Der österreichische Verein zum Schutz von Verbraucherinteressen (Verbraucherschutzverein, oder kurz: VSV) ruft Kundinnen und Kunden der früheren Capital Leben Versicherung AG dazu auf, sich an ihrer Sammelaktion zu beteiligen. Dabei handelt es sich um ein österreichisches Instrument zur kollektiven Rechtsdurchsetzung, das unter anderem von Verbraucherschutzorganisationen angestoßen werden kann.
Als Grund des Aufrufs nennt der VSV angeblich intransparente Kostenstrukturen bei fondsgebundenen Lebensversicherungen. Diese hätten dazu geführt, dass Verbraucher aufgrund hoher Abschluss- und Verwaltungskosten am Ende der Vertragslaufzeit kaum Gewinne erzielt oder sogar Verluste eingefahren hätten.
Im Rahmen der Sammelaktion könnten die Betroffenen nun unter anderem Rücktritt vom Vertrag, Rückerstattung nicht offengelegter Gesamtkosten sowie Schadenersatz fordern, betont der VSV. Zudem könnten Versicherungsnehmer unabhängig von Wohnsitz oder Staatsbürgerschaft an der Sammelaktion teilnehmen, also demnach auch Kunden aus Deutschland. Auch bereits gekündigte Verträge seien für die Aktion qualifiziert.
Konkret beziehe sich die Sammelaktion des VSV auf die LV-Produkte „Liechtenstein FundLifeCapital“ der früheren Capital Leben. Diesen Versicherer mit Sitz in Liechtenstein hatte die Swiss Life im Jahr 2007 übernommen und mit ihrer Swiss Life (Liechtenstein) AG fusioniert. Die Capital Leben betreue ein Kundenvermögen von rund 5,8 Milliarden Schweizer Franken (heute rund 6,2 Milliarden Euro) und erwarte für 2007 ein Prämienvolumen von rund zwei Milliarden Schweizer Franken (heute rund 2,15 Milliarden Euro), hieß es damals in einer Pressemitteilung der Swiss Life.
Auch deutsche Kunden betroffen?
Auf procontra-Nachfrage wollte man seitens der Swiss Life an diesem Mittwoch nicht näher auf die Sammelaktion und die Vorwürfe des VSV eingehen. „Gemäß unserer Kenntnis betrifft die Sammelaktion ausschließlich ein Produkt der ehemaligen CapitalLeben Versicherung AG, das seit fast 20 Jahren nicht mehr vertrieben wird“, erklärte eine Swiss-Life-Sprecherin. Aus rechtlichen Gründen, wie sie mitteilt, könne man deshalb keine Angaben zu allfälligen bestehenden oder beendeten Versicherungsverträgen machen.
Wie viele Kunden aus Deutschland womöglich eine der erwähnten Policen halten oder hatten, ist noch unklar. Auch der VSV hatte auf unsere Nachfrage dazu bis zu unserem Redaktionsschluss am Mittwoch nicht geantwortet.


