Gefahr durch Klimawandel

Klimarisikoindex von IW und Ergo: Wilhelmshaven am stärksten bedroht

Die Gefahren durch Stürme, Hitze und Starkregen nehmen deutschlandweit durch den Klimawandel zu. Doch nicht jede Region ist im gleichen Maße von dessen Folgen bedroht, zeigt eine neue Studie.

Blick über eine Landschaft, über der dunkle Wolken hängen

Eine neue Studie zeigt, welche Regionen in Deutschland besonders vom Klimawandel betroffen sein werden. | Quelle: iiievgeniy

Ob Hitze, Hagel, Sturm oder Starkregen – die Folgen des Klimawandels sind überall zu sehen. Doch nicht jede Region in Deutschland ist gleich stark vom Klimawandel bedroht. Das zeigt eine aktuelle Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zusammen mit Köln.Assekuranz, einer Tochter der Ergo Versicherung, erstellt hat. Untersucht wurde hierbei die Verwundbarkeit der öffentlichen Infrastruktur in den 400 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland.

Dieser zufolge ist in Wilhelmshaven das Risiko am höchsten. In einem Klimarisikoindex, dessen Skala von 0 (geringes Risiko) bis 10 (hohes Risiko) reicht, kam die niedersächsische Stadt am Jadebusen auf einen Wert von 5,7. Bis 2050 wird dieser auf 5,9 steigen. Auch in den benachbarten Kreisen an der Nordsee wie der Wesermarsch (Indexwert 2025:  5,6), Emden (5,5), Bremerhaven (4,8) und Wittmund (4,7) ist das Risiko vergleichsweise hoch.

Kreis/ Kreisfreie Stadt

Gesamtindex 2025/2050

Sturm 2025/2050

Starkregen 2025/2050

Hitzestress 2025/2050

Wilhelmshaven

5,67/ 5,88

9,94/ 9,93

7,28/ 7,53

2,2/ 2,8

Wesermarsch

5,6/ 5,8

9,92/ 9,91

7,36/ 7,55

2,3/ 3,0

Emden

5,45/ 5,59

9,73/ 9,69

7,26/ 6,97

2,2/ 2,8

Bremerhaven

4,78/ 5,03

9,96/ 9,93

7,26/ 7,55

2,2/ 2,9

Wittmund

4,74/ 5,13

9,92/ 9,92

7,28/ 7,55

2,3/ 2,8

Sturm, Starkregen und Hitzestress

Vor allem in Küstennähe, aber auch an großen Flüssen ist das Risiko besonders hoch. So weist der Klimarisikoindex auch für Brandenburg an der Havel (4,6), Mannheim (4,5) und Ludwigshafen am Rhein (4,5) hohe Werte auf. Vergleichsweise gering ist indes das Risiko in Kempten (2,78), Remscheid (2,85) und im Landkreis Hof (2,9).

Kreis/ Kreisfreie Stadt

Gesamtindex 2025

Sturm 2025

Starkregen 2025

Hitzestress 2025

Kempten

2,78

8,43

6,36

1,8

Remscheid

2,85

9,00

6,64

2,5

Landkreis Hof

2,9

8,03

6,94

1,9

Westerwaldkreis

2,91

8,49

6,88

2,3

Landkreis Gütersloh

2,94

8,80

7,11

2,4

Von den zehn untersuchten Naturgefahren stellen laut den Forscher Sturm, Starkregen und Hitzestress die größten Risiken dar. So kommen bei Stürmen schon heute alle untersuchten Kreise auf einen Indexwert von über 7,5. Bis 2050 wird die Bedrohung zudem weiter zunehmen, vor allem in den Landkreisen Neu-Ulm, Biberach und Lindau.

Auch Starkregen stellt für viele Regionen eine hohe Gefahr dar: Jeder vierte Kreis in Deutschland weist hier bereits einen Wert von über 7,5 auf dem Klimarisikoindex auf. Besonders in bergigen Regionen wie Kempten, im Landkreis Oberallgäu oder aber auch im Märkischen Kreis wächst das Risiko in den kommenden Jahren weiter.

Als Risiko, das bislang noch keine große Rolle spielt, bewerten die Forscher Hitzestress. Dies werde sich bis 2050 jedoch ändern – kein Risiko legt bis 2050 stärker zu. So werden nach Meinung der Forscher bis 2050 insgesamt 372 der 400 untersuchten Regionen mit zunehmender Hitze zu kämpfen haben (Indexwert über 3). Vor allem Brandenburg sehen die Forscher betroffen und nennen die Landkreise Oberspreewald-Lausitz, Märkisch-Oderland und Dahme-Spreewald.

Kommunen fehlt Geld für Klimafolgenanpassung

Noch ist Zeit, sich gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen. Doch laut Studienautoren brauchen viele Kommunen hierfür finanzielle Unterstützung. „Vielen Kommunen fehlte bislang das Geld, um sich hinreichend auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten “, sagt IW-Experte Hanno Kempermann. Mittel aus dem Sondervermögen müssten folglich auch bei den Kommunen landen.

Olaf Bläser, Vorstandsvorsitzender der Ergo, bezeichnete den nun entwickelten Klimarisikoindex als wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Grundlage für Politik, Wirtschaft und Kommunen, um sich besser auf den Klimawandel und dessen Folgen vorbereiten zu können.