Aktien-Investment

Börsenkrise und Rendite: Vanguard zeigt überraschendes Anlageszenario

Ein langfristiger Aktienansatz kann selbst bei ungünstigem Einstiegszeitpunkt gute Ergebnisse liefern. Das zeigt ein hypothetisches Szenario, das der Vermögensverwalter Vanguard jetzt erstellt hat.

Blick auf bunte Börsendiagramme

Ein fiktives Szenario zeigt: Selbst schlechtes Timing kann den langfristigen Vermögensaufbau an der Börse nicht verhindern (Symbolfoto). | Quelle: primeimages

Viele Sparer zögern beim Investieren aus Sorge vor Kursverlusten oder weil sie nicht wissen, wann der richtige Einstiegszeitpunkt ist. Der Vermögensverwalter Vanguard hat deshalb einmal hypothetisch die Wertentwicklung des „unglücklichsten Anlegers“ analysiert.

Falsch investiert – und trotzdem gewonnen

Dieser hat, so die theoretische Annahme, in den vergangenen 30 Jahren ausschließlich zu den denkbar schlechtesten Zeitpunkten investiert – also zu den teuersten Kursen, kurz bevor die Märkte aufgrund großer Crashs eingebrochen sind: etwa vor der Finanzkrise, der Corona-Pandemie oder dem Start des Ukraine-Kriegs.

Das überraschende Ergebnis: Selbst unter diesen sehr unvorteilhaften Bedingungen wäre aus einem insgesamt eingezahlten Betrag von 45.000 Euro mit einem einfachen, global diversifizierten Buy-and-Hold-Ansatz bis Februar 2026 ein Vermögen von 155.580 Euro erwachsen. Ein Gewinn von 110.580 Euro beziehungsweise ein Plus von 246 Prozent.

Zum Vergleich: Eine alternative Anlage der 45.000 Euro auf einem Festgeldkonto mit einer angenommenen Verzinsung mit dem EZB-Leitzins wäre im gleichen Zeitraum auf einen Endwert von nur 56.871 Euro gekommen – ein Plus von gerade einmal 26,4 Prozent.

Diversifikation und Disziplin als Erfolgsfaktoren

„Diese Analyse unterstreicht eine einfache Wahrheit: Entscheidend ist nicht das perfekte Timing, sondern die Zeit, in der Geld investiert ist. Selbst bei durchgehend schlechtem Timing hätte es für Anleger rückblickend zu deutlich besseren Ergebnissen geführt, wenn sie investiert geblieben und Marktrückgänge ausgehalten hätten“, sagt Chris Hofmann, Head of Intermediated Wholesale bei Vanguard in Deutschland.

Mit anderen Worten: Wer diszipliniert bleibt, langfristig investiert, breit diversifiziert und auf niedrige Kosten achtet, kann laut Vanguard selbst unter sehr schwierigen Bedingungen gute Ergebnisse erzielen, wenn er die zwischenzeitlichen Marktschwankungen aushält.

Die fiktive Investmentreise im Überblick:

  • September 1997: Erste Einzahlung von 2.500 Euro unmittelbar vor der Asienkrise – innerhalb eines Monats ein Minus von 188 Euro.

  • Juli 1998: Weitere 2.500 Euro kurz vor Russlands Staatsbankrott und dem Kollaps von Long-Term Capital Management – innerhalb eines Monats insgesamt 786 Euro im Minus.

  • Januar 2000: 10.000 Euro am Höhepunkt der Dotcom-Blase investiert; nach Technologiecrash, 9/11 und dem Krieg in Afghanistan lag das Depot im September 2002 um 31 Prozent im Minus. Danach setzte die Erholung ein: Im Oktober 2007 waren aus insgesamt 15.000 Euro Einzahlungen bereits 19.034 Euro geworden.

  • Oktober 2007: Weitere 5.000 Euro unmittelbar vor der globalen Finanzkrise investiert. Wer investiert blieb, hielt bis zur Erholung durch – bis 2019 waren aus insgesamt 20.000 Euro Einzahlungen 48.066 Euro geworden.

  • Ende 2019: 10.000 Euro kurz vor dem Corona-Crash investiert (der Markt fiel zunächst um rund 35 Prozent, bevor er sich 2020 und 2021 erholte).

  • Dezember 2021: 5.000 Euro vor dem Ukraine-Krieg, dem Inflationsanstieg und den raschen Zinserhöhungen investiert (der Markt fiel zunächst um rund 26 Prozent, bevor er sich 2023 und 2024 erholte).

  • Dezember 2024: 10.000 Euro vor dem „Liberation Day“ und den tarifbedingten Marktturbulenzen investiert (der Markt fiel zunächst um rund 13 Prozent, bevor er sich 2025 erholte).

Long Story short

  • Vanguard simuliert einen Anleger, der über 30 Jahre nur kurz vor großen Markteinbrüchen investiert hat.

  • Trotz schlechtestem Timing wären aus 45.000 Euro bis Februar 2026 rund 155.580 Euro geworden.

  • Eine Festgeldanlage mit EZB-Leitzins hätte im gleichen Zeitraum nur 56.871 Euro erreicht.