Privatanleger haben zwar 2021 ihre Scheu vor Wertpapieren abgelegt: 90 Prozent des Neugeschäfts in Publikumsfonds stammen von den Privaten, ergab die Bilanz des Fondsverbandes BVI. Auch die passiven Indexfonds (ETF) erlebten Rekordzuflüsse. Doch der Einbruch folgte speziell durch die russische Invasion der Ukraine und die folgenden Sanktionen gegen Russland, Wirtschaftskrise, Inflation und Zinserhöhungen einiger Notenbanken. Von der erhofften kurzfristigen Kurskorrektur kann keine Rede mehr sein. Seit März sind die Aktienkurse dramatisch gefallen, und der DAX verlor in den vergangenen drei Monaten nochmals 13 Prozent.
Was hilft bei niedrigen und weiter sinkenden Aktienkursen? Antwort auf diese Fragen erhoffen sich nicht zuletzt unabhängige Fondsvermittler mit Zulassung nach Paragraf 34f Gewerbeordnung, um ihre Kunden bei der Stange zu halten. „Es besteht kein Anlass zur Panik“, sagt Finanzanalytiker Volker Looman, der Interessenten gegen Honorar berät. In seiner FAZ-Kolumne hat er kürzlich einmal mehr geraten: „Streuen, streuen, streuen!“
Es gibt keinen Anspruch auf Wohlstand
Aktuell grassieren Angst und Gier. „Natürlich können Sie alles verlieren, doch wenn die Stricke reißen, dann wird es passieren“, weiß Looman aus Erfahrung. Seine Großeltern sind 1945 um ihr Rittergut in Merschwitz an der Elbe und 1948 um ihre Uhrenfabrik in Glashütte im Erzgebirge gebracht worden. „Es gibt im Leben keine Sicherheit, also fordern Sie keine Garantien, Reichtum zu behalten, denn niemand hat einen Anspruch auf Wohlstand“, bringt es der Finanzanalytiker auf den Punkt.
Es sei sinnvoll, eine gewisse Vorsorge für das Geld zu treffen und ansonsten das Vermögen „laufen“ zu lassen, so Looman. Gemeint ist: Der Kunde sollte bestimmen, wieviel Geld in der Kasse liegen soll und welche Summen in Anleihen, Versicherungen, Immobilien, Aktien und Rohstoffe.
Individuelle Mischung und Streuung verringert Verlustrisiken
Looman, kein Freund von Versicherungsmänteln, rät zur bei geringer Risikoneigung zur Mischung und Streuung, die prozentual aufgeteilt so aussehen könnte: 5 Prozent Bargeld, 20 Prozent Anleihen, 35 Prozent Immobilien (offene Immobilienfonds), 20 Prozent Aktien und nochmals 20 Prozent physische Rohstoffe.
Viele werden sich weiter gegen diese einfache Strukturierung ihres Vermögens zur Wehr setzen, fürchtet der Finanzanalytiker. Offenbar ist die „Jammerei über die böse Welt“ doch wichtiger als die Sicherung des Vermögens. Doch so wie man sich um die „große“ Struktur des Vermögens kümmern muss, sollte man sich auch um die „kleine“ Struktur des Wertpapierdepots kümmern. Aktien und Aktienfonds sind 2021 gut gelaufen, doch die Märkte haben sich unterschiedlich entwickelt.
Depot jährlich auf Struktur überprüfen
„In den Vereinigten Staaten lief es hervorragend, in Europa war es gut, und in Asien war es durchwachsen“, so Looman. Man brauche für jedes Depot einen Schlüssel, wieviel Geld in welchen Regionen angelegt wird. Looman hat sein Geld zu 35 Prozent in Amerika, zu 30 Prozent in Asien und zu 35 Prozent in Europa investiert. Das muss nicht der Weisheit letzter Schluss sein, wichtig ist allein die Tatsache, dass man diesen Schlüssel besitzt und das Depot zweimal im Jahr aufschließt und gegebenenfalls nach Marktlage umschichtet.
