Anwaltsgebühren

Rechtsschutzversicherer rufen Gesetzgeber zu weniger Erhöhungen auf

Die Versicherungswirtschaft plädiert laut GDV für eine geringere Anhebung der Anwalts- und Gerichtsgebühren als bisher vom Gesetzgeber geplant - besonders bei niedrigen Streitwerten. Zum Teil wäre eine Absenkung angemessen.

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10:07 Uhr | 10. Juli | 2024
Dr. Marco Buschmann, Bundesminister der Justiz, spricht beim G7 Gipfel.

Dr. Marco Buschmann, Bundesminister der Justiz

| Quelle: photothek / Florian Gaertner

„Insbesondere in den unteren Streitwertstufen sollten die Gebühren geringer ansteigen als vom Bundesjustizministerium angedacht“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher könnte es laut GDV sonst aus Kostengründen schwieriger werden, ihr Recht durchzusetzen. Der Referentenentwurf zum Kostenrechtsänderungsgesetz 2025 sieht vor, die Gebühren, um bis zu neun Prozent anzuheben. 

In ihrer Stellungnahme warnen die Versicherer, dass Anwalts- und Gerichtskosten schon jetzt für viele Menschen eine finanzielle Hürde bei der Durchsetzung ihres Rechtes seien. „Werden die Gebühren erneut angehoben, könnten sie möglicherweise sogar zum Rechtshindernis werden“, warnt Asmussen. Betroffen seien vor allem Rechtssuchende ohne Rechtsschutzversicherung. Die Rechtsschutzversicherer rechnen durch die Gebührenanhebung mit einer Kostensteigerung von insgesamt sieben Prozent. 

Deutlich weniger Erhöhung bei geringen Streitwerten

Die Versicherer schlagen vor, den Anstieg der streitwertgebundenen Gebühren im unteren Bereich – also bis zu einem Streitwert von 5.000 Euro - deutlich geringer ausfallen zu lassen als die geplanten sechs Prozent. Die Rechtskosten stünden sonst in keinem realistischen Verhältnis zum Streitwert. 

 In Einzelfällen wäre Absenkung angebracht

In Einzelbereichen setzen sich die Versicherer sogar für eine Absenkung der Gebühren ein. Denn aus GDV-Sicht sollten Effizienzgewinne und Kostenvorteile, die aus digitalisierten Abläufen und Arbeitsweisen gezogen werden, an die Rechtssuchenden weitergereicht werden. Das gelte vor allem für Fälle der industriellen anwaltlichen Mandatsbearbeitung in sogenannten Massenverfahren, wie zum Beispiel im sogenannten Dieselskandal. 

Insgesamt bearbeiten die Rechtsschutzversicherer jährlich rund 4,7 Millionen Fälle und wenden für diese gut 3,6 Milliarden Euro auf. Rund 80 Prozent davon entfallen auf Anwaltshonorare.

Versicherer sehen keine Grundlage für hohe Gebührensteigerung

Der GDV gibt zudem zu bedenken, dass die Umsätze der Anwaltschaft trotz allgemeiner Preissteigerungen durch die inflationsbedingt gestiegenen Streitwerte in den letzten Jahren bereits spürbar angestiegen seien. Darüber hinaus seien die Anwaltsgebühren bereits 2021 um mehr als zehn Prozent erhöht worden. 

„Seit Januar 2021 müssen Verbraucherinnen und Verbraucher bereits einen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus saisonbereinigt von über 16 Prozent hinnehmen“, sagt Asmussen. Eine Anhebung der Anwalts- und Gerichtsgebühren von bis zu neun Prozent ist daher aus GDV-Sicht dem Zugang zum Recht abträglich.

Wie sich die Kosten für Rechtsstreitigkeiten entwickelt haben, zeigen die vom GDV für typische Fallkonstellationen berechneten Preisentwicklungen. Je nach Rechtsstreit sind die Kosten um 40 Prozent gestiegen.