Die Goldrallye geht ungebremst weiter: Am frühen Montagmorgen hat der Preis für eine Unze, also 31,1 Gramm, Gold zum ersten Mal die Marke von 5.000 US-Dollar überwunden. Das bedeutet: Seit Jahresbeginn hat der Goldpreis um 18 Prozent zugelegt, im vergangenen Jahr stieg der Preis für das Edelmetall gar um 64 Prozent.
Damit sind erste Prognosen von Marktexperten bereits hinfällig geworden. Die DZ-Bank hatte erst vergangene Woche ihr kurzfristiges Prognoseziel von 4.400 auf 4.600 US-Dollar je Gold-Unze erhöht. „Langfristig, auf Sicht von zwölf Monaten, rechnen wir erstmals mit 5.000 USD je Feinunze“ heißt es in einem Blogeintrag vom vergangenen Montag. Eine Woche später ist die Schwelle nun bereits überwunden.
Goldman-Sachs hebt Prognose an
Auch die US-amerikanische Investmentbank Goldman-Sachs hob vergangene Woche ihre Goldpreis-Prognose für das aktuelle Jahr an: Statt von 4.900 US-Dollar geht man an der Wall Street nun davon aus, dass zum Jahresende eine Feinunze Gold 5.400 Euro wert sein könnte – ein Plus von zehn Prozent.
Nachdem in den Vorjahren vor allem die starke Nachfrage der Zentralbanken den Goldpreis beflügelt hatte, müssen diese zunehmend mit Privatanlegern um das begrenzte Angebot an Goldbarren konkurrieren.
Laut einem Bericht des World Gold Councils, in dem sich die weltgrößten Goldminenunternehmen zusammengeschlossen haben, will knapp ein Drittel aller Zentralbanken ihre Goldreserven weiter ausbauen. Reduzieren will indes keiner. Das Gemisch aus geo- und handelspolitischen Unsicherheiten, einer der maßgeblichen Treiber der hohen Goldnachfrage, wird auch 2026 Bestand haben. Die ersten Wochen des Jahres haben dies noch einmal eindrücklich bestätigt.
Mittlerweile scheinen beim Goldpreis die Rendite-Fantasien in den Himmel zu wachsen. Besonders optimistisch zeigten sich dabei Experten der ICPC Standard Bank. Ihnen zufolge ist ein Anstieg des Feinunzen-Preises in diesem Jahr auf bis 7.150 Dollar möglich. Vergleichsweise nüchtern erscheint indes mittlerweile die steile These der procontra-Redaktion aus dem vergangenen Jahr. Dieser zufolge könnte der Goldpreis in diesem Jahr die 6.000 Dollar-Grenze überschreiten. Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg. Angesichts eines Zuwachses von 64 Prozent im vergangenen Jahr und einer weiterhin hohen Nachfrage erscheint diese These jedoch mittlerweile weit weniger steil als noch im vergangenen Jahr.
Silber knackt 100-Dollar-Marke
Steil nach oben ging es zuletzt auch für den Silberpreis. Erstmals kostete eine Unze am vergangenen Freitag mehr als 100 Dollar – ein historischer Höchststand. Auch am Montag kletterte der Preis weiter. Zum Vergleich: Ende Januar 2025 lag der Preis noch bei rund 30 Dollar je Unze.
Mit dem dreistelligen Silberpreis hat sich die steile These der procontra-Redaktion für 2026 bereits nach wenigen Wochen erfüllt. Gestützt wird der rasante Anstieg des Silberpreises im Gegensatz zu Gold auch durch eine starke industrielle Nachfrage. Silber ist einer der größten Profiteure der Energiewende. Für die Produktion von Photovoltaikanlagen sind viele Hersteller aufgrund dessen hoher Leitfähigkeit auf das Metall angewiesen. Doch die Minenbetreiber können mittlerweile nicht mehr so viel Silber fördern, wie letztlich benötigt wird.
Entsprechend gehen viele Analysten davon aus, dass sich der Silberpreis in 2026 in noch luftigere Höhen aufschwingen wird. Laut einer Umfrage der London Bullion Market Association (LMBA) zeigten sich von 26 befragten Analysten 17 davon überzeugt, dass Silber in diesem Jahr die 100-Dollar-Marke knackt. Eine Grenze, die nun bereits nach wenigen Schritten überwunden wurde.
Drei Analysten zeigten sich gar noch optimistischer: Ihnen zufolge wird der Preis gar die 160-Dollar-Marke knacken. Gleichzeitig steigt jedoch auch das Risiko von erheblichen Preisrücksetzern – auch weil in der Solarbranche zunehmend nach Alternativen geschaut wird. Laut LMBA-Umfrage warnen auch Analysten von einem zunehmend überdehnten Markt. So sei in einigen Bereichen, beispielsweise bei industriellen Anwendungen, bereits eine nachlassende Nachfrage zu verzeichnen.
Long Story short
Der Goldpreis hat erstmals die Marke von 5.000 US-Dollar je Unze überschritten und damit zahlreiche Prognosen überholt, während Analysten angesichts anhaltender geopolitischer Unsicherheiten und hoher Nachfrage teils sogar Kurse von über 7.000 Dollar erwarten.
Parallel hat auch Silber mit über 100 US-Dollar je Unze ein Rekordniveau erreicht, getrieben durch starke industrielle Nachfrage, wenngleich Experten zunehmend vor Übertreibungen und möglichen Rücksetzern warnen.


