Doppelbeitrag: „Gerechtigkeit? Zu kompliziert.“

Dass Direktversicherungen und Betriebsrenten auch in der Auszahlphase mit Beiträgen belastet werden, ist eine Folge des Gesundheits-Modernisierungsgesetzes. Die rückwirkende Einführung betrifft nach Angaben des Vereins der Direktversicherungsgeschädigten etwa 6,3 Millionen Menschen in Deutschland. Der umtriebige Verein organisierte auch eine Podiumsdiskussion am Dienstagabend in der Berliner Urania. Titel der Veranstaltung: „Enteignung in der Rentenpolitik“. Geladen waren Jana Schimke (CDU), Matthias Birkwald (Linke), Ralf Kapschack (SPD), Markus Kurth (Grüne) und Jochen Vogel (FDP). Allesamt Mitglieder des Deutschen Bundestags und rentenpolitische Sprecher ihrer Fraktionen.
Dass die Diskussion einen Abend vor einer Fragestunde im Bundestag stattfand, war insoweit interessant, als dass Brüche zwischen Regierung und Unionsfraktion deutlich wurden. Die Kanzlerin blockiert nicht nur den eigenen Gesundheitsminister, sondern wendet sich mit ihrem „Nein“ (siehe Video; Bettina Stark-Watzinger von der FDP befragt Merkel in Minute 31:53) auch gegen Parteitagsbeschlüsse ihrer Partei.
Auf dem Podium in der Urania herrschte hingegen Konsens darüber, dass zumindest Abmilderungen für die Betroffenen geschaffen werden müssten. Die in Aussicht gestellten „Abmilderungen“ konnten unter den etwa 250 Zuhörern aber wenig Begeisterung auslösen. In der anschließenden Fragerunde aus dem Publikum wurden vor allem zwei Punkte deutlich:
Die Botschaft, die nach der Podiumsdiskussion hängenbleibt: Gerechtigkeit für die Betroffen herzustellen, ist also entweder zu kompliziert, nicht mehrheitsfähig oder beides. Insgesamt ein Armutszeugnis für den ganzen politischen Betrieb, wie eine Fragestellerin auf den Punkt brachte.
Wie die Podiumsteilnehmer argumentierten und welche Lösungen sie in Aussicht stellten, zeigt die procontra-Bilderstrecke.
