Kolumne

„KI ersetzt Makler“? Warum das die größte Chance sein könnte

KI statt Makler? Diese Frage hört Bastian Kunkel öfter. Für viele Vermittler klingt das nach Zukunftsangst – für andere nach der größten Chance seit Jahren. In seiner Kolumne erklärt Kunkel, warum künstliche Intelligenz aus seiner Sicht nicht das Ende der Beratung bedeutet.

Bastian Kunkel

Bastian Kunkel, Versicherungsmakler und Gründer von „Versicherungen mit Kopf“. | Quelle: Imagetown/Richard Bejck

Neulich hat mir jemand gesagt, ich würde offenbar nicht verstehen, dass mein Beruf als Versicherungsmakler in ein paar Jahren nicht mehr existiert. KI werde alles übernehmen. Der Mensch sei raus.

Ich habe kurz nachgedacht. Und dann gemerkt: Vielleicht hat er gar nicht so unrecht. Nur ist seine Schlussfolgerung die falsche.

Das kennen wir doch schon

Wettbewerb war in unserer Branche schon immer „Mensch mit Tools gegen Mensch ohne Tools". Wer glaubt, KI sei das erste Werkzeug, das uns unter Druck setzt, hat die letzten 25 Jahre verschlafen. Erst sollte das Internet uns überflüssig machen. Dann Vergleichsportale. Dann InsurTechs. Spoiler: Uns gibt es immer noch.

Was sich verändert hat, ist nicht die Existenz von Werkzeugen. Sondern ihre Qualität. Und deshalb lautet die eigentliche Frage nicht: „KI oder Mensch?" Sondern: Wer arbeitet morgen mit den besseren Werkzeugen?

Disruption passiert nie für alle gleichzeitig

Nur weil etwas technisch möglich ist, heißt das noch lange nicht, dass alle Menschen es sofort nutzen. Gerade wir Deutschen vermeiden Veränderung manchmal so konsequent, als gäbe es dafür Bonuspunkte bei der Steuererklärung.

Vertrauen, Gewohnheit und persönliche Beziehung sind keine Schwächen eines alten Systems. Sie sind Bedürfnisse echter Menschen. Aus unserer Beratungspraxis bei Versicherungen mit Kopf wissen wir: Wenn es um Berufsunfähigkeit, Gesundheit oder Altersvorsorge geht, wollen Kunden am Ende trotzdem jemanden, der Verantwortung übernimmt. Jemanden, der haftet. Jemanden, der nicht nur ausspuckt, sondern einordnet. 

Der Gedanke, der mich seit Jahren beschäftigt

Was wäre, wenn wir einen KI-Agenten bauen, der rund um die Uhr Tarife vergleicht, Verträge analysiert und Handlungsbedarf erkennt, ohne meinen direkten Einsatz bei jedem einzelnen Vorgang?

Bin ich dann als Makler überflüssig?

Nein. Ich habe aufgehört, meine Zeit gegen jeden einzelnen Vorgang zu tauschen. Dieser Agent trägt unsere Erfahrung, unsere Standards und unsere Beratungslogik. Er arbeitet mit unserem Wissen, nicht statt uns.

Wer alles selbst macht, baut keinen Betrieb

Das klingt paradox, ist aber eine der ehrlichsten unternehmerischen Ambitionen: Ich möchte in meinem eigenen Tagesgeschäft überflüssig werden. Nicht, weil ich keine Lust mehr habe. Sondern weil echte Skalierung genau dort beginnt, wo ein Unternehmen nicht mehr permanent vom Gründer abhängt. 

Wer jeden Vorgang selbst bearbeiten muss, baut keinen Betrieb. Er baut sich einen Job mit besonders vielen E-Mails.

Fazit

Die Frage ist also nicht, ob Versicherungsmakler die KI überleben. Die Frage lautet: Wer von uns baut sie mit, bevor es jemand anderes tut?

Ihre Meinung ist gefragt!