Dabei können 34f-Berater helfen und aus der Breite des Marktes schöpfen, doch sollten bei der Auswahl solche Aktienfonds im Vordergrund stehen, die ihren Referenzindex schlagen. Doch weniger als drei von zehn aktiv gemanagten Fonds haben 2021 ihren Vergleichsindex geschlagen, ergab eine Untersuchung des Analysehauses Scope. Folglich weichen Anleger aus Kostengründen zunehmend auf Aktien-ETF aus, die Vermittler über Finanzplattformen gegen Servicegebühr beschaffen können.
Seite 1: Warum gute Mischung und Streuung Verluste begrenzen Seite 2: Wie die Kosten sich bei Aktienfonds, Aktien-ETF und ETF-Policen unterscheiden
Fonds, ETF oder ETF-Rentenpolice?
Für Berater und informierte Anleger hat Finanztest mehrfach Tipps aufgelistet, wie man die passenden weltweit streuenden Aktien-ETF findet, etwa in der März-Ausgabe 2022. Die Besten bekamen das Finanztest-Siegel „1.Wahl“. Soll heißen: Diese ETF eignen sich ohne Wenn und Aber als Basisanlage.
Fondspolicen-Anbieter bestücken ihre Rentenversicherungen immer häufiger mit ETF statt mit aktiv gemangten Fonds. Dies eröffnet auch 34d-Vermittlern die Chance, stärker mit ETF im Versicherungsmantel zu punkten. „Indexfonds im Mantel der Rentenversicherung sagen mir nicht zu, weil die Police überflüssig ist“, sagt Looman.
Warum Aktienfonds meist besser als Policen sind
In seiner FAZ-Kolumne hat er dies anhand einer Modellrechnung belegt. „Der angebliche Steuervorteil der Rentenversicherung löst sich in Luft auf, da die Anleihen keine Erträge bringen, so dass es nichts zu besteuern gibt“, schreibt Looman. Und der Aktienfonds werde durch die Wiederanlage der Erträge erst in 17 Jahren mit der Abgeltungsteuer belastet.
Zudem erspare man sich die häufig verlangten 5,0 Prozent Abschlusskosten. Mit einem preisgünstigen Depot bei einer Direktbank liegt das Endergebnis bei reinen ETF nach Steuern pro Jahr rund einen Prozentpunkt höher als bei der ETF-Fondspolice, weil mehr Geld zur Altersvorsorge arbeiten kann. Als Beispiele nennt er einen Mix aus Renten-Indexfonds (X-trackers II ESG Euro Corporate Bonds) und Aktien-Indexfonds (iShares MSCI World SRI Euro Aktien).
Billigerer Fondskauf im Internet
Preisgünstig lassen sich aktiv gemanagte Fonds in Online-Fondsshops beschaffen – meist ganz ohne Ausgabeaufschlag. Dabei handelt es sich ebenfalls um Fondsvermittler, die mit Fondsbanken kooperieren, die über eine KWG-Lizenz verfügen: DWS, Ebase, FIL Fondsbank (FFB) und Fondsdepot Bank. Allerdings führt nicht jeder Fondsshop jeden Fonds zum Nulltarif, schreibt die Stiftung Warentest in der Juli-Ausgabe von Finanztest.
Fondsshops können auf den Ausgabeaufschlag verzichten, weil sie über eine andere Einnahmequelle verfügen: die Bestandsprovision. Sie wird von den Fondsgesellschaften an den Vertrieb gezahlt und jährlich direkt dem Fondsvermögen entnommen – meist zwischen 0,3 und 0,6 Prozent des Fondsvermögens.
Erstattung der Depotgebühren ab bestimmtem Volumen
Manche Fondsshops erstatten die Depotgebühren, wenn ein bestimmtes Volumen an aktiv gemanagten Fonds im Depot verwaltet wird. Finanztest nennt dazu insbesondere diese Fondsshops mit dem entsprechenden Mindestdepotvolumen:
Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!
Seite 1: Warum gute Mischung und Streuung Verluste begrenzen Seite 2: Wie die Kosten sich bei Aktienfonds, Aktien-ETF und ETF-Policen unterscheiden

