Die Ausstattung wird immer moderner und kostenintensiver: Wer einen Neuwagen kauft, kommt an Notbremsassistent, Spurhaltewarner und Parkhilfe nicht vorbei. Die technischen Innovationen erhöhen die Verkehrssicherheit und könnten damit ja eigentlich auch für eine Entlastung bei der Kfz-Versicherung sorgen. Aber: Das ist nicht der Fall. Das zeigt die Trendanalyse "Kfz-Versicherung 2040 – Automatisiertes Fahren & E‑Mobilität", die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) veröffentlicht hat.
Reparaturkosten bleiben der größte Preistreiber
"Technologie macht das Autofahren sicherer, aber nicht automatisch günstiger. Ersatzteile und Reparaturen sind im vergangenen Jahrzehnt um durchschnittlich 3,7 Prozent pro Jahr teurer geworden – das ist der stärkste Kostentreiber", sagt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV.
Bis 2040 dürfte die Zahl der Schäden um neun bis 14 Prozent sinken. Ohne Berücksichtigung der Inflation gehen die Schadenleistungen um sechs bis 12 Prozent zurück. In der Kaskoversicherung hingegen bleibe der Effekt gering: Glasschäden, Diebstahl sowie Sturm- und Hagelschäden lassen sich durch Fahrerassistenz nicht verhindern – der Schadenaufwand sinkt dort nur um null bis fünf Prozent.
Sensorik und Elektronik treiben Werkstattkosten nach oben
Besonders teuer wird es durch zusätzliche Sensorik: Kameras, Radar und Steuergeräte verteuern Reparaturen zusätzlich. Der Austausch einer Frontscheibe etwa kostet bei Fahrzeugen mit Assistenzsystemen rund 15 Prozent mehr, da Sensoren ersetzt und neu kalibriert werden müssen. "Insgesamt steigen die Reparaturkosten allein durch zusätzliche Technik bis 2040 um weitere vier bis fünf Prozent – unabhängig von der allgemeinen Inflation", so Käfer-Rohrbach.
Erst kürzlich beleuchtete ein Recherche-Team des WDR das Thema und warf Kfz-Versicherern vor bei der Schadenregulierung Werkstattrechnungen systematisch und ungerechtfertigt zu kürzen, um Geld zu sparen. Procontra berichtete. Zu systematische Postenkürzungen habe der GDV auf Nachfrage nach eigener Auskunft "keine belastbaren Erkenntnisse".
Elektromobilität verändert das Schadenbild deutlich
Vielmehr seien es verschiedene Faktoren, die dazu führten, dass die Kosten steigen - unter anderem auch die Elektromobilität. Sie verändere das Schadenbild: Knapp 60 Prozent aller haftpflichtversicherten Pkw könnten bis 2040 Elektroautos sein. Reparaturen sind bei Elektrofahrzeugen nach einer Kollision derzeit rund 10 Prozent teurer als bei Verbrennern.
GDV warnt vor weiter steigendem Kostendruck
Das Fazit: Selbst bei moderater Preisentwicklung bleibe der Kostendruck hoch. "Schon beim EZB-Inflationsziel von zwei Prozent jährlich würde der Schadenaufwand bis 2040 um 24 bis 32 Prozent wachsen", so Käfer-Rohrbach. Entwickeln sich die Preise wie im vergangenen Jahrzehnt, also mit 3,7 Prozent jährlich, ergäbe sich ein Anstieg des Schadenaufwands von 64 bis 75 Prozent.
long story short
Fahrerassistenzsysteme machen Autos zwar sicherer, senken die Kosten für Kfz-Versicherer laut GDV aber kaum – vor allem wegen stark steigender Reparatur- und Ersatzteilpreise.
Besonders Sensorik, Kameras und Steuergeräte treiben die Werkstattkosten nach oben: Schon der Austausch einer Frontscheibe ist bei modernen Fahrzeugen rund 15 Prozent teurer.
Auch die Elektromobilität erhöht den Kostendruck: Reparaturen an E-Autos kosten derzeit etwa zehn Prozent mehr als bei Verbrennern – langfristig könnten die Schadenkosten laut GDV um bis zu 75 Prozent steigen.


