Der deutsche Versicherungs- und Risikomanagementmarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Dies zeigt die im Februar veröffentlichte Aon Marktprognose 2026, die zentrale wirtschaftliche, technologische und geopolitische Entwicklungen analysiert und ihre Auswirkungen auf Unternehmen und die Versicherungswirtschaft einordnet. Versicherer stehen vor wachsendem Wettbewerb und sinkendem Preisdruck, insbesondere in der Sach- und Haftpflichtversicherung. Gleichzeitig steigen die Risiken deutlich – etwa durch Insolvenzen, geopolitische Spannungen und neue Klagewellen.
Sachversicherung
Laut Aon hat sich die Ertragssituation des industriellen Sachversicherungsmarktes im vergangenen Jahr verbessert und weist eine Schadenkostenquote von 86 Prozent auf und damit den besten Wert seit 2009. Obwohl die Versicherer auf eine unterdurchschnittliche Schadenbelastung aus Naturgefahren verweisen und diesem Wert daher einen zufälligen Charakter zuweisen, ist davon auszugehen, dass die Wettbewerbsintensität im Jahr 2026 zunimmt. Sinkende Rückversicherungskosten der Versicherer liefern zusätzlichen Rückenwind für diese Entwicklung.
Laut Thomas Markert, Head of Strategy and Product Development Property Germany bei Aon, wird sich die Entwicklung des letzten Jahres im globalen Kundensegment fortsetzen und die Preisdisziplin der Versicherer wird auf die Probe gestellt werden. Die Wachstumsambitionen der Versicherer lassen sich nur über das Neugeschäft realisieren, und es ist daher durchaus möglich, dass auch der Middle-Market stärker in den Fokus der Versicherer rückt.
Sinkende Prämien in der Haftpflichtversicherung?
Wie Thomas Gahr, Head of Line Liability von Aon, ausführt, seien die Haftpflichtversicherer mit hohen Versicherungssummen und Unternehmen mit komplexen Risiken – insbesondere mit relevanten US-Risiken – bei Preisgestaltung und Kapazität zwar vorsichtig, bei Verhandlungen aber flexibler als in den Vorjahren. Vor allem bei aus Versicherersicht positiv zu bewertenden Risiken seien Prämienreduzierungen möglich. Angesichts der kommunizierten Ergebnisse der Versicherer wird erwartet, dass dieser Trend auch im Jahre 2026 zunächst noch anhält. Es bleibt abzuwarten, ob es nach dem Trend zur Konsolidierung zu weiteren Veränderungen bei Versicherern kommt.
Financial Lines und D&O
Hohe Kapazitäten und intensiver Wettbewerb der Versicherer sorgen laut Karen Wie, Senior Director Financial Services Group bei Aon, anhaltend für sehr käuferfreundliche Bedingungen für Unternehmen mit einem guten Risikoprofil. Gleichzeitig ist aufgrund der schwachen Wirtschaftskonjunktur die Zahl der Unternehmensinsolvenzen deutlich gestiegen und damit auch das Insolvenzrisiko als Haftungstreiber für Unternehmensleiter.
Auch die aktuelle GDV-D&O-Schadenstatistik zeigt erneut eine steigende Anzahl von Schadenfällen bei weiterhin hohen Durchschnittskosten und langer Abwicklungsdauer. Parallel dazu verschärft die instabile geopolitische Lage, insbesondere vor dem Hintergrund internationaler politischer und regulatorischer Entwicklungen, die Haftungsexponierung deutscher Unternehmen über Kapitalmarkt-, Sanktions- und Lieferkettenrisiken. Hinzu kommen neue Klagetrends aus den USA im Zusammenhang mit KI‑gestützten Geschäftsentscheidungen, fehlerhaften Offenlegungen und Governance‑Defiziten.
long story short
Die Aon-Marktprognose 2026 zeigt: Versicherer stehen vor wachsendem Wettbewerb und sinkendem Preisdruck, insbesondere in der Sach- und Haftpflichtversicherung. Gleichzeitig steigen die Risiken deutlich – etwa durch Insolvenzen, geopolitische Spannungen und neue Klagewellen. Während Unternehmen aktuell von käuferfreundlichen Bedingungen profitieren, wird die zunehmende Haftungsexponierung zum zentralen Unsicherheitsfaktor.

