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Was taugt die Burnout-Versicherung von Simtal?

Mit einem Burnout lässt die psychische und körperliche Belastbarkeit nach. Im Zweifel ist der Job nicht mehr zu schaffen, die finanziellen Auswirkungen können enorm sein. Kann die Burnout-Versicherung von Simtal Abhilfe schaffen?

09:12 Uhr | 05. Dezember | 2023
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Der Versicherungsvertreter Simtal bietet eine Burnout-Police (der Squarelife Insurance AG) an. Was es mit dem Schutz auf sich hat, erklärt Versicherungsmakler Oliver Mest.

| Quelle: procontra

Wer unter einem Burnout leidet, steht vor großen Herausforderungen. Hilft eine Burnout-Versicherung in dieser schweren Zeit? Wir haben uns die Burnout-Versicherung von Simtal einmal genauer angeschaut. Hinter Simtal steckt die Simtal GmbH, ein Mehrfachagent aus Lindau. Risikoträger des Schutzes ist die Squarelife Insurance AG mit Sitz in Liechtenstein.

Was leistet der Tarif?

Die Burnout Versicherung übernimmt die Kosten einer Psychotherapie mit bis zu 24 Therapiestunden bei einem privaten Psychotherapeuten mit Zulassung als Heilpraktiker oder Arzt in Deutschland. Der Therapeut ist frei wählbar, die Therapie kann per Videokonferenz durchgeführt werden und muss einer der im Bedingungswerk gesetzlich anerkannten Therapieformen entsprechen. Die Erstattung der Kosten erfolgt in der Burnout-Versicherung  maximal bis zu dem Gebührensatz der jeweils gültigen „Gebührenordnung für Psychotherapeut*innen” (GOP) bis zum 2,3-fachen Steigerungssatz, und zwar für höchstens 24 Stunden im Jahr nach der Diagnosestellung. Nach einer erfolgten Therapie wird für 12 Monate keine weitere Therapie vom Versicherer mehr übernommen. Danach ist eine weitere Therapie mit bis zu 24 Therapiestunden möglich.

Der Versicherte hat die Möglichkeit, auf Antrag eine telefonische Beratung zum Thema Stress, Überlastung oder Erschöpfung bei einem unabhängigen und qualifizierten Dienstleister des Versicherers in Anspruch nehmen. Maximal können bis zu fünf ausführliche Beratungsstunden pro Versicherungsjahr vereinbart werden. Weiterhin kann der Anbieter dem Versicherten digitale Selbstlerninhalte zum Thema Stressbewältigung zur Verfügung stellen oder vermitteln.

Die Wartezeit beträgt drei Monate, die Kosten für den Burnout-Schutz starten bei 11,90 Euro im Monat.

Was sind die Vorteile?

Wer mit einem Burnout zu kämpfen hat, kann außerhalb der möglichen Kassenleistungen Therapiestunden in Anspruch nehmen. Simtal wirbt explizit damit, dass der Versicherte bis zu 24 Therapiesitzungen als Privatpatient in Anspruch nehmen kann. Das wirft allerdings gleich an mehreren Stellen Fragen auf.

Was ist bei dem Produkt kritisch zu sehen?

Die Kostenerstattung erfolgt laut Bedingungen maximal bis zu dem Gebührensatz der jeweils gültigen GOP, und zwar bis zum 2,3-fachen Steigerungssatz. Das schränkt natürlich den Privatversicherten-Status erheblich ein, wenn die Therapeuten zu einem höheren Satz abrechnen.

Dazu kommt natürlich die Frage, was eigentlich passiert, wenn das Budget von 24 Therapiestunden aufgebraucht ist. Denn im Anschluss an eine erfolgte Therapie ist für zwölf Monate erst einmal keine weitere Kostenübernahme für eine Therapie im Bedingungswerk von Simtal vorgesehen. Zwar gibt es die Möglichkeit, eine weitere telefonische Beratung in Anspruch zu nehmen. Allerdings kann Simtal explizit nicht garantieren, dass während der gesamten Dauer des Vertrags solche Dienstleistungen verfügbar sind.

Unklar ist zudem die Regelung zur Wartezeit. Die ist zwar auf drei Monate vertraglich festgelegt, allerdings werden die Kosten bedingungsgemäß nur übernommen, wenn der Burnout mindestens sechs Monate nach Vertragsbeginn diagnostiziert wird. Simtal schließt zudem alle anderen Arten von psychischen Diagnosen vom Versicherungsschutz aus. Dazu gehören etwa Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen, bipolare Störungen, Schizophrenie oder Psychosen.

Die Gesundheitsfragen der Burnout-Versicherung sind ausgesprochen umfangreich – insgesamt müssen neun Fragen beantwortet werden, fast die Hälfte davon sind K.O.-Fragen, die zur Ablehnung des Online-Antrages führen.

Wer ist die Zielgruppe? 

Der Versicherungsschutz richtet sich vorwiegend an Verbraucher, die einen schnellen Zugang zu einer Therapie außerhalb der gesetzlichen Versorgung haben möchten.

Tipps für den Vermittler und die Vermittlung

Wer als Vermittler mit dem Simtal-Produkt in Berührung kommt, der wird die oben erwähnten Schwächen schnell herausarbeiten. Als Ausschnittsdeckung ist der Schutzbereich so eng gefasst, dass Vermittler ihren Pflichten zu einer umfassenden Beratung kaum nachkommen, wenn sie Kunden nur auf die Burnout Versicherung fokussieren. Lediglich im Rahmen einer ganzheitlichen Beratung zu den Themen Gesundheitsvorsorge und Arbeitskraftabsicherung kann das Produkt eine Nebenrolle spielen.

Das Fazit

Die Burnout Versicherung wirft mehr Fragen auf, als sie tatsächlich beantwortet. Was nützt es mir, wenn ich wegen eines Burnouts meinen Job nicht mehr ausüben kann und dann 24 Therapie-Sitzungen bezahlt bekomme? Und dann auch noch auf den 2,3-fachen Erstattungssatz begrenzt bin? Und eben nach den 24 Sitzungen erst einmal keine weitere individuelle Therapie außerhalb der GKV bezahlt bekomme? Und was mache ich, wenn ich nach der Lohnfortzahlung nicht mehr arbeiten kann? Reicht das versicherte Krankengeld? Und wenn ich berufsunfähig werde? Wovon soll ich dann leben?

Bei allen Sorgen rund um eine langwierige Erkrankung wie ein Burnout löst die Versicherung davon bestenfalls eine Randthematik. Das gilt umso mehr, wenn man den Preis von 12 Euro und mehr vor Augen hat: Für diesen Jahresbeitrag sind 24 Therapie-Stunden versichert, die im besten Fall für den Kunden einen Gegenwert von 2.000 bis 3.000 Euro darstellen. Der Beitrag von 11,90 Euro steht schon in einem auffälligen Verhältnis zum geringen Schutzumfang der Police.