Viele Anfragen

PKV-Beiträge steigen stark: Verbraucherzentrale meldet Anfragenflut

Besonders viele Menschen suchen derzeit Hilfe bei der Verbraucherzentrale Hamburg aufgrund gestiegener PKV-Prämien. Die Verbraucherschützer weisen auf teils dreistellige Erhöhungen hin und mahnen vor dem PKV-Abschluss zur Vorsicht, der PKV-Verband sieht hierin eine Marketingaktion.

Mehrere bunte alte Telefone stehen nebeneinander

Die Verbraucherzentrale Hamburg erreichen derzeit viele Anfragen von PKV-Versicherten, die sich über hohe Beitragsanpassungen beschweren. | Quelle: asbe

Bei der Verbraucherzentrale Hamburg steht derzeit das Telefon nicht still. Viele Menschen wenden sich wegen Beitragserhöhungen ihrer privaten Krankenversicherung (PKV) an die Beratungsstelle. Das Anfragevolumen sei in diesem Jahr extrem und liege geschätzt beim Dreifachen des Vorjahres, schilderte eine Sprecherin auf Nachfrage von procontra. Um die Anfragen abarbeiten zu können, müssten derzeit sogar Extraschichten eingelegt werden.

Durchschnittliche Anpassung bei rund 13 Prozent

Nach Angaben des PKV-Verbands wurden die Prämien zum Januar 2026 im Durchschnitt um rund 13 Prozent angehoben. Allerdings könne es im Einzelfall zu deutlich höheren Beitragsanpassungen kommen, warnt die Verbraucherzentrale Hamburg.

In der Beratungspraxis zeige sich derzeit häufig, dass Versicherte mit sehr hohen Beitragssprüngen konfrontiert würden. „In den vergangenen Tagen haben wir mehrfach Versicherte beraten, deren PKV-Beiträge um mehr als 50 Prozent gestiegen sind“, berichtet Anke Puzicha von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Betroffenen müssten dann plötzlich einen dreistelligen Betrag zusätzlich im Monat für ihren Krankenversicherungsschutz aufbringen.

Besonders ältere Versicherte seien betroffen. In einem extremen Fall sei der Beitrag eines Rentners um 119 Prozent gestiegen: Statt bislang 316,35 Euro müsse er nun 692,31 Euro im Monat zahlen.

Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung orientiert sich der Beitrag in der PKV nicht am Einkommen, sondern am individuellen Erkrankungsrisiko des Versicherten. Dieses ist in jüngeren Jahren geringer, entsprechend fallen die Beiträge zunächst niedriger aus. Mit zunehmendem Alter steigen die Leistungsausgaben – und damit auch die Prämien. Ein Wechsel zurück in die GKV ist in der Regel nicht möglich. „Finanzielle Engpässe sind kein Grund für eine Rückkehr“, erläutert Puzicha.

Tarifwechsel als häufigster Beratungsansatz

In der Beratung werde in der Regel geprüft, ob ein Wechsel in einen günstigeren Tarif beim bestehenden Versicherer möglich sei, erklärte eine Sprecherin der Verbraucherzentrale. Damit ließe sich zumindest kurzfristig eine finanzielle Entlastung erreichen.

Allerdings berichten laut Verbraucherzentrale mehrere Ratsuchende, dass sie selbst nach einem kürzlich erfolgten Tarifwechsel erneut mit deutlich höheren Prämien konfrontiert seien. Vor diesem Hintergrund mahnt die Verbraucherzentrale, vor einem Wechsel in die PKV sorgfältig zu prüfen, ob die Beiträge auch im Alter dauerhaft tragbar bleiben.

Zugleich spricht sich die Verbraucherzentrale dafür aus, den Zugang zur privaten Krankenversicherung künftig zu erschweren. Denkbar sei etwa, dass ein Wechsel erst dann möglich werde, wenn die Versicherungspflichtgrenze drei Jahre in Folge überschritten wurde, hieß es auf Nachfrage.

PKV-Verband weist Vorwurf zurück

Beim PKV-Verband sieht man die veröffentlichten Zahlen der Verbraucherzentrale hingegen kritisch und spricht von einer Marketingaktion. Zwar handele es sich bei den genannten Beispielen zweifelsohne um außergewöhnlich hohe Beitragsanpassungen. Das Herausstellen solcher Einzelfälle sei jedoch problematisch, da wichtige Hintergrundinformationen fehlten – etwa dazu, wann es zuletzt in dem jeweiligen Tarif eine Beitragsanpassung gegeben habe oder wie stark die Leistungsausgaben zuletzt gestiegen seien.

Tatsächlich belasten steigende Leistungsausgaben die Versicherer erheblich. Mehrere Gesetzesvorhaben aus dem Bundesgesundheitsministerium – etwa die Krankenhausreform oder das Notfallreformgesetz – zielten darauf ab, die Gesundheitsversorgung effizienter und damit langfristig auch kostengünstiger zu gestalten. Zudem setze man auf die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung, etwa durch die elektronische Patientenakte und das E-Rezept. Diese Anwendungen könnten helfen, Doppeluntersuchungen zu vermeiden und die Arzneimitteltherapiesicherheit zu verbessern, so der Verband.

Standardtarif als mögliche Entlastung – aber nicht für alle

Als kostengünstige Alternative zu teureren PKV-Tarifen verweist der PKV-Verband auf den Standardtarif. Dabei handelt es sich um einen Sozialtarif für langjährig privat Versicherte mit deutlich niedrigeren Prämien, allerdings auch mit einem Leistungsniveau auf GKV-Niveau.

Für Versicherte, die erst nach 2009 in die PKV gewechselt sind, ist der Standardtarif jedoch geschlossen. Diese können im Fall finanzieller Schwierigkeiten lediglich in den Basistarif wechseln. Der PKV-Verband setzt sich daher für eine erneute Öffnung des Standardtarifs ein. „Das Gesetz, das diesen Versicherten den Weg in den Standardtarif versperrt und sie allein auf den Basistarif verweist, hat sich als Fehler herausgestellt“, heißt es vom Verband.

Long Story short

Die Verbraucherzentrale Hamburg verzeichnet derzeit ein extrem hohes Beratungsaufkommen wegen teils drastischer Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung, die im Einzelfall deutlich über dem durchschnittlichen Anstieg von rund 13 Prozent liegen. Während die Verbraucherzentrale vor den finanziellen Risiken der PKV warnt und politische Hürden für einen Wechsel fordert, verweist der PKV-Verband auf gestiegene Leistungskosten und sieht im – für viele Versicherte jedoch geschlossenen – Standardtarif eine mögliche Entlastung.