Für einen edlen Tropfen sind Kenner bereit, sehr tief ins Portemonnaie zu langen: Für Flaschen aus dem Haus „Domaine de la Romanée-Conti“ – angeblich der beste Pinot Noir der Welt – werden im Internet teils fünfstellige Summen aufgerufen.
Entsprechend hoch fiel der Schaden aus, als im Januar dieses Jahres Diebe in den Weinkeller des unter Weinkennern berühmten Hotels „Kronenschlösschen“ einstiegen und 216 Flaschen Wein der Marken Latour, Lafité und Domaine de la Romanée-Conti sowie Champagner mitgehen ließen. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bezifferten die Hotelbesitzer den Schaden auf 243.000 Euro.
Wein-Mafia oder Versicherungsbetrug?
Schnell fiel der Verdacht auf die sogenannte Wein-Mafia: professionelle Banden, die im Auftrag Hotels und Restaurants heimsuchen, um deren Weinkeller leerzuräumen. Doch nun gibt es im Fall des Kronenschlösschen-Einbruchs eine mögliche Wende: So ließ in den vergangenen Tagen die Staatsanwaltschaft nicht nur die Räumlichkeiten des Hotels, sondern auch die Wohnungen der Besitzer durchsuchen. Der Verdacht: Versicherungsbetrug.
Hintergrund der Durchsuchung sei – so berichtet es die Frankfurter Allgemeine Zeitung – eine Strafanzeige der Gothaer gewesen, bei dem die Hotel-Besitzer ihren Wein-Schatz versichert hatten. Statt Opfer von professionellen, international agierenden Dieben geworden zu sein, beschuldige die Versicherung die Hotel-Besitzer, den Einbruch fingiert und ihre Weine an die eigene Kundschaft verkauft zu haben, um den Versicherungswert zu kassieren.
Hotelchef wehrt sich
Hotelchef Hans Burkard Ullrich wehrte sich in der Zeitung gegen die Anschuldigungen: „Dieser Vorwurf ist völlig absurd.“ Weiterhin ist Ullrich davon überzeugt, dass eine professionelle Bande für den Einbruch verantwortlich sei – schließlich gebe es ähnliche Fälle in ganz Europa. In der Tat ist immer wieder von derartigen Fällen zu lesen. Im Januar schaffte es ein Fall aus Frankreich in die internationale Presse, da die Wein-Diebe auf ihrer Flucht einige der hochpreisigen Flaschen auf die sie verfolgende Polizei geworfen hatten.
Hinter der Klage der Gothaer vermutet der Hotelchef hingegen andere Motive. So habe diese die Strafanzeige erst gestellt, nachdem ihr mitgeteilt worden war, dass Ullrich die Versicherungssumme, die bislang nicht ausgezahlt wurde, gerichtlich gelten machen wolle. „Die Versicherung weiß, dass sie damit den Ablauf der zivilrechtlichen Klage behindert, allein dies ist ihr Ziel“, erklärte Ullrich gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
Wie der Krimi um die verschwundenen Edel-Weine ausgehen wird, bleibt also abzuwarten.

