Jüngere investieren öfter in Krypto – aber Sicherheit wollen sie alle
Junge Menschen investieren häufiger digital und beteiligen sich stärker am Kapitalmarkt, während ältere Generationen weiterhin eher auf klassische Anlageformen und persönliche Beratung setzen. So entwickelt sich die Geldanlage in Deutschland zunehmend zu einer Generationenfrage. Das zeigt die aktuelle Anlegerstudie der Barmenia-Gothaer, die der Versicherer gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt hat. Untersucht wurde insbesondere, welche Anlageformen von welchen Generationen bevorzugt werden.
Fonds und Aktien haben in den vergangenen Jahren insgesamt deutlich an Beliebtheit gewonnen: Seit 2018 ist der Anteil der Personen, die in Fonds beziehungsweise Aktien investieren, um 18 Prozentpunkte (Fonds) und 17 Prozentpunkte (Aktien) gestiegen (Fonds von 20 auf 38 Prozent; Aktien von 18 auf 35 Prozent). Vor allem ETFs haben sprunghaft an Bedeutung gewonnen. Während 2024 rund jede dritte Person ETFs im Portfolio hatte, ist es 2026 bereits jede zweite. Jüngere Anlegerinnen und Anleger investieren dabei häufiger in Aktien und Fonds.
Unter-30-Jährigen sehr kryptoaffin
Auffällig ist im Generationenvergleich außerdem die Nutzung von Kryptowährungen. Keine andere Altersgruppe investiert so häufig in Kryptowährungen wie die unter 30-Jährigen. In dieser Gruppe legen derzeit 19 Prozent Geld in Bitcoin und Co. an. Bei den über 60-Jährigen sind es hingegen lediglich zwei Prozent. Ältere Generationen setzen stärker auf klassische Anlageformen wie Immobilien, Lebensversicherungen sowie Fest- und Tagesgeld. Vor allem bei den 45- bis 59-Jährigen sind diese Anlagen besonders verbreitet.
„Wir sehen, dass sich die Geldanlage entlang der Generationen ausdifferenziert“, sagt Anton Buchhart, Vorstand der Barmenia-Gothaer Asset Management. „Bedürfnisse, Risikobereitschaft und Zugänge unterscheiden sich deutlich – deshalb braucht es Lösungen, die Menschen über ihre gesamte Lebensphase hinweg begleiten. Um die Lösung zu finden, die am besten zu einem passt, lohnt sich die Zusammenarbeit mit einer Finanzberaterin oder einem Finanzberater. Denn gerade, wenn sich die Geldanlage stärker differenziert, sind Orientierung und Einordnung entscheidend.“
Sicherheit bleibt generationenübergreifend entscheidend
Was alle Generationen bei der Geldanlage eint, ist ein durchgängig hohes Sicherheitsbedürfnis. In allen Altersgruppen wird Sicherheit am häufigsten als wichtigster Aspekt der Geldanlage genannt. Insgesamt priorisieren 47 Prozent der Anlegerinnen und Anleger diesen Faktor – deutlich vor Flexibilität (26 Prozent), Rendite (13 Prozent) und anderen Zielen.
Dennoch zeigen sich Unterschiede im Detail: Während Flexibilität insgesamt an zweiter Stelle steht, messen ältere Befragte ihr eine größere Bedeutung bei als jüngere. So nennen 29 Prozent der über 60-Jährigen die freie Verfügbarkeit ihres Geldes als wichtigsten Aspekt, bei den unter 30-Jährigen sind es lediglich 23 Prozent. Umgekehrt verhält es sich bei der Rendite: Jüngere Anlegerinnen und Anleger gewichten diese stärker als ältere. Für 19 Prozent der unter 30-Jährigen ist Rendite der wichtigste Faktor, während dies nur auf 8 Prozent der über 60-Jährigen zutrifft. „Jüngere Menschen sind tendenziell stärker wachstumsorientiert und nutzen neue Anlageformen. Mit zunehmendem Alter gewinnt Flexibilität stärker an Bedeutung“, erklärt Anton Buchhart.
Nachhaltigkeit ist vor allem für junge Anleger ein entscheidendes Kriterium
Auch beim Thema Nachhaltigkeit zeigt sich der Generationenunterschied deutlich. 67 Prozent der unter 30-Jährigen bewerten Nachhaltigkeit bei der Geldanlage als eher oder sehr wichtig – mehr als in jeder anderen Altersgruppe. Die zweithöchste Zustimmung findet sich bei den über 60-Jährigen, von denen 54 Prozent Nachhaltigkeit eine hohe Bedeutung beimessen. In den mittleren Altersgruppen fällt die Zustimmung geringer aus: Bei den 30- bis 44-Jährigen sind es 49 Prozent, bei den 45- bis 59-Jährigen 44 Prozent.
Die hohe Relevanz von Nachhaltigkeit bei jungen Anlegerinnen und Anlegern zeigt sich auch in ihrer Bereitschaft, für Nachhaltigkeit auf Rendite zu verzichten: 65 Prozent der unter 30-Jährigen wären dazu bereit. Damit liegt diese Altersgruppe deutlich über dem Durchschnitt aller Befragten, von denen insgesamt 51 Prozent zu einem solchen Verzicht bereit wären.
Modell aus digitalen Lösungen und persönlicher Beratung
Im Generationenvergleich zeigt sich ein weiterer Unterschied im Anlageverhalten: Bei den 18- bis 29-Jährigen nutzen 43 Prozent digitale Plattformen für ihre Geldanlage, 31 Prozent investieren über Online-Broker. In der Altersgruppe ab 60 Jahren hingegen bleibt die Bank mit 70 Prozent der wichtigste Zugang. „Digitale Angebote erleichtern den Einstieg, persönliche Beratung bleibt jedoch insbesondere bei langfristigen Entscheidungen ein wichtiger Faktor“, sagt Anton Buchhart.
Vor diesem Hintergrund gewinnt ein hybrides Modell aus digitalen Lösungen und persönlicher Beratung an Bedeutung. Digitale Angebote ermöglichen einen niedrigschwelligen Einstieg und mehr Transparenz, während Beratung insbesondere bei komplexeren oder langfristigen Anlageentscheidungen weiterhin eine zentrale Rolle spielt.
Auch neue technologische Möglichkeiten, etwa KI-basierte Analysen, können Anlegerinnen und Anleger bei der Suche und Auswahl von Investments unterstützen. Gleichzeitig ersetzt Technologie keine fundierte Beratung. Viele digitale Antworten bleiben allgemein und berücksichtigen individuelle Ziele oder Risikoprofile nur eingeschränkt. Eine strukturierte Beratung bleibt daher wichtig, um Renditechancen, Risiken und Anlageziele ganzheitlich einzuordnen.
„Die Zukunft der Geldanlage ist kein Entweder-oder“, sagt Anton Buchhart. „Digitale Zugänge schaffen Transparenz, persönliche Beratung sorgt für Orientierung. Unser Anspruch ist es, Menschen entlang ihrer Lebensphase zu begleiten und digitale Möglichkeiten mit persönlicher Beratung zu verbinden.“
Zur Studie
Die Studie zum Anlageverhalten der Deutschen wurde im Auftrag der BarmeniaGothaer Asset Management AG vom Meinungsforschungsinstitut forsa vom 5. bis 8. Januar 2026 durchgeführt. Befragt wurden rund 1.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren im Rahmen computergestützter Telefoninterviews. Die Auswahl erfolgte repräsentativ nach einem systematischen Zufallsverfahren.

