Rürup-Steuervorteile

Warum auch angestellte Gutverdiener von der Basisrente profitieren

Die Anzahl der Basisrenten-Verträge wächst stetig. Dennoch verbleibt noch reichlich Potenzial, insbesondere bei einer Zielgruppe, die man nicht sofort mit dem Produkt verbindet.

Ein Mann sitzt mit Stift, Papier und einem Rechner sm Schreibtisch und lächelt zufrieden.

Für Einkommensstarke gilt: Je mehr Geld sie verdienen, desto mehr Steuern können sie sparen. | Quelle: skynesher

Thomas Buchholz, Investmentexperte beim Versicherer LV 1871 formuliert es vorsichtig: „Die Basisrente wird häufig von Selbstständigen und Freiberuflern genutzt, gewinnt aber auch für angestellte Gutverdiener an Bedeutung – vor allem wegen der steuerlichen Vorteile.“ Was im Nebensatz fast untergeht, liefert einen Aufhänger in der Beratung: Denn das die Basisrente grundsätzlich auch für Arbeitnehmer interessant ist, ist ein weitestgehend unbekannter oder unberücksichtigter Aspekt. „Der Funke ist noch nicht so ganz übergesprungen“, meint auch Georg Geodeckemeyer, Leiter Rating beim Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP). Und weiter: „Vielleicht haftet der Basisrente durch ihre Komplexität ein gewisser Makel an, der im Grunde keiner ist. Denn die Möglichkeiten bei der Tarifgestaltung sind sehr gut und mit einer individuellen Beratung ist für jeden etwas dabei.“ Sein Institut bewirbt die Basisrente seit Jahren mit dem Slogan „die staatlich geförderte Wertpapierinvestition“.

Vorteil hinter vorgehaltener Hand

Ob Makler in der Vermittlung einer Basisrente zurückhaltend agieren, müsste empirisch untersucht werden. Was der Markt bei einer ersten Beobachtung spiegelt, entspricht diesem Bild. Häufig nur hinter vorgehaltener Hand werden Vermittler deutlich: „Als Gutverdiener wäre ich blöd, wenn ich nicht meinen Bonus, mein Urlaubsgeld, mein 13. Monatsgehalt oder einen Teil meines Lohns in so ein Produkt investieren würde.“ Oder auch: „Die Basisrente ist ein Super-Steuerspar-Modell.“ Solche Aussagen kursieren in der Branche – man vernimmt sie allerdings nur leise. Warum?

Vielleicht liegt es daran, dass der Staat die Förderung auf Selbstständige und Freiberufler zugeschnitten hat, um diese Personengruppe zur Altersvorsorge zu motivieren, da dies ohne einen solchen Anreiz allzu oft unterbliebt. Da wollen Makler die „ungewünschte“ Zielgruppe angestellte Gutverdiener vielleicht nicht zu offensiv in den Mittelpunkt ihrer Beratungstätigkeit stellen. Aber Fakt ist auch, dass im Grunde jeder in den Genuss der Steuervorteile kommt – auch Beamte. Und für Einkommensstarke gilt nun mal: Je mehr Geld sie verdienen, desto mehr Steuern können sie sparen. Der Fiskus langt erst in der Auszahlungsphase zu, wenn der persönliche Steuersatz fast immer deutlich niedriger ist als während des Erwerbslebens.

Sonderausgabe korrekt ermitteln

Bei der Ermittlung des Steuervorteils müssen Makler alle absetzbaren Ausgaben, welche die Erstattung durch den Basisrenten-Vertrag reduzieren, berücksichtigen. Dennoch bleibt fast immer ein fetter Steuervorteil, den es zu nutzen gilt. Dies zeigt ein Beispiel der Finanzberatung Financedoor: Ein Arbeitnehmer hat ein zu versteuerndes Jahreseinkommen vor Abschluss einer Basisrente von 62.375 Euro. Der Höchstbetrag, den er dieses Jahr als Sonderausgabe in der Steuererklärung ansetzen darf, sind 30.826 Euro (für gemeinsam veranlage Paare 61.652 Euro). Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung addieren sich zu 14.573,35 Euro. Der maximal mögliche Beitrag zur absetzbaren Basisrente ist also 16.252,65 Euro.

Steuervorteil, die Freiheit bei der Wahl der Anlagestrategie und der Insolvenzschutz

Die Vorteile der Basisrente dürften in der Maklerschaft bekannt sein – neben dem Steuervorteil, die Freiheit bei der Wahl der Anlagestrategie und der Insolvenzschutz, um nur drei zu nennen. Auch die Abschlusszahlen entwickeln sich positiv (siehe Grafik). Das IVFP hat 96 Tarife von 34 Anbietern analysiert und ein Rating erstellt. Kriterien waren Rendite, Flexibilität, Unternehmensqualität und Transparenz/Service. Die Rendite fließt mit einem Gewicht von 40 Prozent in das Gesamtergebnis ein, Flexibilität und Qualität jeweils mit 25 Prozent. Gerade die Anpassungsfähigkeit der unterschiedlichen Tarife an den individuellen Kundenbedarf ist Maklern möglicherweise nicht so bekannt, gilt der staatliche Förderrahmen der Basisrente weithin doch als sehr starr. Das trifft aber nicht unbedingt auf die Produkte selbst zu – die Anbieter sind in den Bedingungen kreativ.

