am Beschaffungsmarkt muss die Wirtschaft reagieren und im Zweifel wieder regional produzieren, was die Unabhängigkeit von externen Faktoren stärken könnte und der Erpressbarkeit von Zulieferern, die möglicherweise ohnehin nicht zwingend den ESG-Kriterien Folge leisten, einen Riegel vorschieben. Entsprechend schlussfolgern die Autorinnen des Funk-Risiko-Berichts: So werde die deutsche Industrie „nicht nur resilienter, sondern kann sich zudem eine wichtige Rolle in den neuen Wertschöpfungsketten sichern.“

Die vergangenen Monate haben zudem gezeigt, wie fragil moderne Lieferketten und Produktionsnetze sind. Die Nachfrage nach bestimmten Gütern stieg sprunghaft an, was wiederum Störungen in Produktion und Logistik nach sich zog. Viele Fabriken in Asien mussten pandemiebedingt schließen, Containerhäfen stießen an ihre Kapazitätsgrenzen, bestimmte Rohstoffe wurden knapp – und sind es bis heute. Die Blockade im Suezkanal – ausgelöst durch den verkanteten Container-Riesen „Ever Given“ – hat die Sorge um Lieferketten weiter befeuert. Kurz: Im vergangenen Jahr wurden die Schwachstellen des Systems in seltener Deutlichkeit offengelegt.

Doch Umsatzeinbrüche waren nur eine von vielen Folgen. Schließlich sind deutsche Unternehmen häufig auch abhängig von IT-Systemen zur Steuerung der Lieferketten. Immer öfter verschaffen sich Cyber-Kriminelle Zugang zu den Systemen, legen sie lahm und stören Logistik- und Produktionsprozesse nachhaltig. Auch deswegen wird es für Unternehmen mehr denn darauf ankommen, die individuellen Risiken in der eigenen Lieferketten zu überprüfen und dann abzusichern, denn: Versicherer decken diese unternehmerischen Marktpreis- und Lieferkettenrisiken nicht ab, warnen die Funk-Autorinnen.

Risiko der Zahlungsunfähigkeit steigt

Derzeit gerät auf verschiedenen Ebenen die Grundlage vieler Unternehmen ins Wanken: Neben der anhaltenden Corona-Pandemie, steigt die Inflation unaufhörlich. Die Energiekosten sind nahezu entfesselt und neben der bereits genannten Lieferkettenproblematik werden auch noch die Transportkapazitäten knapp. In der Folge steigen die Einkaufspreise und manchen Unternehmen drohen, trotz voller Auftragsbücher, in eine Insolvenz zu rutschen.

Gegen dieses Risiko kann eine klassische Warenkredit-Versicherung helfen, aber für die anderen Gefahren sollten Unternehmen eher auf das Factoring setzen, raten die Experten des Versicherungsmaklers Funk: Der Lieferant verkauft seine Forderung an ein Factoringunternehmen und erhält im Gegenzug den Kaufpreis abzüglich eines geringen Einbehalts ausbezahlt. So könne die Liquidität des Unternehmens gewährleistet werden, Lieferanten werden weiterbezahlt. Factoring wäre demnach eine Ergänzung zur klassischen Bankenfinanzierung.

Herrenwitze: sind passé

An letzter, aber nicht weniger wichtiger Stelle, steht das Risiko des demografischen Wandels: In nur acht Jahren werden etwa drei Millionen Vollzeitkräfte hierzulande fehlen, wenn die Babyboomer in Rente gehen. Dass der Fokus auf Nachhaltigkeit Unternehmen attraktiver für den Nachwuchs macht, ist bereits bekannt. Andere Stellschrauben sind logischerweise ein faires Gehalt oder das Angebot für eine betriebliche Altersvorsorge oder Krankenversicherung.

Mittlerweile dürfte selbst konservativen Firmen auch bekannt geworden sein: Mit einem Nine-to-Five-Job holt man in Zukunft niemanden mehr hinter dem Ofen vor. Flexible Arbeitszeiten und -orte müssen zum Standard gehören, um Berufseinsteigerinnen für das Unternehmen zu gewinnen. Und an einen simplen, aber leider nach wie vor wichtig zu nennenden Punkt erinnern die Autoren ebenfalls: „Die Zeit der Herrenwitze ist vorbei. Heute gilt es, Diskriminierung am Arbeitsplatz abzubauen und Chancengerechtigkeit auf allen Ebenen zu unterstützen.“

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