Kolumne

Rechtsschutz: „Die Sparte, die niemand sexy findet – bis man sie braucht"

Rechtsschutz? Für viele Makler eher ein Randthema – zu komplex, zu juristisch, zu wenig greifbar. Warum Rechtsschutz längst keine Nische mehr ist – und welche Chancen Makler verschenken, erläutert Doreen Gossert von der Finas Versicherungsmakler GmbH in ihrer aktuellen Kolumne.

Doreen Gossert

Doreen Gossert, Rechtsschutz-Spezialistin und Prokuristin bei Finas Versicherungsmakler GmbH mit Fokus auf Deckungskonzepte. Zudem wurde sie im vergangenen Jahr zur profino Maklerbetreuerin des Jahres 2025 im Bereich SHUK gewählt. | Quelle: procontra

Thomas, 48, Geschäftsführer eines Maklerbüros irgendwo zwischen Bielefeld und dem nächsten Stau auf der A2, ist engagierter Makler. Er kennt Haftpflicht-Lösungen und überzeugt seine Kunden von einer frühen BU-Lösung bei Einkommensverlust.

Aber Rechtsschutz? „Ist ein komplexer Juristenkram", sagt Thomas. „Da kenne ich mich weniger aus und es ist angeblich zu vieles nicht versichert." Das Brett hängt also schon vor Thomas' Kopf. Er ist damit nicht allein.

Das Risiko wächst

Während Thomas die KFZ-Prämienerhöhung erklärt und was die Indexanpassung in der Gebäudeversicherung für Folgen hat, passiert im Hintergrund etwas Bemerkenswertes: Rechtsschutzversicherer erbrachten zuletzt in 4,8 Millionen Fällen über 3,8 Milliarden Euro an Leistungen. Längst keine Randsparte mehr. Aber die Abdeckung noch lange nicht da, wo sie sein könnte. Gerade KMU verzichten oft auf Firmenrechtsschutz, obwohl ein einziger Rechtsstreit existenzbedrohend sein kann.

Die Bedarfe steigen schneller als die Durchdringung. Unternehmensinsolvenzen nehmen zu. Das trifft Arbeitnehmer direkt: Kündigungen, Arbeitsplatzveränderung, Aufhebungsverträge. Nicht alles landet vor dem Arbeitsgericht – aber vieles, denn hier trägt jeder seine Kosten, egal wer gewinnt. Allein 2024 wurden fast 300.000 Urteilsverfahren an deutschen Arbeitsgerichten abgearbeitet, sprich knapp 1.200 Verfahren pro Arbeitstag.

Und Recht bekommen wird teurer

Die Inflation treibt Streitwerte nach oben, die Gebühren folgen automatisch. Das spüren die Versicherer bereits und reagieren mit Prämienanpassungen. Wer sich keinen Anwalt leisten kann, verzichtet auf sein Recht oder greift auf Ersparnisse zurück, die eigentlich für die Rente gedacht waren.

Das ist auch ein ESG-Thema: Zugang zum Recht ist gesellschaftliche Teilhabe. Wer das ignoriert, überlässt dieses Argument dem nächsten Direktversicherer.

Das eigentliche Problem: Der Makler schweigt

Zurück zu Thomas. Er spricht das Thema nicht aktiv an, weil er befürchtet, in juristische Fachfragen gedrängt zu werden. Was er dabei vergisst: Der Makler muss keine Rechtsfragen beantworten. Das ist Aufgabe des Versicherers und des Anwalts. Die Beratung beginnt und endet mit einer einfachen Risikoermittlung.

Jeder Mensch hat dieselben Lebensrisiken: Privatbereich, Wohnen, Strafrechtsrisiko. Die meisten zusätzlich Beruf oder Verkehr. Wer selbstständig ist, vermietet oder ein Unternehmen führt, braucht zusätzlichen Schutz. Mehr bedarf es für den Einstieg nicht.

Was Thomas übersieht: Ein Makler, der Beratungspflichten vernachlässigt und ein Risiko nicht versichert, setzt sich einer echten Haftung aus. Meldet sich ein Kunde mit einem drohenden Rechtsstreit und hatte der Makler Rechtsschutz nie angesprochen, wird es unangenehm, denn die übliche Wartezeit schließt Streitigkeiten aus, die bereits vor Vertragsschluss begonnen haben.

Die Lösung: Die Sparte, die Kunden brauchen

Rechtsschutz hat einen großen strukturellen Vorteil: Kunden, die einmal den echten Wert ihrer Police erlebt haben, kündigen selten. Die Stornoquote ist strukturell niedrig. Ein sehr guter Tarif mit 150 € Selbstbehalt beginnt für Familien bei etwa 350 €. Umgerechnet sind das drei Eisbecher im Monat und für den Makler eine stabile Courtage über viele Jahre.

Die Versicherer tun ihrerseits einiges: Serviceleistungen wie Chat-Beratung und Kooperationen mit Rechtsdienstleistern nehmen zu. Kunden begrüßen das - nein, sie fordern es. Präventive Angebote können Kosten ersparen oder den Streit gar nicht erst entstehen lassen. Verhütung durch Rechtsschutz sozusagen. Es macht die Sparte erlebbar.

Gleichzeitig nutzen immer mehr Kunden KI-Tools für einfache Rechtsfragen. Das ist keine Bedrohung. Das ist eine Erinnerung. Wer nur dann auftaucht, wenn der Schaden schon da ist, verliert die Kundenbindung. Wer proaktiv berät, positioniert sich als wertvoller Partner.

Fazit

Rechtsschutz ist Existenzschutz. Für Kunden. Und ein bisschen auch für Makler selbst. Und eben auch für Sie, liebe Leserin, lieber Leser.

Autorin:

Doreen Gossert, Rechtsschutz-Spezialistin und Prokuristin bei FINAS Versicherungsmakler GmbH mit Fokus auf Deckungskonzepte.