Kostenexplosion

Reformdruck wächst: Eigenbeteiligung bei Pflege im Heim immer teurer

Der Anteil, den Pflegebedürftige im Pflegeheim aus eigener Tasche bezahlen müssen, ist erneut gestiegen. Das zeigt eine Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen. Der Ruf nach Reformen wird immer lauter.

Frau mit Rollator im Pflegeheim

Die Pflegeheimkosten sind erneut gestiegen. | Quelle: SolStock

Es geht weiter nach oben: Mit durchschnittlich 3.245 Euro im ersten Aufenthaltsjahr hat sich die monatliche Eigenbeteiligung für Pflegebedürftige im Pflegeheim auch Anfang 2026 weiter erhöht. Die Steigerung gegenüber Anfang 2025 entspricht neun Prozent oder 261 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Daten-Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek).

Große regionale Unterschiede

Regional gibt es bei den Pflegekosten große Unterschiede. Am teuersten ist die Pflege im ersten Jahr im Heim in Bremen mit durchschnittlich 3.637 Euro im Monat und im Saarland mit 3.601 Euro. Am niedrigsten ist die monatliche Belastung in Sachsen-Anhalt mit 2.720 Euro sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen mit je 2.903 Euro.

So setzt sich die Eigenbeteiligung zusammen

Die von den Pflegebedürftigen zu tragenden Eigenanteile setzen sich aus drei Komponenten zusammen: Den größten Teil macht der sogenannte einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) für die pflegerischen Kosten (inklusive Ausbildungskosten) aus (aktuell 1.685 Euro im ersten Aufenthaltsjahr). Hinzukommen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung (aktuell 1.046 Euro) und die Investitionskosten, die für alle Pflegeheimbewohner in einer Einrichtung - unabhängig von der Aufenthaltsdauer - gleich hoch sind.

Wichtig zu wissen: Seit 2022 beteiligt sich die Pflegekasse mit einem nach Aufenthaltsdauer ansteigenden Zuschuss am EEE. Damit sinkt die Eigenbeteiligung mit zunehmender Aufenthaltsdauer und entlastet somit besonders Personen, die lange in Pflegeheimen leben.

Politischer Druck auf die Bundesregierung wächst

Der Anstieg der Kosten verschärft den Druck auf die schwarz-rote Koalition und lässt den Ruf nach einer Pflege-Reform immer lauter werden. So fordern die Ersatzkassen etwa die Übernahme der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige sowie pandemiebedingter Ausgaben durch Steuermittel, die Übernahme der Investitions- und Ausbildungskosten durch die Bundesländer sowie eine Beteiligung der privaten Pflegeversicherung am Finanzausgleich der sozialen Pflegeversicherung (SPV).

Kritik vom PKV-Verband

Auch Florian Reuther, Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband), sorgt sich um die Zukunft des Systems. „Seit Jahren kommen die Länder ihrer Verantwortung bei der Investitionskostenförderung für Pflegeeinrichtungen nur unzureichend nach. Das treibt die Eigenanteile der Pflegebedürftigen nach oben“, kritisiert er. Wer Pflege bezahlbar halten wolle, müsse daher die Investitionskostenförderung der Länder deutlich erhöhen. Zugleich dürfe die Debatte nicht am Pflegeheim enden, sondern müsse auch die ambulante Pflege konsequent stärken.

Long Story short

  • 3.245 Euro pro Monat zahlen Pflegebedürftige aktuell im Schnitt im ersten Pflegeheimjahr selbst – ein Plus von neu Prozent gegenüber 2025.

  • Starke regionale Unterschiede: Am teuersten sind Bremen (3.637 Euro) und Saarland (3.601 Euro), am günstigsten Sachsen-Anhalt (2.720 Euro).

  • Reformdruck wächst: Kassen und Verbände fordern u. a. staatliche Finanzierung von Investitions-, Ausbildungs- und pandemiebedingten Kosten sowie strukturelle Reformen der Pflegefinanzierung.