Standard-Life-Umfrage
Ruhestand in Sicht, Plan fehlt: Beratungschancen bei 50- bis 60-Jährigen

Die aktuelle Debatte rund um die Altersvorsorgereform scheint vor allem bei denjenigen Sorgen auszulösen, denen die Rente kurz bevor steht. Kein Wunder: Während bei jüngeren Generationen klar ist, dass sie künftig ihre Rentenlücke selbst schließen müssen, sind die Älteren noch mit Norbert Blüms Versprechen von der sicheren Rente aufgewachsen.
Viele Menschen über 50 blicken zwar dennoch grundsätzlich zuversichtlich auf ihren Ruhestand, doch gerade die Altersgruppe der 50- bis 60-Jährigen zeigt deutliche Sorgen um die finanzielle Absicherung. Das geht aus der aktuellen Ruhestandsumfrage 2026 hervor, die Yougov im Auftrag von Standard Life Deutschland durchgeführt hat. Befragt wurden im März 844 Personen ab 50 Jahren in Deutschland. Demnach sehen 53 Prozent der über 50-Jährigen ihrem Ruhestand sehr oder eher optimistisch entgegen, 18 Prozent sind pessimistisch. Gleichzeitig hält fast jeder Dritte die eigene finanzielle Absicherung im Alter für gefährdet. Besonders angespannt ist die Lage bei den 50- bis 60-Jährigen: Nur jeder Dritte blickt optimistisch auf den Ruhestand, 40 Prozent sehen ihre finanzielle Versorgung als gefährdet an.
Auffällig ist der geringe Planungsgrad. Laut Standard Life haben 64 Prozent der Befragten keinen Plan über ihre laufenden Einnahmen und Ausgaben im Ruhestand erstellt. Nur zehn Prozent suchen überhaupt Beratung zur Ruhestandsplanung. Dabei rechnet eine Mehrheit mit spürbaren Einschnitten: 58 Prozent erwarten im Ruhestand ein deutlich geringeres Einkommen als im Erwerbsleben. Zugleich gehen 16 Prozent von höheren Ausgaben aus, etwa durch Pflege oder gesundheitliche Belastungen. Für 59 Prozent wäre die eigene Pflegebedürftigkeit oder die eines Familienmitglieds eine finanzielle Herausforderung. Auch die neue Aktivrente kommt bislang nicht richtig an: 55 Prozent der Befragten kennen sie nicht, 57 Prozent halten sie für eher oder sehr uninteressant.
Gerade die Generation kurz vor dem Renteneintritt fühlt sich unsicher, plant aber häufig ohne professionelle Begleitung. „Gerade die 50- bis 60-Jährigen machen sich offensichtlich große Sorgen um die finanzielle Ausgestaltung ihres Ruhestandes“, sagt Christian Nuschele, Head of Distribution Standard Life Deutschland und Österreich. Aus seiner Sicht sei dies ein guter Zeitpunkt, sich intensiv mit der finanziellen Ruhestandsplanung zu beschäftigen und unabhängigen Rat einzuholen. Für Makler dürfte damit vor allem die Zielgruppe der späten Erwerbsphase interessant werden – also Menschen, bei denen noch Spielraum für Anpassungen besteht, aber die Zeit für Fehlentscheidungen knapper wird.
Große Sorgen kurz vor der Rente: Besonders die 50- bis 60-Jährigen blicken skeptisch auf ihre finanzielle Zukunft. 40 Prozent sehen ihre Altersvorsorge laut der Standard-Life-Umfrage als gefährdet.
Viel Beratungsbedarf: Obwohl viele Befragte Einkommenseinbußen im Ruhestand erwarten, haben 64 Prozent keinen Finanzplan für den Ruhestand erstellt und nur zehn Prozent nutzen professionelle Beratung.
Chance für Makler: Gerade Menschen in den letzten Berufsjahren können ihre Versorgungslücke oft noch aktiv beeinflussen. Die Umfrage zeigt, dass hier erhebliches Potenzial für Ruhestandsplanung und Altersvorsorgeberatung besteht.
