Beschluss

1000 Euro Prämie kommt: Für Makler Be- oder Entlastung?

Der Bundestag hat neben anderen Maßnahmen die steuerfreie Entlastungsprämie beschlossen, die bereits im Vorfeld für viel Kritik gesorgt hatte. In der Branche werden die bis zu 1000 Euro ebenfalls mit Skepsis betrachtet.

Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, stimmt bei der namentlichen Abstimmung über unter anderem den geplanten Tankrabatt und Entlastungsprämie ab.

Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, stimmt bei der namentlichen Abstimmung über unter anderem den geplanten Tankrabatt und die Entlastungsprämie ab. | Quelle: picture alliance/dpa | Markus Lenhardt

Der Bundestag hat eine steuerfreie Inflationsprämie von bis zu 1.000 Euro beschlossen, die Arbeitgeber ihren Beschäftigten freiwillig bis Ende Juni 2027 zahlen können. Wirtschaftsverbände kritisieren, dass die Entlastung damit teilweise auf die Unternehmen verlagert werde. Finanziert werden soll die Maßnahme unter anderem über eine Erhöhung der Tabaksteuer, was Haushalte wiederum belasten kann.

Parallel trübt sich die Konjunktur ein – die Bundesregierung erwartet nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent, während weitere Entlastungsschritte angesichts geopolitischer Risiken (Iran-Konflikt) politisch umstritten bleiben. In der Versicherungsbranche wird die Prämie mit Skepsis betrachtet. „Aus unternehmerischer Sicht ist die Entlastungsprämie grundsätzlich ein gut gemeinter Ansatz, um Mitarbeitende in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zu unterstützen. Allerdings darf man die Erwartungen, die damit bei den Beschäftigten geweckt werden, nicht unterschätzen“, sagt Franziska Geusen, Geschäftsführerin bei Hans John Versicherungsmakler GmbH und AfW-Geschäftsführerin.

Geusen sieht die Situation in kleinen Maklerhäusern differenzierter, als es auf den ersten Blick erscheint: „Es ist keineswegs so, dass alle Betriebe in den vergangenen Jahren automatisch höhere Erträge erzielt haben. Im Gegenteil: Steigende Insolvenzzahlen im gewerblichen Bereich führen dazu, dass Kunden wegfallen, Prämienvolumina unter Druck geraten und teilweise ganze Geschäftsbeziehungen wegbrechen. Gleichzeitig beobachten wir auch im Privatkundensegment, dass Verträge ruhend gestellt oder reduziert werden“, erläutert Geusen. Vor diesem Hintergrund sei es für viele Maklerbetriebe nicht ohne Weiteres darstellbar, pauschal zusätzliche Zahlungen wie beispielsweise 1.000 Euro pro Mitarbeitendem zu leisten.

Maßnahme misslungen

Votum-Vorstand Martin Klein wird noch deutlicher in seiner Kritik: „Die Maßnahme der Bundesregierung erachte ich tatsächlich als misslungen“, sagt er gegenüber procontra. „Sie trägt nicht zu einer breiten Unterstützung der Bevölkerung und zu einem Gemeinschaftsgefühl bei, sondern hat das Potenzial, eine Spaltung weiter voranzutreiben“, so Klein. Auch er verweist darauf, dass es in der Maklerschaft wie auch in anderen Branchen kein einheitliches Bild gibt: „Auf der einen Seite sehen wir Unternehmen, die von der Krise wenig belastet sind und die Möglichkeit haben, über die steuerfreie Entlastungsprämie Anreize für ihre Mitarbeiter zu schaffen. Auf der anderen Seite stehen Unternehmen, die durch die Krise stark unter Druck geraten sind, etwa Speditionen oder energieintensive Fertigungsbetriebe, die nicht wissen, aus welchen – nicht vorhandenen – Reserven sie eine solche Prämie finanzieren sollen.“

„Ich gehe davon aus, dass die Lage bei den meisten Maklerhäusern so ist, dass man grundsätzlich eine solche Prämie zahlen kann. Das ändert jedoch nichts an meiner grundsätzlichen Kritik“, ergänzt Klein.

Bisher wollen wenige Unternehmen zahlen

NDR Niedersachsen hat mehr als 600 Unternehmen nach ihrer Meinung dazu gefragt. 121 Unternehmen haben geantwortet – die Ergebnisse sind also nicht repräsentativ. Rund ein Fünftel der Betriebe (25 Unternehmen) kann sich vorstellen, die Prämie auszuzahlen. Allerdings planen diese eher keine kurzfristige Umsetzung innerhalb der kommenden drei Monate. Zudem herrscht vielfach Unsicherheit über die konkrete Höhe der Zahlung: Statt der maximal möglichen Summe ziehen viele Unternehmen Beträge zwischen 250 und 500 Euro in Betracht. Knapp die Hälfte der teilnehmenden Firmen (55) lehnt die Zahlung eines Krisenbonus grundsätzlich ab, während die übrigen Befragten noch keine abschließende Entscheidung getroffen haben.

Arbeitgeberverband hält sich noch zurück

Der Arbeitgeberverband der Versicherer (AGV) hat sich bislang zurückhaltend geäußert, da noch keine Details zur konkreten Ausgestaltung der Entlastungsprämie vorlagen. Sobald diese bekannt sind, soll geprüft werden, ob und inwieweit die Maßnahme tarifpolitisch aufgegriffen werden kann.

Long Story short:

  • Inflationsprämie beschlossen: Bis zu 1.000 Euro steuerfrei möglich – aber freiwillig und teils von Unternehmen zu tragen.

  • Kritik aus der Branche: Makler sehen finanzielle Belastung und warnen vor unrealistischen Erwartungen bei Beschäftigten.

  • Uneinheitliche Lage: Während einige Betriebe zahlen können, stehen andere wirtschaftlich unter Druck – der Arbeitgeberverband wartet noch ab.