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Morgen & Morgen sieht 19 Lebensversicherer bestens aufgestellt

Die Marktsituation ist für die Lebensversicherer herausfordernd, dennoch stehen viele Unternehmen bestens da. Das ergibt ein aktuelles Rating des Analysehauses Morgen & Morgen unter 63 Unternehmen.

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13:10 Uhr | 18. Oktober | 2023
Rating-Sieger

Gleich 19 Lebensversicherer sieht Morgen & Morgen derzeit sehr gut aufgestellt.

| Quelle: Dragon Claws

Wenn es um den Abschluss einer Lebens- bzw. Rentenversicherung geht, sollte nicht nur der genaue Tarif, sondern auch das dahinterstehende Unternehmen genauer unter die Lupe genommen werden.

Die zuletzt erfolgsverwöhnte Branche erlebte im vergangenen Jahr einen herben Dämpfer. Der rasante Zinsanstieg war für die Versicherer dabei Fluch und Segen zugleich. Zwar können die Versicherer mittlerweile wieder höhere Zinsen bieten, gleichzeitig haben sich allerdings im vergangenen Jahr 100 Milliarden an stillen Lasten aufgebaut.

Zugleich erlebte das Neugeschäft durch die hohe Inflation einen empfindlichen Dämpfer. Vor allem das Neugeschäft gegen Einmalbeitrag brach im vergangenen Jahr ein, auch weil andere Anlagemöglichkeiten wieder an Attraktivität gewannen. Zudem führten die gestiegenen Lebenshaltungskosten zu weniger privaten Investitionen.

13 Bilanzkennzahlen von 63 Unternehmen untersucht

Welche Auswirkungen hat das auf die Lebensversicherer? Dieser Frage ging erneut das Analysehaus Morgen & Morgen in seinem LV-Unternehmens-Rating nach. Trotz der zuletzt schwierigeren Situation stieg die Zahl der Lebensversicherer mit Bestbewertung (5 Sternen) gegenüber zum Vorjahr jedoch von 15 auf 19. 

Dies liegt auch daran, dass Morgen & Morgen nicht nur das Jahr 2022 isoliert betrachtet, sondern den Fünfjahreszeitraum von 2018 bis 2022 in das aktuelle Rating einfließen ließ. Insgesamt wurden 13 Bilanzkennzahlen von insgesamt 63 Lebensversicherern in Augenschein genommen.

Bei den einzelnen Bilanzkennzahlen war dabei durchaus der Einfluss des vergangenen Jahres feststellbar. „Die veränderten Marktgegebenheiten führten bei einigen Kennzahlen im Jahr 2022 zu starken Bewegungen. Was im Einzelnen extrem aussieht, relativiert sich im Zusammenspiel. Vor allem die Mechanismen der Zinszusatzreserve konnten die Marktbewegungen gut abfangen“, beschreibt Thorsten Saal, Bereichsleiter Mathematik bei Morgen & Morgen, die aktuelle Lage.

Das Rating setzt sich aus drei Teilratings zusammen: Erfolg (hier fließen ein: Nettoverzinsung, Abschlusskostenquote, Verwaltungskostenquote, Überschussquote, Zins-Überschussquote und Zins-Risiko-Überschussquote), Bestand  (hier fließen ein: Wachstums- und Stornoquote) und Sicherheit (hier fließen ein: Eigenmittelquote, Rfb-Quote, Bewertungsreservequote sowie SCR-Quote). Im Gesamtrating sah die Gewichtung der drei Teile wie folgt aus: Erfolg mit 45 Prozent, Bestand mit 10 Prozent sowie Sicherheit mit 45 Prozent. Alle Details lassen sich in der Rating-Dokumentation nachlesen.

17 Sieger im Erfolgs-Rating

Im Teil-Rating Erfolg, das die Ertragssituation der Versicherer widerspiegelt, konnten gleich 17 Versicherer die Bestnote für sich verbuchen – das sind vier mehr als im Vorjahr. 12 weitere Unternehmen wurden mit vier Sternen (Vorjahr: 18) bewertet, 19 weitere (Vorjahr: 18) mit drei Sternen. Während die Zahl der Versicherer mit zwei Sternen mit neun konstant blieb, fielen sechs Gesellschaften hier durch. Im Vorjahr hatten nur fünf Lebensversicherer lediglich einen Stern erhalten.

