Die Finanzierung der Pflege in Deutschland steht angesichts des demografischen Wandels vor großen Herausforderungen. Die Eigenanteile der Versicherten steigen immer weiter, betragen für die stationäre Pflege aktuell schon 3.500 Euro. Trotzdem lehnt die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) eine verpflichtende Pflegezusatzversicherung ab.
Als „Teilkaskoversicherung“ konzipiert
Auf der aktuellen DAV-Jahrestagung in Berlin wies Vorständin Wiltrud Pekarek darauf hin, dass die gesetzliche, umlagefinanzierte Pflegeversicherung bewusst nicht als Vollversicherung ausgestaltet worden sei. Sie sei als Teilkaskosystem konzipiert und solle nur grundlegende Risiken abdecken, zugleich aber Raum für Eigenverantwortung lassen.
Eine verpflichtende Pflegezusatzversicherung zur vollständigen Absicherung der pflegebedingten Eigenanteile im stationären und ambulanten Bereich würde daher über das Ziel hinausschießen und dem Subsidiaritätsprinzip widersprechen, wonach staatliche Eingriffe erst greifen sollten, wenn individuelle Vorsorge nicht mehr ausreicht.
Jüngere Generation nicht überfordern
Aus Sicht der DAV braucht eine nachhaltige Pflegefinanzierung einen ausgewogeneren Finanzierungsmix, um jüngere Generationen nicht durch permanent steigende Beitragssätze im Umlagesystem zu überfordern. Neben der solidarischen Grundabsicherung müsse daher ergänzende kapitalgedeckte Vorsorge eine stärkere Rolle spielen.
„Private Pflegezusatzversicherungen können helfen, Versorgungslücken zu schließen. Sie ermöglichen eine generationengerechtere Finanzierung und können steigende Eigenanteile im Pflegefall abfedern“, so Pekarek. „Private kapitalgedeckte Vorsorge sollte immer den Vorrang haben vor der verpflichtenden Ausweitung des Leistungsniveaus für alle.“
Politik muss bessere Rahmenbedingungen setzen
Damit ergänzende Vorsorge stärker genutzt wird, seien geeignete politische Rahmenbedingungen erforderlich. „Vorsorge muss für die Menschen einfacher und attraktiver werden. Dazu gehören transparente und frühzeitige Informationen über mögliche Eigenanteile im Pflegefall, geeignete Anreize sowie stabile regulatorische Rahmenbedingungen für langfristige Vorsorgeprodukte“, sagt Pekarek.
Zudem verweist die DAV auf strukturelle Alternativen. Statt neue Pflichtsysteme zu schaffen, sollten Pflegekosten durch Effizienzgewinne, Digitalisierung und Bürokratieabbau gesenkt werden. Auch Prävention könne langfristig die Pflegebedürftigkeit reduzieren.
Grundsätzlich betont die DAV, dass die Frage einer Pflichtversicherung keine rein versicherungsmathematische sei, sondern eine gesellschaftspolitische Entscheidung, die Grundsatzfragen der Verantwortung zwischen Individuum und Gemeinschaft und der Umverteilung zwischen Einkommensgruppen und Generationen berühre.
Long Story short
Die DAV hält eine verpflichtende Pflegezusatzversicherung für nicht sachgerecht und verweist auf das Subsidiaritätsprinzip.
Die gesetzliche Pflegeversicherung sei bewusst keine Vollversicherung, sondern setze auf Eigenverantwortung.
Die DAV plädiert für mehr private Vorsorge und strukturelle Reformen statt neuer Pflichtsysteme.
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