Nach Beitragserhöhung bei der DFV

Wird die Zahnzusatzversicherung jetzt überall teurer?

Manche privaten Krankenversicherer haben zum Jahreswechsel ihre Zahnzusatzbeiträge erhöht, speziell die für Kinder. Braut sich da eine Teuerungswelle zusammen? procontra fragte nach

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17:02 Uhr | 12. Februar | 2024
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Ein gewinnendes Lächeln scheint vielen Deutschen besonders wichtig zu sein. Auch der Begriff "Zahnzusatzversicherung" wird - wie Haftpflichtversicherung und Reiserücktrittsversicherung - 74.000 mal im Monat gesucht.

Die Deutsche Familienversicherung (DFV) hat die Beiträge für ihre Zahnzusatzversicherungen erhöht. Dabei handelt es sich um eine außerordentliche Erhöhung, also nicht durch einen Alterssprung der Versicherten begründet. In den vergangenen Wochen haben die Kunden des Frankfurter Anbieters entsprechende Post erhalten. Diese procontra-Informationen hat der Versicherer auf Nachfrage bestätigt. Das Unternehmen betonte zudem, dass es sich um die erste außerordentliche Beitragserhöhung handle, seit dem Eintritt der DFV in die private Zahnzusatzversicherung vor 15 Jahren. „Die Beiträge wurden insgesamt um durchschnittlich 6,9 Prozent beziehungsweise um 2,05 Euro im Beitrag angepasst. In einzelnen Fällen kam es zu etwas höheren Anpassungen“, erklärte ein Sprecher.

Entsprechende procontra-Informationen, wonach die Beitragsanpassung (BAP) in einem der Zahnzusatztarife für Kinder deutlich höher ausfiel als im genannten Durchschnitt, bestätigte der Sprecher, wollte den genauen Prozentwert aber nicht kommunizieren. Er sagte aber, dass es sich bei Kindern zwischen 10 und 19 Jahren generell um die kostenintensivste Versichertengruppe im Rahmen der Zahnzusatzversicherung handelt. Insbesondere die ohnehin hohen und zuletzt gestiegenen Kosten in der Kieferorthopädie seien hier der größte BAP-Treiber – neben den generell seit Jahren steigenden zahnärztlichen Behandlungskosten.

Das kann, von der Nachfrageseite her betrachtet, auch der auf private Zahnzusatzversicherungen spezialisierte Makler Daniel Seeger bestätigen: „Kieferorthopädische Leistungen sind prinzipiell der einzige Grund, warum Eltern eine Zahnzusatzversicherung für Kinder abschließen. In vielleicht zwei Prozent aller Anfragen bei uns interessieren sich die Eltern noch für die anderen Leistungsinhalte.“

PKV-Anbieter rechnen nicht mit BAP-Welle, aber…

Aber heißt das vor dem Hintergrund allgemein stark gestiegener Kosten für Material und Personal, dass nun mit einer Preissteigerungswelle bei vielen Zahnzusatzversicherern zu rechnen ist? In diesem Fall käme auf die Vermittler einiges an Erklärungsarbeit zu. Immerhin verfügen mittlerweile mehr als 18 Millionen gesetzlich Versicherte über eine solche Police. Darunter befinden sich auch rund 1,5 Millionen Kinder.  

Mehrere außergewöhnlich hohe Beitragsanpassungen zum jüngsten Jahreswechsel kann Seeger allerdings nicht bestätigen. Seine Beobachtung untermauert eine procontra-Nachfrage bei 10 großen privaten Krankenversicherern. Weder habe man außerordentliche Beitragsanpassungen im eigenen Zahnzusatzbestand durchgeführt, noch rechne man in den nächsten Jahren mit starken Beitragsanstiegen in Zahnzusatz im Allgemeinen und für Kinder im Speziellen, so der Tenor. Zwar würden kieferorthopädische Leistungen im Kindersegment bei allen Anbietern einen erheblichen Teil der Kosten verursachen. Diese würden aber nicht zu einer allgemeinen BAP-Welle führen, zeigten sich die Versicherer überzeugt.

Beim Thema BAP etwas mehr ins Detail geht die Ergo Group. Zwar habe es in der jüngsten BAP-Runde keine Erhöhungen bei der DKV gegeben, aber dafür bei der Ergo Krankenversicherung AG. So sei die Zahnzusatzversicherung nach Tarif ZBE von monatlich 5,80 Euro auf 6,80 Euro angepasst worden. Mit speziellem Blick auf die Kindertarife sei hier von monatlich 1,40 Euro auf 1,90 Euro angepasst worden. Zudem sagte eine Sprecherin: „Sowohl bei der Zahnprophylaxe als auch den kieferorthopädischen Leistungen für Kinder, erkennen wir eine deutliche Zunahme der Leistungsinanspruchnahme.“ Die Hansemerkur gab an, dass zum Jahreswechsel bei einem Zahnzusatztarif nach elf Jahren Stabilität eine Anpassung der Kopfschäden erforderlich wurde. Dies habe zu moderaten Beitragserhöhungen bei Erwachsenen, gleichzeitig aber auch zu Beitragssenkungen bei Kindern und Jugendlichen geführt.

Nachfrage und Kostentreiber gehen Hand in Hand

Auch Makler Stefan Bierl beobachtet derzeit keine flächendeckenden Beitragsanpassungen in der Zahnzusatzversicherung. „Aufgrund allgemeiner Kostensteigerungen und Inflation rechnen wir jedoch damit, dass es zu Beitragsanpassungen jenseits der üblichen Staffeln kommen wird“, sagt er. Hier handle es sich aber nicht um ein Zahnzusatz-Phänomen, sondern vielmehr seien alle Versicherungssparten mit steigenden Kosten konfrontiert.

Die befragten Krankenversicherer indes rechnen alle mit einer anhaltend guten Nachfrage nach Zahnzusatztarifen. Diese könnte auch dadurch befeuert werden, dass die EU sich nun auf ein Verbot der kostengünstigen Amalgam-Füllungen ab 2025 geeinigt hat. Eine Alternative für das GKV-Budget ist anscheinend noch nicht gefunden, weshalb die Zusatzkosten beim Zahnarzt für gesetzlich Versicherte steigen dürften. In der Folge dürften aber auch die eingereichten Leistungen wachsen. Ob dies dann mittelfristig auch weitere BAP in der privaten Zahnzusatz bedeutet, bleibt abzuwarten.