Kolumne
2026: Neue Wege erkunden
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Die Weltwirtschaft tritt 2026 in eine Phase ein, in der alte Gewissheiten bröckeln und neue Wege erkundet werden müssen. Handelskonflikte, politische Spannungen und eine sich neu ordnende Globalisierung prägen den Kurs der Märkte. Doch mitten in dieser Unsicherheit entwickelt sich eine faszinierende Parallelbewegung: Die technologische Revolution rund um Künstliche Intelligenz sorgt für einen Investitionsschub, der viele der geopolitischen Bremsspuren überlagert. Während die USA weiter zwischen politischem Druck, Inflation und den Nebenwirkungen einer extremen Konzentration auf wenige Titel am Aktienmarkt kämpfen, zeigen andere Regionen überraschende Stärke. Besonders Europa, China und Indien rücken als alternative Wachstumspole in den Vordergrund – nicht nur aus Bewertungsgründen, sondern wegen klarer politischer Impulse und struktureller Trends.
Europa erlebt nach Jahren der Schwäche eine Renaissance der wirtschaftspolitischen Gestaltungsmacht. Dank einer stabileren Inflationsentwicklung könnten sowohl die Europäische Zentralbank als auch die Bank von England die Zinsen weiter senken. Gleichzeitig investieren viele Staaten – allen voran Deutschland – massiv in Verteidigung, Infrastruktur, Digitalisierung. Das Ergebnis ist ein europäisches Marktumfeld, das durch niedrigere Konzentrationsrisiken an den Aktienmärkten, attraktivere Bewertungen und neue fiskalische Impulse glänzt. „Boring is beautiful – Langweilig ist schön“: Europa überzeugt weniger durch die Fantasie des Neuen als vielmehr durch Stabilität.
In Asien zeigt sich ein gespaltenes Bild. China kämpft weiterhin mit Kapitalabflüssen, geopolitischem Druck und einer schwachen Immobilienbranche. Doch die Regierung reagiert: Zinssenkungen, Aktienkäufe und gezielte Liquiditätshilfen sollen die Wirtschaft stabilisieren. Derweil bleibt Indien die Wachstumsstory der Schwellenländer. Das Land profitiert von einer jungen Bevölkerungen, einer weltweit führenden digitalen Infrastruktur und der strategischen Neuordnung globaler Lieferketten. Als „China +1“-Standort wächst es dynamisch in Pharma, Technologie, Konsum und Digitalisierung.
Für Anleger bedeutet all dies: Althergebrachtes ist womöglich nicht länger verlässlich. Daher gilt es, 2026 auch neue Wege zu erkunden.
