Finanztipps auf TikTok, Instagram oder Youtube erreichen Millionen Menschen – oft ohne klare Regeln. Jetzt will das EU-Parlament Finanz-Influencer stärker regulieren. In einer Entschließung, die mit großer Mehrheit verabschiedet wurde, fordern die Parlamentarier Mindeststandards für „Finfluencer“ einzuführen, um aggressives Marketing und Online-Betrug zu bekämpfen.
Mehr Transparenz bei Finanzinhalten
Konkret sollen Finfluencer künftig verpflichtet werden, wirtschaftliche Interessen offenzulegen und Werbung eindeutig zu kennzeichnen. Kooperationen mit Finanzunternehmen sowie eigene Beteiligungen müssen transparent gemacht werden. Nutzer sollen klar erkennen können, ob es sich um unabhängige Informationen oder vertriebsgetriebene Inhalte handelt.
Darüber hinaus fordert das Parlament höhere Anforderungen an die inhaltliche Qualität. Risiken müssen ebenso klar dargestellt werden wie Chancen. Irreführende Aussagen, überzogene Renditeversprechen oder die Bewerbung ungeeigneter Produkte für breite Zielgruppen sollen konsequent unterbunden werden. Gleichzeitig wird erwartet, dass Anbieter über ausreichende fachliche Kenntnisse verfügen und ihre Inhalte sorgfältig prüfen.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Abgrenzung zur regulierten Anlageberatung. Sobald konkrete Anlageempfehlungen ausgesprochen werden, sollen bestehende europäische Vorgaben Anwendung finden. Ergänzend spricht sich das Parlament für einen europaweiten Verhaltenskodex sowie mögliche Gütesiegel für regelkonforme Anbieter aus.
AfW sieht Schritt zu fairem Wettbewerb
Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung sieht in der Entschließung des Europäischen Parlaments einen wichtigen Schritt hin zu mehr Verbraucherschutz und fairen Wettbewerbsbedingungen. Denn während unabhängige Vermittler umfassenden regulatorischen Anforderungen unterlägen, könnten Finfluencer bislang vielfach ohne vergleichbare Vorgaben agieren, so der AfW. Die vorgeschlagenen Mindeststandards seien daher ein wichtiger Schritt, um dieses Ungleichgewicht zu reduzieren und das Vertrauen in Finanzinformationen zu stärken.
„Es ist Zeit, dass die EU hier handeln will. Wer Finanzprodukte bewirbt oder Anlageentscheidungen beeinflusst, muss sich an klare Spielregeln halten. Anforderungen an Transparenz, Sachkunde und Verantwortung müssen für alle gelten und dürfen kein Wettbewerbsnachteil für regulierte Vermittler sein“, stellt AfW-Vorstand Frank Rottenbacher klar.
Entschließung ist nicht bindend
Die jetzt gefällte Entschließung ist zwar rechtlich nicht bindend, sie gibt der Europäischen Kommission jedoch eine klare politische Richtung vor.
Teile der Diskussion finden sich laut AfW bereits in den laufenden Verhandlungen zur Retail Investment Strategy (RIS) wieder. Auch dort werde unter anderem über verpflichtende schriftliche Vereinbarungen zwischen Finanzunternehmen und Finfluencern, klare Kennzeichnungspflichten für Marketinginhalte, die Offenlegung von Vergütungen sowie eine stärkere Verantwortung der Vermittlerinnen und Vermittler für die zielmarktkonforme Nutzung von Marketingmaterialien verhandelt.
long story short
Das EU-Parlament fordert strengere Regeln für Finfluencer und mehr Transparenz bei Finanzinhalten in sozialen Medien.
Künftig sollen Werbung, Vergütungen und Kooperationen mit Finanzunternehmen klar offengelegt werden.
Der AfW begrüßt die Pläne und sieht darin einen wichtigen Schritt für mehr Verbraucherschutz und fairere Wettbewerbsbedingungen.
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