PKV: Was Beratern die Bilanzstärke sagen sollte

Der Marktbeobachter Map-Report hat die PKV-Bilanzen seit 2015 unter die Lupe genommen. Warum die Alte Oldenburger dabei das beste Ergebnis schaffte, obwohl sie bei keiner einzigen Kennzahl an der Spitze lag und was Beratern die Analyse bringt.

Bilanzkennzahlen sind neben Leistung und Preis ein wichtiges Qualitätsmerkmal, sagen die Analysten des Map-Reports.

Bilanzkennzahlen sind neben Leistung und Preis ein wichtiges Qualitätsmerkmal, sagen die Analysten des Map-Reports. Bild: Adobe Stock

Die Alte Oldenburger hat unter den privaten Krankenversicherern (PKV) in den letzten fünf Jahren die besten Bilanzkennzahlen geschafft. Die Spitzenposition wurde bei den einzelnen Kennzahlen zwar kein einziges Mal erreicht. „Dennoch ist das Unternehmen ein Paradebeispiel dafür, nicht bei den einzelnen Kennzahlen auf die Bestplatzierung zu blicken, sondern das Gesamtergebnis in den Fokus zu rücken“, erklärt Reinhard Klages, Chefredakteur des Map-Reports das Ergebnis des neuesten „Bilanzratings PKV 2019“ (Map-Report 916).

In der Summe hat der Versicherer 87,3 Prozent der Gesamtpunktzahl und damit den ersten Platz in der Bilanzwertung unter 28 Teilnehmern erreicht. Hervorragende Bewertung („mmm“) gibt es bei Map-Report ab 75 Prozent. Diesen Wert übertrafen auch sechs weitere Anbieter: LVM, R+V, Signal Iduna, Provinzial, Hallesche und Universa. Sehr gute Leistungen bescheinigte das Rating weiteren 9 Anbietern und gute Leistungen nochmals 6 Gesellschaften.

Wie Erfolg, Sicherheit und Effizienz bewertet wurden

Map-Report hat dazu insgesamt zehn Kennzahlen als Gerüst für die Bewertung im Bilanz-Rating herangezogen: Nettorendite, Bewertungsreservequote, RfB-Zuführungsquote, RfB-Quote, versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote, Überschussverwendungsquote, Vorsorgequote, Verwaltungskostenquote, Abschlusskostenquote und Solvabilität. Das ist betriebswirtschaftlich harter Tobak, aber notwendig, um einen breit gefächerten Überblick über die Geschäftsentwicklung der Versicherer im Sinne von Erfolg, Sicherheit und Effizienz zu bekommen. Die Ergebnisse der Bilanzkennzahlen wurden gewichtet und zu einem Ergebnis verdichtet.

Unternehmenskennzahlen sind neben Leistung und Preis ein wichtiges Qualitätsmerkmal, denn sie zeigen, ob der Versicherer in den letzten Jahren verantwortungsbewusst und zukunftsorientiert gewirtschaftet hat, heißt es bei den Analysten. „Gerade im aktuellen Umfeld, das durch besondere Herausforderungen für das Gesundheitswesen bei gleichzeitig niedrigen Zinsen gekennzeichnet ist, gewinnt die wirtschaftliche Situation eines Krankenversicherers als Auswahlkriterium für den Berater an Bedeutung“, erklärt Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg und Herausgeber des Map-Reports.

Neugeschäft bröckelt, Bestand hält noch

Stabilität der Bilanzen ist das eine, Wachstum und Neukundengewinnung das andere. „Sorgenkind ist und bleibt die Krankenvollversicherung“, berichtet Klages. Wie schon 2018 sei es auch 2019 den PKV-Anbietern nicht gelungen, den Bestandsabrieb zu stoppen (procontra berichtete). Weil die Geschäftsberichte von Landeskrankenhilfe, Mecklenburgische, Ottonova und Vigo nicht rechtzeitig vorlagen, konnte noch keine Gesamtzahl für 2019 ermittelt werden. Sie dürfte aber niedriger liegen als die 8,753 Millionen Vollversicherten 2018 (2015: 8,834 Millionen).

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Immerhin 14 der 33 Gesellschaften mit Vollversicherten konnten die Bestände gegenüber 2018 ausbauen. In absoluten Werten dominiert laut Map-Report die Debeka (+ 41.243 Kunden), gefolgt von HanseMerkur (+ 7.728.) und Axa (+ 3.933). Den größten Bestandsabrieb mussten wie in den Vorjahren DKV (- 16.497), Allianz (- 10.167) und Bayerische Beamtenkrankenkasse (- 6.568) hinnehmen.

Das Neugeschäft schwächelt im Marktdurchschnitt bereits seit zehn Jahren. Die Beitragsentwicklung aus Neugeschäft und Bestand legte insgesamt um 3,1 Prozent zu (2018: + 1,9 Prozent). Überdurchschnittliche Zuwächse verbuchten Concordia (10,5 Prozent), Mecklenburgische (9,8 Prozent), Ergo (6,9 Prozent) und DEVK (5,9 Prozent). Dagegen verloren bei den Beitragseinnahmen 2,0 Prozent und mehr: LVM, Bayerische Beamten und Münchener Verein.

Alterungsrückstellungen gut gepolstert

Die Debeka bleibt Marktführer mit 15,24 Prozent der verdienten Bruttoeinnahmen, gefolgt von DKV (11,97 Prozent), Allianz (8,72 Prozent) und Axa (7,96 Prozent). Die Aussicht auf Neugeschäft bleibt allerdings branchenweit schlecht. Kapitalanlagen und Alterungsrückstellungen konnten 2019 aber weiter ausgebaut werden. Beides ist ein gutes Indiz, um auch bei angespannten Kapitalmärkten und steigenden Gesundheitskosten die Beiträge der Kunden bis ins Alter stabil halten zu können.

Die Kapitalanlagen wuchsen 2019 um satte 6,3 Milliarden auf 294,1 Milliarden Euro. Die Altersrückstellungen stiegen um rund 2,8 Prozent (2018: + 5,2 Prozent) auf nunmehr 267,1 Milliarden Euro (2018: 259,9 Milliarden Euro). Trotz dauerhaften Niedrigzinsen kletterte die Nettorendite der Kapitalanlagen auf 3,26 Prozent und lag damit deutlich über Vorjahresniveau (3,03 Prozent). Dagegen fiel die laufende Durchschnittsverzinsung von Zinstiteln auf 2,8 Prozent (Vorjahr 3,13 Prozent).

Bilanz ist nicht alles, aber ohne Bilanz ist alles nichts

Für einen vollständigen Vergleich sind neben Bilanzkennkennzahlen weitere Faktoren entscheidend, etwa die Dienstleistungsqualität (Service, Beratung und Betreuung) und Beitragsentwicklung. Hierzu werden in den Geschäftsberichten keine Daten veröffentlicht. Daher erstellt der Map-Report jedes Frühjahr ein gesondertes PKV-Rating (procontra berichtete). Auch Morgen & Morgen legt regelmäßig PKV-Ratings vor (procontra berichtete). Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung bereitet zudem ein „KV-Rating Unternehmensqualität“ auf (procontra berichtete).

Der Map-Report 916 ist im PDF-Format lieferbar und kostet in der Druck- und Kopierversion ab rund 380 Euro. Interessenten wenden sich an [email protected].

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