Durchgeschlagen hat sich das schwächelnde Neugeschäft vor allem im Teil-Rating Bestand. Während hier aufgrund des sinkenden Neugeschäfts die Kostenquoten anstiegen, machte sich vor allem die sich bei vielen Lebensversicherern verringernde Zinszusatzreserve bemerkbar. Nachdem 2021 die Versicherer noch 8,5 Milliarden Euro in diese einzahlten, verringerte sie sich 2022 um drei Milliarden Euro. Dies macht sich in einer gestiegenen Überschussquote bemerkbar, die von 8,3 auf 11,4 Prozent anstieg. „Trotz turbulentem Kapitalmarktumfeld besteht noch kein Grund zur Sorge, das zeigt die im Schnitt leicht angestiegene Zins-Überschussquote. Das Zusammenspiel von sinkenden Kapitalerträgen und verminderten Anforderungen aus Garantien und Zinszusatzreserve lässt die Versicherer also besser als im Vorjahr die Rechnungszinsanforderungen finanzieren“, erklärt Saal.

Schwächelndes Neugeschäft macht sich bemerkbar

Bemerkbar hat sich das schwächelnde Neugeschäft vor allem im Teil-Rating Bestand gemacht. Hier sank die Zahl der Unternehmen mit 5-Sterne-Bewertung von 15 auf 13. Auch 4-Sterne-Bewertungen wurden im Vergleich zum Vorjahr (elf Unternehmen) mit 8 weniger vergeben. Allerdings sank auch die Zahl der Lebensversicherer, die mit „sehr schwach“ bewertet wurden, von sieben auf fünf.  

Die für dieses Teil-Rating maßgebliche Wachstumsquote sank im Marktschnitt deutlich von 4,2 auf minus 2,5. Allerdings ist anzumerken, dass die Wachstumsquote stets großen Schwankungen unterlag – vor allem wegen des Einmalbeitragsgeschäfts, das bei einigen Versicherern in manchen Jahren bis zu 70 Prozent des jährlichen Beitragsvolumens ausmacht. Die Normalstornoquote erhöhte sich zudem leicht von 4,0 auf 4,2. 

Bei Sicherheit gut aufgestellt

Sehr gut aufgestellt sind die meisten Versicherer hingegen im Bereich Sicherheit, das die finanzielle Stabilität und Eigenkapitalunterlegung der Versicherer im Hinblick auf eine mögliche Krise untersucht. Gleich 50 Versicherer (Vorjahr: 47) erhielten hier die Bestnote. Lediglich fünf Unternehmen erhielten eine Note von 3 Sternen oder darunter, ein Versicherer fiel mit einer „sehr schwachen„ Bewertung komplett durch. „Im Bereich der Sicherheit und Solvabilität ist die Lage der Versicherer, den Kennzahlen nach zu urteilen, weiterhin als stabil zu bewerten“, betonte Saal.

Insgesamt betrachtet stehen die meisten Lebensversicherer folglich sehr gut da. Neben den erwähnten 19 Unternehmen mit Höchstnote, konnten weitere 26 Gesellschaften (Vorjahr: 32) eine Bewertung von vier Sternen für sich verbuchen. 14 weitere Unternehmen (Vorjahr: 11) wurden mit drei Sternen bewertet, nur vier Lebensversicherer (Vorjahr: 5) wurden mit schwach bewertet. Die niedrigste Note erhielt kein Versicherer.

Das sind die Testsieger

Die Unternehmen mit Bestnote sind:

  •  Allianz

  • Baloise

  • Deutsche Ärzteversicherung

  • DEVK

  • Die Bayerische

  • Europa

  • Hannoversche

  • HanseMerkur

  • Ideal

  • Inter

  • Interrisk

  • LV 1871

  • myLife

  • Öffentliche Braunschweig

  • Swiss Life

  • Universa

  • Volkswohl Bund

  • WGV

  • WWK

Die Ergebnisse für die einzelnen Versicherer inklusive der Ergebnisse für die einzelnen Teil-Ratings kann hier nachgelesen werden. Einen Überblick über sämtliche Bilanzkennzahlen bietet zudem der LV-Check von procontra.