Aus der Maklerpraxis

ChatGPT, Gemini & Co.: Gute BU-Tipps mit Schwächen im Detail

Immer mehr Interessenten kommen offenbar schon mit konkreten KI-Empfehlungen in die Beratung. Versicherungsmakler und BU-Experte Matthias Helberg beobachtet vermehrt E-Mails, in denen gezielt nach anonymen Risikovoranfragen gefragt wird – das ist per se richtig, ersetzt aber kein Fachwissen.

Remote-Mitarbeiter mit KI-Sprachassistent und Laptop

BU-Interessenten greifen bei Beratungsfragen immer häufiger auf KI-Systeme zurück (Symbolfoto). | Quelle: Ugur Karakoc

Die Art, wie Verbraucher den Weg zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) finden, verändert sich. BU-Experte Matthias Helberg berichtet auf seinem Blog von einer wachsenden Zahl an E-Mails, in denen Interessenten gezielt nach einer anonymen Risikovoranfrage fragen. Viele dieser Anfragen wirkten strukturiert – mit Angaben zu Alter, Beruf, Vorerkrankungen oder Risikosportarten.

Vier KI-Systeme im Praxistest

Helbergs Vermutung: Beim Schreiben der Mails hat eine KI geholfen. Deshalb testete er intern die KI-Modelle ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity mit einem einfachen Prompt, der wie folgt lautete: „Ich will das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung angehen, habe aber mal eine Therapie gemacht. Habe ich da Chancen? Wie gehe ich vor?“

Das Ergebnis: Alle vier Systeme empfahlen bereits in der ersten Antwort eine anonyme Risikovoranfrage – meist verbunden mit dem Hinweis, dafür einen spezialisierten Makler einzuschalten. Auch die Folgen falscher oder unvollständiger Gesundheitsangaben wurden angesprochen.

Grundsätzlich bewertet Helberg das positiv. KI bereite viele BU-Interessenten offenbar gut auf die Vorgehensweise vor einem BU-Abschluss vor. „Interessenten kommen nicht mehr mit einem diffusen Bauchgefühl, sondern schon mit einem ersten Plan im Kopf“, schreibt der Makler aus Osnabrück auf seinem LinkedIn-Account.

Wo KI-Antworten noch zu kurz greifen

Gute Beratung werde dadurch aber nicht überflüssig, sondern im Gegenteil immer wichtiger. Vor allem, weil einige KI-Antworten zu früh dazu rieten, Befunde, Atteste oder Eigenerklärungen zusammenzutragen. „Das kann sinnvoll sein – aber eben nicht immer sofort“, so Helberg. Aus seiner Sicht sollte die Reihenfolge eine andere sein: Erst sollte man grob prüfen, ob bestimmte Diagnosen oder psychische Vorerkrankungen den Versicherungsschutz im Moment verhinderten. Nur wenn das nicht der Fall sei, lohne es sich, eine anonyme Risikovoranfrage vorzubereiten und dafür Unterlagen zu besorgen

Zudem reichten ein paar Stichworte nicht aus – für eine verlässliche Risikovoranfrage brauche es detaillierte Angaben, am besten in Form sorgfältig ausgefüllter Beratungs-Fragebögen. Hinzu komme, dass es unter Maklern keinen einheitlichen Standard gebe, wie anonyme Risikovoranfragen durchgeführt würden.

Warum Fachwissen weiter wichtig ist

Helbergs Fazit: BU-Makler und BU-Versicherer müssen sich darauf einstellen, dass die Nachfrage nach anonymen Voranfragen steigt. „Was die KI-Modelle aber noch nicht so gut verstehen“, so Helberg, „ist die beste Reihenfolge bei der Vorgehensweise, dass es keinen einheitlichen Voranfrage-Standard gibt und dass eine Voranfrage nicht immer möglich, sinnvoll oder notwendig ist.“ Insofern bleibe Expertenwissen auch im KI-Zeitalter nach wie vor wichtig und gefragt.

Long Story short

  • BU-Experte Matthias Helberg beobachtet mehr Anfragen, die offenbar mit KI vorbereitet wurden und gezielt nach anonymen Risikovoranfragen fragen.

  • ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity empfahlen in einem internen Test bei einer früheren Therapie jeweils eine anonyme Risikovoranfrage vor dem BU-Antrag.

  • Helberg bewertet die KI-Hinweise grundsätzlich positiv, betont aber: Fachliche Einordnung bleibt weiterhin Aufgabe spezialisierter Makler.