Bei der Entscheidung, eine Versicherung abzuschließen, spielen Gütesiegel und Ratings für Verbraucherinnen und Verbraucher nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch sind sie entscheidend für etwa jeden zehnten Neuvertrag. Das geht aus einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Heute & Morgen hervor, für die 3.001 Versicherungsentscheider zwischen 18 und 70 Jahren aus deutschen Haushalten befragt wurden.
Konkret gaben 52 Prozent der Befragten an, bei ihrem letzten Neuabschluss oder Anbieterwechsel Gütesiegel oder kundenbewertungsbasierte Auszeichnungen wahrgenommen zu haben. Von diesen Personen wiederum sagten 19 Prozent, dass diese Siegel und Co. ausschlaggebend für den Vertragsabschluss waren. Daraus ergibt sich, dass rund 10 Prozent aller Neuverträge auf Gütesiegel zurückzuführen sind.
Verglichen mit einigen anderen, für den Vertragsabschluss entscheidenden Faktoren wie Preis (72 Prozent), Leistungsumfang (54 Prozent) und Verfügbarkeit persönlicher Beratung (27 Prozent) – Mehrfachnennungen möglich – setzen Gütesiegel zwar nicht oft den entscheidenden Impuls. Jedoch sind sie faktisch kein Bestandteil der gekauften Leistung beziehungsweise des Produkts. Oder anders ausgedrückt: Das Versicherungsprodukt ist ohne Siegel nicht besser, wird mit ihm aber häufiger verkauft. Vor diesem Hintergrund erscheint eine 10-prozentige Abschlusssteigerung durchaus als relevant für die Versicherer.
Nur wenige Siegel bleiben im Kundengedächtnis
Allerdings stellt heute & Morgen auch heraus, dass sich der verkaufsfördernde Aspekt der Siegel auf wenige bekannte, vertrauensstarke Anbieter konzentriert. Nach Bekanntheit, bei bildlich gestützter Abfrage, genannt werden hier Stiftung Warentest (83 Prozent) und Öko-Test (78 Prozent), Check24 (67 Prozent), Trusted Shops (65 Prozent), TÜV Süd (63 Prozent), Trustpilot (61 Prozent) und TÜV Rheinland (52 Prozent).
Abgefragt wurden insgesamt 49 Siegel, darunter auch von Ratingagenturen wie Franke und Bornberg, IVFP sowie Morgen & Morgen. Allerdings hätten viele Gütesiegel, darunter auch branchenintern bekannte Anbieter, in der Kundenbreite lediglich minimale Bekanntheitswerde erzielt, so die Studienautoren.
Wie procontra vor einiger Zeit ausführlich berichtete, achten Versicherer in Zeiten allgemein stark gestiegener Kosten auch mehr auf Ausgaben für Siegel und Ratings. Insgesamt werden diese aber weiterhin als vertriebsfördernder Faktor betrachtet.
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Eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Heute & Morgen unter 3.001 Versicherungsentscheidern in Deutschland zeigt: Gütesiegel spielen beim Abschluss von Versicherungen eine geringe Rolle, beeinflussen aber etwa 10 % der Neuverträge. Wichtiger sind Preis (72 %), Leistungsumfang (54 %) und persönliche Beratung (27 %). Bekannt sind vor allem Siegel von Stiftung Warentest, Öko-Test und Check24.