Makler schauen genau hin

Laut dem IVFP ist die Basisrente zwar gesetzlich reglementiert, „dennoch gibt es Unterschiede“. So böten nahezu alle Tarife fixe und/oder individualisierte Beitragssteigerungen an. Abweichungen gebe es aber beim unbegrenzten Widerspruch der Dynamik – diese offerierten derzeit 65 Prozent der Tarife an. Sehr gut sei, dass 83 Prozent zulassen, den Rentenbeginn bis zum 85. Lebensjahr zu verschieben. Bei steigender Lebenserwartung sei das für manche Kunden interessant. Zudem beinhalten 85 Prozent der Tarife die Option, im Fall einer Berufsunfähigkeit die Beiträge zur Basisrente zu übernehmen, damit die Altersvorsorge nicht gefährdet ist. Kurzum: Makler sollten sich intensiv mit den Bedingungen beschäftigen. Das verbessert die Chancen einen bedarfsgerechten Tarif zu finden und Vorsorgelücken zu schließen.

Wie mehrere Versicherer auf Anfrage bestätigten, sind vor allem kapitalmarktnahe Produkte gefragt, wenn Menschen privat fürs Alter vorsorgen. Laut IVFP gibt es auch auf dieser Ebene gravierende Differenzen. Sofern ein Tarif die Möglichkeit bietet, Anlagekonzepte zu wählen, deren komplettes Management der Versicherer übernimmt, handele es sich um eine Basisrente der Kategorie „Comfort“. Die passive Teilnahme am Finanzmarkt sei für Kunden bequem. Wie die Analysten festgestellt haben, gibt es immer öfter die Option, die gemanagte Anlage wieder zu verlassen und aktiv die Fondsauswahl zu bestimmen. Ein Beispiel explizit für diese Möglichkeit sei Axa Relax BasisRente Comfort Plus. Drei Exempel generell für Comfort-Tarife seien KomfortDynamik von Allianz – der einzige Tarif dieser Rubrik mit der Gesamtnote „Exzellent“, WachstumGarant von der Bayern-Versicherung und Safe+Smart von R+V (beide „Sehr gut“). Wie die Allianz auf Anfrage mitteilte, kombiniert das Produkt KomfortDynamik ein chancenorientiertes Sondervermögen – „mit Verwaltungskosten auf ETF-Niveau“ – mit dem Sicherungsvermögen der Allianz Lebensversicherung, dessen Gesamtverzinsung seit 2024 bei 3,8 Prozent liege.

Kapitalmarkt im Fokus

Der Fokus der Kunden liegt aber eindeutig auf fondsgebundene Rentenversicherungen ohne Garantie. Wobei es in dieser Kategorie inzwischen auch Elemente wie eine Wertsicherungsoption gibt. Ein Beispiel hierfür ist laut IVFP der Tarif Performance von der Stuttgarter. In der beliebten Rubrik finden Vermittler elf Tarife mit der IVFG-Note „Exzellent“, 23 Tarife mit der Einstufung „Sehr gut“ und 6 mit „Gut“. Das Top-Rating schaffen zum Beispiel die Tarife Allianz InvestFlex, AXA JustInvest, HDI CleverInvest/CleverInvest Green, LV 1871 MeinPlan und Volkswohlbund Fonds Pur.

Große Bandbreite von Produkten

Beim Trafi InvestFlex wählen Kunden Fonds und ETFs selbst aus und passen die Zusammensetzung „jederzeit flexibel und kostenlos“ an, heißt es bei der Allianz. Das Produkt gebe es auch mit einer flexiblen Garantie, was jungen Kunden gefalle. Zum Start einer langlaufenden Police würden sie ein niedriges Garantieniveau ansetzen und könnten es später nach oben anpassen. LV 1871-Investment-Experte Buchholz weist beim Tarif MeinPlan auf die Möglichkeit einer abweichenden Fondsallokation bei Zuzahlungen hin. Für noch mehr Flexibilität sorge die Option der Vorverlegung des Rentenbeginns, eine flexible Beitragsgestaltung und die Wahl der Rentenbezugsform erst zum Rentenstart sowie eine Innovationsklausel für zukünftige Rentenlösungen. Das sind nur wenige Beispiele aus der schillernde Welt der Basisrenten-Produkte. Gewiss ist auch für angestellte Gutverdiener etwas Passendes dabei.

Long Story short:

  • Unterschätzte Zielgruppe: Die Basisrente gilt als Produkt für Selbstständige – bietet laut LV 1871 und IVFP aber auch für angestellte Gutverdiener erhebliche Steuervorteile.

  • Hohe Flexibilität: Trotz gesetzlichem Rahmen zeigen IVFP-Analysen große Unterschiede bei Tarifen – etwa bei Dynamik, Rentenbeginn und Kapitalanlage.

  • Kapitalmarkt im Fokus: Besonders gefragt sind fondsgebundene Lösungen ohne Garantie, die Renditechancen mit flexiblen Anpassungsoptionen kombinieren.