GKV-Reform

Hanse-Merkur-Chef fordert Paradigmenwechsel in der Gesundheitspolitik

Vor dem Hintergrund der GKV-Reform fordert Eberhard Sautter, der Vorstandsvorsitzende der Hanse Merkur, einen Paradigmenwechsel in der Gesundheitspolitik. So wie das System derzeit aufgestellt sei, sei es ineffizient, meint er.

Eberhard Sautter, Vorstandsvorsitzender der Hanse Merkur

Fordert eine Umdenken in der Gesundheitspolitik: Eberhard Sautter, der Vorstandsvorsitzender der Hanse Merkur. | Quelle: Hanse Merkur

Die gesetzlichen Krankenversicherungen stehen mit dem Rücken zur Wand. Deswegen hat die Bundesregierung jetzt ein sogenanntes GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz auf den Weg gebracht. Durch Umschichtungen und Leistungskürzungen sollen dadurch 16,3 Milliarden Euro eingespart werden.

Mehr Prävention gefordert

Für Eberhard Sautter, den Vorstandsvorsitzenden der Hanse Merkur, ist das nur ein Herumdoktern an Symptomen. Das Gesundheitssystem hat aus seiner Sicht kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Es gehe deshalb vor allem darum, das System effizienter zu machen. „Und dazu braucht es ein echtes Umdenken“, sagte Sautter am Donnerstag anlässlich der 2025er Bilanz-Vorstellung des Versicherers.

Bilanz 2025: Gute Zahlen und neue Zielgruppe

Die Hanse Merkur verzeichnete 2025 mit 3,55 Milliarden Euro Beitragseinnahmen nach eigener Auskunft eine neue Bestmarke (+20,6 Prozent). Zurückzuführen sei diese Entwicklung insbesondere auf das Neugeschäft, das man gegenüber 2024 noch einmal um fast 25 Prozent hätte steigern können. Der Konzernjahresüberschuss betrug 125,5 Millionen Euro – der drittbeste Wert seit Bestehen des Unternehmens.

„Wir sind 2025 in allen Geschäftsfeldern marktüberdurchschnittlich gewachsen“, so Eberhard Sautter, der Vorstandsvorsitzende. „Darüber hinaus konnten wir unsere Position als Marktführer in der Reiseversicherung in Deutschland ausbauen. Zudem sind wir unserem Ziel, Marktführer in der Tierversicherung zu werden, nochmal deutlich nähergekommen.“ Den Spitzenplatz hält hier bislang noch die Uelzener.

In ihrem Hauptgeschäftsfeld „Gesundheit & Pflege“ will sich die Hanse Merkur zukünftig stärker als bisher auf Beamte fokussieren. Zwei neue, auf diese Zielgruppe ausgerichtete Produktlinien wurden bereits eingeführt, im Sommer soll noch ein Anwärtertarif folgen.

Konkret fordert der Hanse-Merkur-Chef den Fokus stärker auf die Prävention von Krankheiten zu legen und die Eigenverantwortung der Menschen zu stärken, möglicherweise sogar ein Schulfach „Gesundheit“ zu schaffen. „Es muss uns doch zu denken geben, dass wir in Deutschland im europäischen Vergleich am meisten Geld für Gesundheit ausgeben, aber eine unterdurchschnittliche Lebenserwartung haben", meint er.

Notwendig sei daher dringend ein Paradigmenwechsel auf der Ausgabenseite. Dazu gehöre neben dem Ausbau der Präventionsangebote auch die Etablierung von Anreizsystemen, wie es sein Haus schon lange praktiziere. „Vielleicht“, so Sautter, „war die Trimm-dich“-Aktion der 1970er Jahre doch gar nicht so schlecht.“

Kritik an staatlicher Rolle in der Altersvorsorge

Auch die bereits beschlossene Reform der privaten Altersvorsorge treibt den Vorstandsvorsitzenden um. „Es ist zu begrüßen, dass nun endlich Klarheit herrscht und die Menschen sich wieder dem Thema der eigenen Vorsorge widmen“, meint er.

Andererseits sei es bedenklich, dass der Staat künftig selbst als Anbieter fungiere und sowohl Garantien als auch die lebenslange Rentenzahlung entfallen könnten. „Was ,keine Garantie’ bedeutet, verstehen die meisten Menschen erst, wenn es zu spät ist“, so Sautter.

Kritisch sieht er auch den Kostendeckel von einem Prozent. Dieser sei viel zu niedrig, um eine qualitativ hochwertige Beratung der Produkte gewährleisten zu können.

Unterm Strich hält es Sautter aber für gut, dass jetzt in der Gesellschaft endlich wieder über die wichtigen Themen Gesundheit und Altersvorsorge debattiert werde.„Das wird auch unserem Geschäft zugute kommen“, ist er sich sicher.

Long Story short

  • Die Bundesregierung will mit der GKV-Reform 16,3 Milliarden Euro einsparen, doch Hanse-Merkur-Chef Eberhard Sautter sieht darin nur Symptombekämpfung.

  • Sautter fordert einen stärkeren Fokus auf Prävention, Eigenverantwortung und Anreizsysteme, um die Ausgaben im Gesundheitssystem zu senken.

  • Die Hanse Merkur erzielte 2025 mit 3,55 Milliarden Euro Beitragseinnahmen einen neuen Rekord und wuchs nach eigenen Angaben in allen Geschäftsfeldern über Markt.